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"Integrer Politiker" Ludwig Windthorst – Festvortrag zum 200. Geburtstag in Lingen

Zum 200. Geburtstag des Namensgebers kamen rund 350 Ehrengäste in das Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen-Holthausen – darunter neben Bischof Franz-Josef Bode (Mitte) viele weitere Ehrengäste.Foto: Helmut KramerZum 200. Geburtstag des Namensgebers kamen rund 350 Ehrengäste in das Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen-Holthausen – darunter neben Bischof Franz-Josef Bode (Mitte) viele weitere Ehrengäste.Foto: Helmut Kramer

Lingen. Politik aus dem Glauben heraus kann heute noch ein Modell für die christliche Demokratie sein. Zu diesem Fazit kommt der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf nach intensiver Beschäftigung mit dem Wirken des katholischen Zentrumspolitikers Ludwig Windthorst. Am Dienstagabend hielt Wolf beim Festakt zum 200. Geburtstag Windthorsts im gleichnamigen Bildungshaus in Lingen vor rund 350 Ehrengästen die Festrede.

Wolf skizzierte das Leben des laut seinem Historikerkollegen Golo Mann „genialsten Parlamentariers, den Deutschland je besaß“. Den größten Applaus erhielt er an diesem Abend aber bei der Nennung der Gründe für Windthorsts über Jahrzehnte gleichbleibende Beliebtheit in seinem Meppener Reichstagswahlkreis: „Vielleicht war es seine absolute Unbestechlichkeit und persönliche Integrität, die die geradlinigen Emsländer überzeugte. Jede persönliche Vorteilsnahme im Amt des Abgeordneten, jede finanzielle Hilfe vonseiten politischer Freunde lehnte er ab.“ So habe er laut dem Hochschullehrer im Gegensatz zu seinem großen Widerpart Bismarck die Villa strikt zurückgewiesen, die seine Anhänger ihm als Zeichen der Anerkennung seiner politischen Verdienste schenken wollten. „Wer als Politiker etwas auf sich hält und unabhängig sein will, nimmt nichts geschenkt“, zitierte Wolf Windthorst.

Noch einen großen Applaus gab es: Mitglieder des Theaterpädagogischen Zentrums in Lingen boten im Rahmen einer selbst inszenierten Castingshow einen ganz modernen Zugang zur Bedeutung dieses christlichen Politikers der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Die Windthorst-Festwoche wird am kommenden Freitag, 16. März, mit einem hochkarätig besetzten Akademieabend zum Thema „Wie viel Religion verträgt der Staat?“ und am Sonntag, 18. März, mit einem Tag der offenen Tür im grundsanierten LWH fortgesetzt. Nähere Infos unter www.lwh.de.


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