Lingenerin sucht Autofahrer Acht Monate nach Unfall: Margret Borgels letzte Hoffnung ist ein Foto

Inzwischen befährt Margret Borgel die Helgolandstraße in Darme wieder, wenn auch mit "einem mulmigen Gefühl": Vor acht Monaten ist sie hier hier auf dem Rad angefahren und schwer verletzt worden.Inzwischen befährt Margret Borgel die Helgolandstraße in Darme wieder, wenn auch mit "einem mulmigen Gefühl": Vor acht Monaten ist sie hier hier auf dem Rad angefahren und schwer verletzt worden.
Carsten van Bevern

Lingen. Ein Auto fuhr Margret Borgel im April auf der Helgolandstraße in Lingen an. Der Fahrer floh. Sie verletzte sich schwer, hat bis heute Schmerzen. Das Foto eines Autos ist ihre letzte Hoffnung, den Verursacher zu finden.

Der Unfall hat das Leben von Margret Borgel nachhaltig verändert. Es ist der Dienstag nach Ostern, 6. April, als sie mit dem Fahrrad in Richtung Innenstadt fährt. Gegen 10.45 Uhr befährt sie die Helgolandstraße. Sie hört, dass ich von hinten ein Auto nähert. Dann knallt es, sie stürzt und landet halb auf der Straße und halb auf dem Gehweg. Sie merkt gleich, dass sie verletzt ist.

Zum Glück hält der Unfallverursacher an, denkt sie noch. Doch dann fährt das Auto weiter, hält noch einmal und fährt schließlich davon. Margret Borgel schreit um Hilfe.

Bauhof-Mitarbeiter und Nachbarn helfen

Zufällig kommen Mitarbeiter des Lingener Bauhofs vorbei, sie helfen ihr ebenso wie Nachbarn. Sie informieren die Polizei und ihren Mann, rufen einen Rettungswagen. Sie wird vor Ort behandelt und nach der Aufnahme des Unfalls durch die Polizei ins Bonifatius-Hospital gebracht.

Carsten van Bevern
Mit ihrem Anwalt Hubert Ratering versucht Margret Borgel weiter, den Unfallverursacher zu finden.

"Zu dem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass es knapp acht Monate dauern wird, bis ich wieder arbeiten kann, wenn auch unter Schmerzen", berichtet sie heute, mehr als ein halbes Jahr nach diesem einschneidenden Erlebnis. Neben ihr sitzt ihr Anwalt Hubert Ratering. Mit seiner Hilfe sucht sie noch heute - ach Monaten nach dem Unfall, nach dem Verursacher.

Zehn Tage muss sie im April im Krankenhaus bleiben. Neben kräftigen Schürfwunden am Arm und an einer Körperseite waren Rippen geprellt und ein Lendenwirbel gebrochen. Seit dem Unfall hat sie häufig starke Kopfschmerzen, die Hörleistung auf dem rechten Ohr hat gelitten. Sie macht eine Reha in Bad Bentheim. Im Krankenhaus sagt man ihr, dass sie mit gewissen Schmerzen künftig wird leben müssen.


Carsten van Bevern
Margret Borgel war nach dem Unfall zunächst auf einen Rollator angewiesen.


Schließlich beginnt ihre Wiedereingliederung in den Beruf. Seit vielen Jahren arbeitet sie in den verschiedenen Poststationen in Darme und ist dort aufgrund ihrer stets guten Laune und der markanten Stimme, wie sie selber sagt,  "bekannt wie ein bunter Hund".

Neustart mit zwei Stunden Arbeit täglich

Zwei Arbeitsstunden täglich sind es in den ersten fünf Wochen, in den folgenden drei Wochen sind es vier Stunden. Seit Anfang Dezember ist sie nun wieder voll dabei, hilft im stressigen Weihnachtsgeschäft so gut es geht - unter Schmerzen und nach Einnahme von Medikamenten. Ihre meist gute Laune hat sie dennoch nicht verloren:

„Es geht mir ja auch schon deutlich besser als vor acht Monaten.“

Das Eine aber ärgert sie: Der Unfallverursacher hat sich bis heute nicht gemeldet und konnte auch durch die Polizei nicht ermittelt werden. Sie hat persönlich die Nachbarn am Unfallort abgeklappert. Kein Ergebnis. Sie hat mit unserer Redaktion gesprochen, ein erster großer Artikel erschien. Auch das brachte keine neuen Erkenntnisse.

Kennzeichen weiter unbekannt

Das Kennzeichen des Autos konnte sie sich seinerzeit nicht merken. Der Wagen sei eher etwas höher gewesen und habe eine gold-braune Lackierung gehabt. Inzwischen ist sie sich sicher, dass es sich dabei um eine Mercedes A-Klasse aus den Baujahren 2004 bis 2012 mit schwarzen unteren Seitenteilen und einer getönten Heckscheibe handelte.

Weitere Recherchen ergaben, dass ein solches Fahrzeug circa 30 Minuten nach dem Unfall erneut durch die Helgolandstraße gefahren ist. Dabei ist ein Foto angefertigt worden, welches dieses Fahrzeug zeigt. Außerdem erinnert sich Margret Borgel daran, dass die Person längere Haare hatte und es sich um eine ältere Fahrerin gehandelt haben könnte.

Rechtsanwaltskanzlei Hubert Ratering
Mit diesem Foto suchen Margret Borgel und ihr Anwalt nach dem Fahrer dieser Mercedes A-Klasse (Baujahre 2004 bis 2012) - ein wichtiger Zeuge oder gar der Unfallverursacher?

Die Polizei nimmt nach diesen Aussagen die bereits eingestellten Ermittlungen wieder auf - wieder ohne Ergebnis. Auch ein Abgleich der Angaben beim Kraftfahrt-Bundesamt führt nicht zum Erfolg. Das Verfahren ist  von der Staatsanwaltschaft Osnabrück daraufhin am 6. Oktober wieder eingestellt worden. 

Sie bittet Zeugen um Hinweise

"Nun hoffen wir, dass wir durch eine Veröffentlichung des Fotos noch neue Hinweise erhalten. Zeugen können sich gerne bei der Polizei oder auch bei mir in der Kanzlei melden", sagt Hubert Ratering und hofft auf eine Reaktion. Denn sollte es neue Erkenntnisse geben, wird die Staatsanwaltschaft das Verfahren sofort wieder aufnehmen. Schließlich lautet der Vorwurf nach § 142 Strafgesetzbuch "Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort". "Und das ist kein Kavaliersdelikt", bestätigt der Rechtsanwalt.


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