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Viel für die Bevölkerung getan Lingen: Früherer Oberbürgermeister Bernhard Neuhaus wird heute 80 Jahre

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Lingen. Als der frühere Oberbürgermeister Bernhard Neuhaus heute vor 80 Jahren im Haus Markt Nr. 24 das Licht der Welt erblickte, hieß es, dass er mit dem Gesicht zum Rathaus geboren worden sei. „Mein Spielplatz war der Marktplatz“, erinnert sich der Uhrmacher- und Optikermeister an seine Kindheit. „Ich beobachtete, wenn die Herren des Stadtrates die Treppen zum Historischen Rathaus hinaufstiegen, um darin zu tagen. Da dachte ich mir: Zu denen möchtest du auch einmal gehören.“

An diesem Dienstag haben Vertreter der Stadt Gelegenheit, dem Christdemokraten zu danken, der von 1988 bis 1995 ehrenamtlicher Oberbürgermeister der Stadt war und dem Stadtrat von 1969 bis 2001 angehörte. Sein Leitwort war „Suchet der Stadt Bestes“ (Altes Testament, Buch Jeremia). Neuhaus interpretierte das „Ober-“ in seiner Amtszeit nicht im Sinne von Stadtoberhaupt, sondern hob vielmehr die dienende Funktion des Amtes hervor. „Ich fühle mich, wie ein Ober im Restaurant dazu verpflichtet, für die Menschen zu sorgen“, pflegte er seinerzeit bei öffentlichen Auftritten zu sagen. Die Bürger hatten Vertrauen zu ihm, sprachen ihn immer wieder an und baten um Unterstützung in verschiedenen Lebenslagen.

Als erfolgreich bleibt die Amtszeit von Neuhaus auch deshalb in Erinnerung, weil er sich mit Oberstadtdirektor Karl-Heinz Vehring sehr gut verstand. Das kam den Bürgern direkt zugute. „Eines Tages erhielt ich einen herzzerreißenden Brief von einer russischen Frau, die in zweiter Ehe mit einem Russlanddeutschen verheiratet war. Sie hatte aus erster Ehe einen Sohn, der russischer Abstammung war. Diese Familie lebte schon seit mehreren Jahren in Lingen. Der Sohn aus erster Ehe sollte, als er volljährig wurde, nach der Gesetzeslage abgeschoben werden.“ Er habe Vehring gebeten, sich dieser Angelegenheit anzunehmen und nach einer Möglichkeit zu suchen, diese Abschiebung zu verhindern. „Wochen später bekam ich einen glühenden Dankesbrief einer glücklichen Mutter. Ich habe Karl-Heinz Vehring nie gefragt, welchen Weg er gefunden hatte, der sicherlich gesetzlich einwandfrei war, um dieser Familie zu helfen. So problemlos lief die Zusammenarbeit zwischen uns.“

Neuhaus übernahm schon 1961 als JU-Kreisvorsitzender, ab 1963 als CDU-Stadtverbandsvorsitzender politische Verantwortung. Rückblickend zeigte er sich erfreut darüber, dass es in den 60er-Jahren verstärkt gelang, evangelische Kommunalpolitiker in die CDU einzubinden und mit der Wahl von Hans Klukkert als evangelischem Christen zum Bürgermeister beziehungsweise zum Oberbürgermeister im Jahr 1968 ein Zeichen zu setzen. Froh war der CDU-Politiker auch darüber, dass nach der Gemeindereform 1974 alle Ortsteile nach anfänglichen Schwierigkeiten harmonisch mit der Stadt zusammenwuchsen.

Katholik Neuhaus, der 1988 Klukkerts Nachfolge antrat, hätte sich nach eigenen Worten keine spannendere Zeit als Oberbürgermeister vorstellen können, die geprägt war von der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 und den damit verbundenen weltpolitischen Umbrüchen. Bei einer Reise nach Marienberg im März 1990 vertiefte er schon bestehende Kontakte zwischen den evangelisch-lutherischen Kirchenkreisen beider Seiten und bereitete auf diese Weise die Partnerschaft mit der sächsischen Stadt im Erzgebirge vor. Auch bei der Ukraine-Hilfe engagierte er sich und fuhr im Februar 1992 mit anderen Helfern im Rahmen eines DRK-Hilfstransports zum Dorf Juskowzy, aus dem während des Zweiten Weltkriegs 86 Männer Zwangsarbeit in Lingen vor allem im Eisenbahnausbesserungswerk leisten mussten. Mit dem jetzt 89-jährigen Wasili Ratuschko, der in den 90er-Jahren auf Einladung der Stadt Lingen an der Einweihung des Denkmals vor dem Eisenbahnausbesserungswerk in Erinnerung an die Zwangsarbeiter teilnahm, ist er bis heute befreundet.

Darüber hinaus setzte sich der Lingener auch als zweiter Vorsitzender des Forums Juden-Christen im Altkreis Lingen für die Aussöhnung nach dem Massenmord an den Juden ein. Bernhard Neuhaus, bei Kriegsende zwölf Jahre alt, hat erfahren, was es bedeutet, wenn die Propaganda einer Diktatur in diametralem Gegensatz zu den im Elternhaus vermittelten Überzeugungen steht. „Ich habe meinen Vater nie wieder so deprimiert erlebt, nachdem das Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 gescheitert war.“

Die Rede, die er auf Drängen des damaligen Emslanddechanten Reinhard Molitor am 8. Mai 1995 auf dem Lingener Marktplatz aus Anlass des 50. Jahrestages der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands hielt, war nach seinen Worten die schwierigste in seiner Amtszeit als Oberbürgermeister. „Ich habe seinerzeit versucht, deutlich zu machen, wie zwiespältig damals die Gefühlslage der Lingener war“, sagt Neuhaus heute. Umso mehr freut es ihn heute, dass sich Deutschland nach den Verbrechen der Nazi-Diktatur jetzt als ein geachtetes Mitglied der Völkerfamilie für Frieden und Freiheit sowie für die europäische Einigung einsetzt.

Auch während seiner zeitaufwendigen politischen Tätigkeit war Neuhaus Familienmensch. Er wird es genießen, heute im Kreise seiner Ehefrau Helga sowie der drei Kinder, sieben Enkelkinder und zwei Urenkel seinen Ehrentag zu feiern.


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