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Wie viele Jahre braucht eigentlich eine gute Idee, bis...

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Wie viele Jahre braucht eigentlich eine gute Idee, bis sie in die Tat umgesetzt werden kann? Zwei, vier, sechs, gar acht Jahre oder noch länger? Im vorliegenden Fall, wir sprechen über den geplanten Bau eines Wasserkraftwerkes am Haneken in Elbergen, bereits über acht Jahre. Und ein Ende der vielen Verfahren und Absichtserklärungen, es doch noch zu bauen, ist nicht zu erkennen, jedenfalls nicht wirklich.

Wir erinnern uns: Als Mitte der 90er Jahre, also anno Tobak, ein Bayer aus Leutkirch die verwegene Idee hatte, mitten auf dem platten Land ein solches Kraftwerk zu platzieren, strauchelte die ansässige VEW darüber und wäre auch fast gestürzt, wenn sie nicht im letzten Moment den brillanten Einfall gehabt hätte, ein besseres Konzept zu haben. Ja, ja, seit Jahrzehnten vor Ort und auf einmal sagt es "klick", und das bessere Konzept ist geboren. Ist ja auch nicht dolle, sich von einem Fremden im eigenen Revier vorführen zu lassen.

Was folgte, wir machen es kurz, war ein zänkisches Hin und Her, publikumswirksam inszeniert für die Ränge mit dem Ergebnis, dass sich der Bayer wieder zurück in die Berge trollen musste (wahrscheinlich mit ein paar mehr Märkern im Rucksack) und der ansässige Energiegigant sich den Angstschweiß von der Stirn wischen konnte - ist ja noch mal gutgegangen.

Es folgten Jahre der Planung und die weiteren Nachrichten, dass man nicht nur beabsichtige, das Kraftwerk in die Mitte des Wehres zu bauen (die bessere Idee in der ehemaligen Stauklappe), sondern die ganze Anlage auch noch touristisch zu vermarkten und eine Bürgerbeteiligung auf die Beine zu stellen - so weit, so gut?

Tage, Wochen und Monate fließen durch die Ems und..., es passiert nichts. VEW wird RWE, und 2002 heißt es: Stadtwerke Lingen übernehmen Beteiligung der RWE Power am Wasserkraftwerk Hanekenfähr. Fünf Jahre sind seit dem denkwürdigen Abgang vom Bayer aus Leutkirch vergangen, und noch immer ruht die Ems in ihrem Bette, ohne dass aus ihren Fluten Energie gewonnen werden könnte, geschweige bereits wird. Aber nun, mag man denken, neue Besen kehren gut, und jetzt kommt Bewegung in die Turbine des neuen "Tourismusmagneten" am Haneken - doch es kommt anders.

Zuerst muss nun ein Windpark in Clusorth-Bramhar gebaut werden, weil das zum einen politischer Wille ist und zum anderen man damit wohl auch ein paar Euro mehr verdienen kann. Dafür, so scheint es jedenfalls, geht das Wasserkraftwerk langsam aber sicher auf dem kleinsten Strom Deutschlands den Bach runter.

Nach der Aktion Windpark werden Kisten und Kartons gepackt, weil der Umzug von der Kaiserstraße an die Waldstraße bevorsteht. Alles läuft wie geschmiert, bloß die Akte Wasserkraft scheint in dem ganzen Trubel der vergangenen Jahre in Vergessenheit geraten zu sein und irgendwo ganz unten in einem der vielen Pappschachteln auf Grund zu liegen. Ab und zu hört man "es gibt nichts Neues", weil Bezirksregierungen verschwanden und damit Zuständigkeiten wechselten.

Ist heute eigentlich noch die Rede von einer Turbine in der ehemaligen Stauklappe des Wehres, weil ja die bessere Idee? Oder darf man, wie es der Bayer aus Leutkirch vor fast einem Jahrzehnt schon geplant hatte, nur am Ufer der Ems ein Wasserkraftwerk mit Fischtreppe und allem Zick und Zack bauen? Über allem, so scheint es, hüllt sich der Mantel des Schweigens.

"Viel Ingenieurleistung wurde in das Projekt investiert und hat zu einer Optimierung der geplanten Anlage sowohl aus ökonomischer als auch ökologischer Sicht geführt", hieß es 2002 in einer Presseerklärung. Und weiter: Das Wasserkraftwerk Hanekenfähr eigne sich hervorragend zur Ergänzung bestehender Erzeugungseinheiten im Bereich der regenerativen Energieträger und solle in den nächsten zwei Jahren errichtet werden. Machen wir uns nichts vor - alles Pustekuchen.

Wir schreiben das Jahr 2005 und nach wie vor ist Stille in der Leitung, wenn man aufs Kraftwerk zu sprechen kommt. Vielleicht sollte man doch noch auf die Idee des Süddeutschen zurückgreifen, weil die damalige Bezirksregierung Weser-Ems in Oldenburg auf Anfrage unserer Zeitung in 1997 erklärt hatte, dass einem Bau der bayerischen Wasserkraftanlage nach einem positiven Bescheid eines Erörterungstermins nichts mehr im Wege stehe.

Damals hatte die Lingener Tagespost kommentiert, dass David gegen Goliath kämpft. Den Kampf konnte Goliath für sich gewinnen, aber die Idee von einem Wasserkraftwerk am Ufer der Ems, die geht auf das Konto von dem Besucher aus dem Süden. Fakt ist, dass mit dem Bayern das Kraftwerk seit Jahren seinen Dienst verrichten würde und Fakt ist auch, dass zunächst VEW, dann RWE und nun die Stadtwerke mit ihrer "besseren Idee" keinen sichtbaren Meter weitergekommen sind... oder?


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