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Konzert in St. Bonifatius Aya Yoshidas Spiel auf der Orgel eine Offenbarung

Von Raphael Bonitz

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Lingen. Man nennt sie die „Königin der Instrumente“, und das diese Einordnung der Orgel völlig zu Recht besteht, zeigte ein beeindruckender Konzertabend in der St.-Bonifatius-Kirche. Aya Yoshida spielte unter anderem Werke von Prof. Thomas Meyer-Fiebig.

Dem Puristen mag es ja als Sakrileg vorkommen, hatte doch J.S.Bach die C-Dur Fantasie BWV 573 nach nur 12 Takten zur Seite gelegt und nicht mehr beendet. Das nun hat Meyer-Fiebig erledigt. Hört man diese „Bearbeitung“, dann erübrigt sich die Frage, ob man „so etwas darf“.

Hier hat ein Könner und Orgelkenner eine Idee des alten Meisters aufgegriffen und in dessen klarer Sprache zu Ende geführt. Das ist als hochachtende Verneigung vor Bach zu verstehen, und so verbietet sich jegliche Kritik. Aber Meyer-Fiebig kann auch anders:

Aphorismen II sind erstmals ein echter Schocker! Bei genauerem Hinhören entpuppen sich die vier kurzen Stücke jedoch als Ton-Mosaik, als klangliches Kaleidoskop, welches trefflich mit den Registerfarben der Orgel spielt.

Bereits hier erweist sich die Organistin Aya Yoshida als Meisterin ihres Instrumentes. In Meyer-Fiebigs Bearbeitung eines Orchestersatzes von Max Reger für zwei Orgelspieler bekommt man eine große Demonstration geboten, wie ein solches Zusammenspiel, nämlich zwischen Yoshida und Meyer-Fiebig, in tollem Einklang stattfinden kann. Alles aus einem Guss und in tiefstem Einverständnis, kann man so etwas noch toppen?

Flor Peeters Lied-Symphonie mit den Sätzen „Ocean - Desert - Flowers - Mountains - Sun“ muten wie Choralbearbeitungen in großem Stil an. Interessant ist dabei, dass sich der Meister eigener Melodien bedient. Peeters entpuppt sich als beeindruckender Tonschöpfer, scheinbar mühelos pendelnd zwischen Romantik und Moderne.

Diese „Lieder“ verlangen ein tiefes Verständnis, und da ist Aya Yoshida genau die richtige Interpretin. Großartig, wie diese Frau Orgel spielt, eine Offenbarung. Sie vermittelt mit ihrer Interpretation das zutiefst Meditative, aber auch so Emotionale in farbiger Weise und ist eine geborene Vermittlerin für diese Musik.

Es ist schön, dass wir mit der Krämer&Fischer-Orgel ein Instrument in unserer Stadt zur Verfügung haben, welches das Rüstzeug für solch beeindruckende Konzerte bietet. Und Aya Yoshida soll recht bald wiederkommen; viel mehr Besucher wären ihr zu wünschen.


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