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Zwischen Pantomime,Tanz und Symphonie Gelungene Eröffnung des Konzertabos im Lingener Theater

Von Raphael Bonitz

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Als Meister ihres Fachs bewies sich die Compagnie Bodecker und Neander im Theater.Foto: Raphael BonitzAls Meister ihres Fachs bewies sich die Compagnie Bodecker und Neander im Theater.Foto: Raphael Bonitz

Lingen. Will man es auf den Punkt bringen, würde man sagen: Das war ein sensationeller Auftakt nach Maß. Zur Eröffnung des Konzertabos gastierte das Osnabrücker Symphonieorchester innerhalb des Programms der Niedersächsischen Musiktage mit „Die Zeit – Wer hat an der Uhr gedreht“ im Theater an der Wilhelmshöhe.

Wie der Titel es erahnen lässt, erwartete den Zuhörer etwas außerhalb des Gewohnten. Streng genommen wurde er hier sogar zum „Zuseher“, denn als besonderes künstlerisches Geschmeide gab sich die Compagnie Bodecker & Neander die Ehre; ihnen blieb der erste Teil vorbehalten.

Neue Impulse

Wolfram von Bodecker und Alexander Neander, Absolventen der „Ecole Marcel Marceau“, sind Pantomimen der Spitzenklasse. Dabei geben sie dieser faszinierenden Kunst ganz neue Impulse. In sechs Szenen erzählen sie wundervolle Geschichten voller Poesie, gewürzt mit leiser, aber umso wirkungsvollerer Ironie. Dabei wirkt der Humor immer pointiert, jedoch niemals klamaukig. Bodecker und Neander sind Meister ihres Fachs.

Verblüffend diese Körperbeherrschung, großartig die harmonische Abstimmung zwischen den beiden. Das zeugt von der perfekten Beherrschung des Handwerks. Dabei erscheint alles wie selbstverständlich, was auch ein perfektes Licht unterstreicht. Glücklich darf man sein, das zu erleben.

Zur großen Form laufen sie bei Philipp Glass’ Symphonie Nr. 3 auf, welche mit Klangstrukturen und verschiedenen Tempi arbeitet. Dazu erzählt die Compagnie mit der Performance „Es war einmal“ nicht nur die Erd- und Menschheitsgeschichte nach. Sie heben auch die Grenzen zwischen pantomimischer Darstellung und Tanz auf. Glänzend aufgelegter Partner sind ihnen dabei die Osnabrücker unter einem engagierten, trotzdem umsichtig leitenden Daniel Inbal. Der gewinnt Joseph Haydns Symphonie Nr. 101 neue Seiten ab – Beweis, wie quicklebendig diese Musik ist. Dieser Symphonie fügte der Verleger Johann Traeg später die Bezeichnung „Die Uhr“ bei, was sich auf den zweiten Satz, das Adagio, bezieht, bei dem man tatsächlich das Sekundenticken eines Zeitmessers als Puls zu hören scheint.

Wer dieses Konzert besuchte, hat einen großen Abend erlebt. Man kann sich Oberbürgermeister Dieter Krone nur anschließen, der in seinen Eröffnungsworten die Arbeit des Fachdienstes Kultur hervorhob und besonders lobte.


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