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New York, Wien und Lingen

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Nicole Titus kam ein paar Minuten zu spät zum Seminar. "Der Rauchfangkehrer war noch bei mir im Haus", entschuldigte sich die Studentin der Theaterpädagogik in Lingen beim Dozenten. "Rauchfangkehrer, was ist das denn?", fragte eine andere Teilnehmerin spontan.

Die 24-jährige Österreicherin schmunzelt, als sie an die Episode zurückdenkt. So ein paar Begriffe aus ihrem Heimatland kommen ihr halt manchmal ganz automatisch von den Lippen. Des Rätsels Lösung: der Rauchfangkehrer ist nichts anderes als der deutsche Schornsteinfeger.

Auf dem Lingener Campus tummeln sich viele Studenten aus der Region Osnabrück-Emsland, aber natürlich auch aus anderen Ecken Deutschlands und darüber hinaus aus dem Ausland. "Ich wurde in St. Johann in Tirol geboren", erzählt Nicole Titus. Ihr Abitur - oder Matura, wie es in Österreich heißt - machte sie in Salzburg. Ihre Familie wohnt heute in Kufstein.

"Ich wollte immer Schauspielerin werden", erzählt sie von ihren beruflichen Wünschen während der Schulzeit. Bereits in der Schule machte sie erste Gehversuche auf den "Brettern, die die Welt bedeuten". Für zwei Monate zog Nicole Titus dann im Oktober/November 2000 nach New York und besuchte dort Schauspielkurse.

Danach zog sie für zwei Jahre nach Wien und ging auf die Schauspielschule. "Was wir dort machten, war toll, aber ich hatte trotzdem das Gefühl, irgendwie eingeengt zu sein und meine Meinung nicht frei äußern zu dürfen", erzählt sie.

Nach zwei Jahren brach sie die Schule in der Landeshauptstadt ab. Die junge Frau jobbte, und beim Surfen im Internet in der Freizeit habe sie dann "ein wenig gegoogelt", wie die 24-Jährige erzählt. Sie gab den Begriff Theaterpädagogik ein, "lan-dete" auf der Homepage der FH Osnabrück und wenige Mausklicks weiter auf dem Campus in Lingen.

Die Österreicherin war sofort begeistert von dem Studienangebot im Emsland. Sie ließ sich die Unterlagen zuschicken. Im Juli 2005 machte sie die Aufnahmeprüfung.

Von Paris aus, wo sie seit dem Frühjahr als Regieassistentin gejobbt hatte, fuhr Nicole Titus mit dem Nachtzug nach Lingen. Die Aufnahmeprüfung dauerte einen ganzen Tag. "Anfang August habe ich dann erfahren, dass ich zum Herbstsemester 2005 mit dem Studium der Theaterpädagogik anfangen kann", erinnert sich die Österreicherin. Bereut habe sie diese Entscheidung bislang noch keinen einzigen Tag.

Gemeinsam mit einer Mitbewohnerin, die gerade ihr freiwilliges soziales Jahr macht, teilt sich Nicole Titus eine gemütliche Altbauwohnung in der Lingener Innenstadt. Im Theater an der Wilhelmshöhe schaut sie häufiger rein, wenn Vorstellungen sind. "Straßentheater in Dritte-Welt-Ländern machen" würde sie gern im Anschluss an ihr Studium. "Aber ich bin da für alles offen", erzählt sie. Jetzt, in den Semesterferien, hat die Österreicherin der Stadt Lingen für ein paar Wochen den Rücken gekehrt. Urlaub in Kufstein? Nein. Sie arbeitet für einige Zeit an der Universität in München. Berufliche Erfahrungen zu sammeln ist ihr sehr wichtig. Und von München bis Kufstein ist es auch nicht sehr weit...


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