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Marktplatz als Standort Ein Sturm besiegelt das Ende des Kriegerdenkmals in Lingen

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Lingen. Der Lingener Marktplatz ist früher Kreuzungspunkt verschiedener Handelsstraßen gewesen. Hier stand viele Jahre das Kriegerehrenmal in Erinnerung an die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges.

Blickte man Anfang des 20. Jahrhunderts von der Rathaustreppe auf den Marktplatz, so sah man auf der Nordseite die Jugendstilfassaden der Bürgerhäuser und im Hintergrund die St. Bonifatius-Kirche, noch mit dem Dachreiter anstatt des erst 1904-06 errichteten Turms. Im Vordergrund, direkt vor dem Rathaus stand ein eingefriedetes Denkmal, das an die Gefallenen des Einigungskrieges 1870/71 erinnerte. Diese Art von Denkmalen wurde erstmals in großer Zahl im Kaiserreich zur Erinnerung an die Kriegsteilnehmer des Deutsch-Französischen Krieges errichtet.

Auf dem Sockel standen die Namen der 47 aus dem Kreis Lingen stammenden Gefallenen. Den Sockel krönte ein bronzener Todesengel, in dessen Armen ein Soldat ruhte. Schwierigkeiten bereitete die Rekonstruktion der Namen der Gefallenen. Das Komitee für Errichtung eines Kriegesdenkmals der Provinz Hannover richtete im April 1878 ein Schreiben an den Königlichen Oberpräsidenten mit der Bitte, ihnen bei der Ermittlung der Namen behilflich zu sein. Man hatte sich bereits, „um zur Kenntniß der Namen zu gelangen, an das Königliche Kriegs-Ministerium gewandt. Das Letztere befindet sich jedoch ausweislich einer von dem General-Commando des 10. Armee-Corps (…) zugegangenen Erwiderung nicht im Stande, die gewünschte Auskunft zu ertheilen (…).“ Deshalb möge der Oberpräsident in dieser Frage bitte vermitteln und die gewünschten Daten durch die „Obrigkeiten der Gemeinden einfordern zu lassen.“ Wichtig war dem Komitee, den vollen Namen des Gefallenen sowie den Truppenteil, bei dem er gedient hatte, zu erfahren, um dies dann auf dem Denkmal angeben zu können.

Eine diesbezüglich aus Lingen zurückgeschickte Liste führt zunächst vier Namen auf. Darunter findet sich der Landmann Johann Schnieder, der als gemeiner Soldat des 78. Ostfriesischen Infanterie-Regiments am 16. August 1870 bei Mars de Tour in Lothringen im Alter von 26 Jahren in Folge eines Schusses durch die Brust gefallen war. Oder der Tischler Friedrich Dümmer, Jäger in der 1. Kompanie des 10. Jäger-Battailons, der am 27. September bei einem Vorpostengefecht im Alter von 25 Jahren „in Folge eines Schusses durch den Kopf gefallen“ ist. Das Denkmal wurde 1893 errichtet und zierte von da an den Mittelpunkt der Stadt. Anfang der 1930er Jahre wurde das Denkmal, um mehr Platz für die NS-Aufmärsche zu bekommen, in eine Ecke des Pferdemarktes versetzt. Während des 2. Weltkrieges wurde der Bronzeengel eingeschmolzen. Den Sockel beschädigte zum Ende des Krieges eine Granate und als den Rest des Denkmals ein umstürzender Baum traf, wurde es um die Jahreswende 1948/49 abgebrochen.

Literatur: Stadtarchiv Lingen, Dep. 29b, Nr. 2044, Errichtung eines Kriegerdenkmals für die Provinz Hannover, 1878; Gruß aus Lingen an der Ems. Lingen auf alten Postkarten zusammengestellt von Albert Vennekamp, Lingen 1987; Andreas Eiynck, Lingen. Stadt an der Ems, Erfurt 2001.


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