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Jochen Busse als amerikanischer Präsident Überzeugende Politik-Komödie „November“ im Lingener Theater

Von Meike Blunk

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Jochen Busse überzeugte in der Rolle des US-Präsidenten.Jochen Busse überzeugte in der Rolle des US-Präsidenten.

Lingen. Das Ensemble des Theaters an der Kö aus Düsseldorf und die Komödie Bayerischer Hof aus München überzeugten mit Zugpferd Jochen Busse in der Rolle des fiktiven US-amerikanischen Präsidenten Charles Smith im Kampf um seine Wiederwahl im Lingener Theater mit schwungvoll ausgeloteter Situationskomik.

Autor David Mamet hat sich mit der Polit-Komödie „November“ (Anfang 2008 in New York uraufgeführt) an die „heiligen Kühe“ der Amerikaner, PR-geprägter Präsidentschaftswahlkampf und Thanksgiving, herangetraut und eine sprachgewaltige Farce geschaffen, die, abgesehen von nationalen Bräuchen, überall auf der Welt spielen könnte.

Regisseur Rene Heinersdorff hat der mutigen Komödie mit aktuellen Dialogspitzen wunderbar zugearbeitet. Darüber hinaus überzeugte Heinersdorff mit souveräner Ironie als Staatssekretär Archer Brown im Theater an der Wilhelmshöhe. Im realistisch nachgestellten Oval Office fragt der teilweise sehr naiv denkende und machtbesessene Präsident Smith seinen Berater, warum ehemalige Anhänger nun, während des Wahlkampfes, alle gegen ihn seien. Brown gibt unmissverständlich zu verstehen, dass dessen Politik dem Land zu große Probleme aufgebürdet habe, Smith nun am Ende sei und aufgeben solle.

Busse lässt Smith mit großer Sprachversiertheit (seine langen Erfahrungen als Kabarettist kamen ihm bei dieser textlastigen Rolle zugute) und einem erhöhten Adrenalinpegel zu Höchstform auflaufen. Dabei spricht er jedoch bedrohlich gepresst, sodass sich sein Gesicht dunkelrot verfärbt. Smith kalkuliert neue – medienwirksame – Geschäfte mit dem Lobbyisten des Truthahnverbandes (Thomas Gimbel verleiht diesem eine gelungene, einfache Struktur). Darüber hinaus setzt Smith ganz auf seine brillante Redenschreiberin Clarice Bernstein (authentisch von Claudia Scarpatetti gespielt), die jedoch ihre eigenen Vorstellungen von politischer Einflussnahme hat.

Während Smith krampfhaft versucht, das Ruder der Macht wieder in die Hand zu bekommen, mischt seine Ehefrau (in Form von Telefongesprächen) mit eigennützigen Interessen ordentlich mit. Ferner schlagen Vogel- und Schweinegrippe massive Wellen und sorgen für eine groteske Schieflage.

Als dann noch der Indianerhäuptling Dwight Grackle (besonnen von Andre Beyer verkörpert) alte, offene Rechnungen begleichen möchte, droht das Weiße Haus voll und ganz im Chaos zu versinken. Mit rasanten Pointen und einer potenten Spielweise ist es dem Ensemble gelungen, schwierige Themen auf sehr unterhaltsame Weise darzubieten.


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