Kommen Testzentren zu langsam? Corona-Schnelltests im Emsland: Michael Koop kritisiert Apotheker-Kollegen

Bei der Einrichtung von Testzentren im Emsland könnten die Apotheken mehr tun, meint der Lingener Apotheker Michael Koop.Bei der Einrichtung von Testzentren im Emsland könnten die Apotheken mehr tun, meint der Lingener Apotheker Michael Koop.
Jessica Lehbrink

Lingen. Im Emsland gilt ab Mittwoch die Corona-Warnstufe 2. Sie bringt vielerorts die 2Gplus-Pflicht mit sich. Damit verbunden sind Fragen nach Schnelltests und Testzentren. Apotheker Michael Koop aus Lingen öffnet weitere.

Auf eine große Nachfrage nach Schnelltests und Testzentren ist Michael Koop vorbereitet. Der Lingener Apotheker ist am Dienstag nach Rhede unterwegs. Dort hatte Koop auf dem Gelände des Bauunternehmens Terfehr bislang ein Testzentrum eingerichtet, dass nun wieder aktiviert wird. 

Betreiben wird es nach seinen Angaben die örtliche Apothekerin Eva Kohnen von der Nikolaus-Apotheke. Mit ihr und Bürgermeister Jens Willending spricht Koop vor Ort alles Weitere ab. "Geplant ist, dass wir am Montag starten", erklärt Apothekerin Kohnen auf Anfrage.

Warnstufe 2

In der Warnstufe 2 wird vorrangig die 2Gplus-Regel (geimpft, genesen plus zusätzlich negativen Testnachweis) den Alltag bestimmen. Anders als viele private Anbieter hat Koop in den letzten Wochen, in der der Bürger für einen Test 9,50 Euro zahlen musste, seine Testzentren in Schapen, Lingen, Meppen und Neubörger nicht geschlossen. 

Kritik am Berufsstand

Kritisch sieht er in diesem Zusammenhang auch seinen eigenen Berufsstand. "Das werfe ich meinen eigenen Apothekerkollegen vor, nämlich zu langsam zu sein", meint Koop. Die Apotheken auch im Emsland sollten sich mit ihrem hoch qualifiziertem Personal nach seiner Auffassung in viel stärkerem Maße als bislang bei der Einrichtung von Testzentren engagieren.

"Ich verstehe nicht, dass wir die Testzentren von Seiten der Apotheken im Landkreis nicht mehr in die Hand genommen haben", so Koop. Vor diesem Hintergrund hebt er ausdrücklich die Kollegin Eva Kohnen in Rhede bei den Bemühungen nach weiteren Testzentren hervor. "So muss es sein: Die örtliche Apotheke und die Verwaltung an vorderster Stelle." Zu überlegen sei auch, ob wieder Testzentren flächendeckend in den Gemeindeverwaltungen eingerichtet werden sollten.

Nicolas Armer/dpa

Wer ein solches Testzentrum betreiben will, muss dies beim Gesundheitsamt des Landkreises Emsland anmelden und seine Befähigung dazu nachweisen. 

Was bedeutet 2Gplus?

Die  2Gplus-Pflicht zum Beispiel bei privaten Feiern mit mehr als 15 Personen im Innenbereich, innerhalb einer Gastronomie, beim Besuch von Weihnachtsmärkten, Kinos oder Diskotheken wird nach Einschätzung von Koop die Nachfrage nach Corona-Antigen-Tests in die Höhe schnellen lassen. Hinzu kommen die Bedarfe in den Betrieben, wo sich Arbeitnehmer unter entsprechender Aufsicht selbst testen können.

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Der Corona-Antigen-Test dient zur schnellen Diagnose einer SARS-CoV-2 Infektion.

Aber gibt es denn genug Corona-Antigen-Tests im Emsland? Offenbar ja, wenn man über gute Verbindungen verfügt. "Man hat mir für morgen 60.000 zugesagt", erklärt Koop. Die holt er am Mittwochabend in Hamburg ab. Der Lingener Apotheker nutzt dort seine "chinesischen Kontakte". Nächste Woche erwartet er in Osnabrück eine Lieferung von 250.000 Corona-Antigen-Tests, ebenfalls aus China. Es heiße zwar anderswo, dass die Testmengen knapp sein könnten, sagt Koop. "Ich sehe für das Emsland aber keine Schwierigkeiten."

Ein Test kostenlos: Wer soll das kontrollieren?

Der aktuell geltenden Verordnung zufolge ist mindestens ein Antigen-Test pro Woche kostenlos. "Aber wer will das kontrollieren?", fragt der Apotheker. Tatsächlich wolle man dies wohl auch gar nicht, weil es ja darum gehe, herauszufinden, wer infiziert sei. Was allerdings gar nicht gehe, seien vor diesem Hintergrund 50.000 Menschen in einem Fußballstadion wie am vergangenen Wochenende in Köln. "Das finde ich sehr fragwürdig", so der Apotheker.


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