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„Wir liegen in Niedersachsen weit vorn“ Lingen: Rund ein Drittel der unter drei Jahre alten Kinder haben einen Betreuungsplatz

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Immer besser werden die Chancen, dass Melanie und Jörg Wübbels aus Freren für den sieben Wochen alten Jannik – hier beim Spaziergang über die Emslandschau – später einen U-3-Betreuungsplatz bekommen.Foto: Felix ReisImmer besser werden die Chancen, dass Melanie und Jörg Wübbels aus Freren für den sieben Wochen alten Jannik – hier beim Spaziergang über die Emslandschau – später einen U-3-Betreuungsplatz bekommen.Foto: Felix Reis

Lingen. Bei der Emslandschau können Eltern an diesem Wochenende in der Sonderausstellung „Baby + Kind“ viele Dinge finden, damit sich ihr Nachwuchs wohlfühlt und rundum gut versorgt ist. Damit das auch so ist, wenn Papa und Mama wieder arbeiten sind, dafür sorgt ab 2013 der Gesetzgeber. Denn dann haben die Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihre unter drei Jahre alten Kinder. Bei 35 Prozent soll, so will es die Bundesregierung, 2013 die Betreuungsquote im „U-3-Bereich“ liegen. Günter Schnieders, Fachbereichsleiter für Jugend, Arbeit und Soziales in Lingen, sieht diesem Ziel mit Zuversicht entgegen: „Wir liegen da in Niedersachsen sehr weit vorn.“

Denn bereits heute nutzen in Lingen rund ein Drittel der Eltern das Angebot für ihre Sprösslinge. So sind seit Beginn des Kindergartenjahrs 2011/2012 410 Plätze belegt. Das entspricht einer Betreuungsquote von 31 Prozent. „Wir sind sehr weit“, sagt Schnieders. „Wir haben aber auch früh angefangen.“ Bereits 2006 hatte die Verwaltung eine Umfrage unter Eltern durchgeführt. Der Bedarf damals: 200 Plätze.

Hohe Investitionen

Mittlerweile hat sich dies geändert. Die Nachfrage steige eben, wenn die Qualität eines Angebotes für Bürger erkennbar werde, so der Fachbereichsleiter. Auch dieextrem niedrige Arbeitslosigkeit in Lingen sei ein Faktor.

So geht er davon aus, dass 2013, mit Inkrafttreten des Rechtsanspruchs, für rund 50 Prozent der Kinder eine Nachfrage besteht. Bereits heute gibt es trotz der starken, auch finanziellen Bemühungen eine Warteliste von rund 100 Kindern. Weitere Plätze in Kindertagesstätten, altersübergreifenden Gruppen oder auch in der Tagespflege müssten also geschaffen werden, so Schnieders.

Dass die Lücke geschlossen werden kann, da ist sich der Fachbereichsleiter nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre, in denen der Ausbau der Plätze in hoher Geschwindigkeit vonstatten ging, optimistisch. Grund sei, neben dem guten Kontakt zwischen Verwaltung und Kindergärten, der parteiübergreifende Konsens in der Lingener Politik. Die Vertreter in Ausschüssen und Rat seien sich bewusst, dass die Investitionen wichtig seien. „Wir wollen, dass sich Eltern für Kinder entscheiden. Also müssen wir die Infrastruktur schaffen“, sagt Schnieders.

Bestes Beispiel dafür seien kurzfristige Ausbau-Entscheidungen, etwa in den Kindergärten St. Bonifatius (Krankenhaus) oder Christ König in Darme, für das nun laufende Kindergartenjahr gewesen. Mit 370 Neuanmeldung sah sich die Verwaltung zu Beginn des Jahres für 2011/12 konfrontiert. Schnell habe man, in Zusammenarbeit mit Politik und den Kindergartenleitungen, Lösungen gefunden.

Neben Krippen soll die Tagespflege, in der derzeit in Lingen rund 60 Kinder unter drei Jahren betreut werden, ein Standbein werden. Zwischen 10 und 15 Prozent der Kinder, für die ein Platz in Anspruch genommen wird, sollen dann von fortgebildeten Tagespflegern betreut werden. Sehr flexibel sei diese Variante, betont Schnieders. Auch könnten sich die Tagespfleger intensiv um den Nachwuchs kümmern, weil sie gleichzeitig nur fünf Kinder betreuen dürften. Neuestes Beispiel sei die kürzlich eingerichtete „Großtagespflege“ Mondscheinland an der Schwedenschanze, wo sich zwei Erzieherinnen zusammengetan haben.

Dass der Ausbau der U-3-Plätze hohe Investitionskosten mit sich bringe, sei klar, meint Schnieders. So müssten beispielsweise Sanitär- und Essbereiche geschaffen oder renoviert werden. Zwischen 2008 und 2010 seien in Lingen rund 6,2 Millionen Euro (inklusive der Förderungen) in die Hand genommen worden. Bis 2014 – so weit reichen derzeit die Planungen in der Verwaltung – für die U-3-Plätze, rechne man noch einmal mit einem Bedarf von 3 Millionen Euro an städtischen Mitteln.

Die Notwendigkeit betont Schnieders allerdings auch aus einem anderen Fachbereich der Verwaltung heraus. So sei es beispielsweise für das St.-Bonifatius-Hospital ein Standortvorteil, für den Nachwuchs von Ärzten Plätze in der Kindertagesstätte anbieten zu können. Auch Firmen könnten damit bei der Suche nach qualifiziertem Personal für sich werben. „Das ist also auch ein Thema der Wirtschaftsförderung“, sagt Schnieders.


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