Kandidat für „Die Linke“ von Wensiersky: Arbeitslos, aber nicht ohne Arbeit

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<em>Heinz Georg von Wensiersky</em> tritt bei der Bundestagswahl 2013 für die Partei „Die Linke“ im Wahlkreis Mittelems an. Foto: Mike RöserHeinz Georg von Wensiersky tritt bei der Bundestagswahl 2013 für die Partei „Die Linke“ im Wahlkreis Mittelems an. Foto: Mike Röser

Bad Bentheim. Als Heinz Georg von Wensiersky 2008 in „Die Linke“ eintrat, hätte er nicht gedacht, dass er so viel Zeit und Arbeit in die Partei investieren würde. Fünf Jahre später hat der 62-Jährige aus Bad Bentheim eine Kandidatur bei der Kommunalwahl und eine bei der Landtagswahl hinter sich – und steckt derzeit mitten in der dritten: Er tritt als Kandidat der Linken im Wahlkreis Mittelems bei der Bundestagswahl 2013 am 22. September an.

Gespräche mit von Wensiersky können lange dauern. Nicht nur, weil er gewandt über seine Sicht der Dinge erzählen kann, dabei sachlich bleibt und vieles mit Zahlen und Fakten belegt. Nein: Auch Telefonate unterbrechen den Redefluss mitunter. „Sie müssen von sich aus Initiative ergreifen“, sagt er in sein Mobiltelefon, nachdem eine Frau seine Nummer gewählt hat, die nicht weiß, wie sie das Geld für die Schulbücher ihrer Kinder aufbringen soll. „Dass Hartz-IV-Empfänger ihre Kinder zum Gymnasium schicken, ist wohl nicht vorgesehen“, meint von Wensiersky nach dem Auflegen.

Der Anruf ist ein Beispiel für die vielfältige ehrenamtliche Arbeit des 62-Jährigen. Er selbst spricht davon, ehrenamtlicher Multifunktionär zu sein, und sagt: „Mit meinen Fähigkeiten kann ich einiges leisten, also bringe ich es ein.“

Das tut er derzeit bei der Aktionsgemeinschaft Grafschafter Arbeitsloser (AGGA), die er 2004 gründete, in Sprechstunden für Arbeitnehmer im Verdi-Büro in Nordhorn, als Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung Bund und bei Seminaren, bei denen er andere schult, damit sie über SGB II und III informieren können.

So hat er einen ausgefüllten Tag, auch wenn er derzeit selbst wieder arbeitslos ist, wie so oft seit Mitte der 1990er-Jahre, obwohl er es zuvor vom Volksschüler bis zum technischen Leiter gebracht hatte. „Ein ausgefülltes Leben, mit der Idee, dass es zurückgeht zur Solidarität“, sagt er. Denn von dieser sei die Gesellschaft abgerückt seit den Tagen von Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl.

Auch seine ehemalige Partei, die SPD, habe daran mitgewirkt, meint er: „Als Gerhard Schröder den Haushalt konsolidiert hat, habe ich meinen ebenso konsolidiert.“ Als die Sozialdemokraten 2004 die Agenda 2010 umsetzten, trat er aus der SPD aus, in der er zwischenzeitlich Ortsvereinsvorsitzender von Bad Bentheim gewesen war.

Tatenlos blieb von Wensiersky jedoch nicht: Er half bei der Gründung der Lebensmittelausgabe „Brotkorb“ in der Grafschaft Bentheim und des Arbeitskreises „Armut in der Grafschaft Bentheim“. Er gründete AGGA, engagierte sich als ehrenamtlicher Sozialrichter in Osnabrück – und fand in der Linken 2008 eine neue politische Heimat.

Dort gehört er keiner Strömung an und will über das Parteiprogramm hinaus, hinter dem er voll steht, Gesicht zeigen und Identifikation ermöglichen. So bedauert er es, dass es bei der Kommunalwahl 2011 für ihn nicht für den Einzug in den Kreistag der Grafschaft Bentheim gereicht hat. „Die CDU ist noch zu stark hier, aber auch das wandelt sich“, sagt er. Zumal das Emsland und die Grafschaft Bentheim nicht eine „heile Welt“ seien, wie gerade die Christdemokraten es propagieren würden. „Über 50 Prozent der Arbeitsverhältnisse in der Region sind prekär“, zitiert er aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die unter prekäre Arbeit unter anderem Leiharbeit, Werkverträge oder auch Befristungen fasst. Das unterstreiche unter anderem, warum ein Mindestlohn von zehn Euro notwendig sei, so der Linken-Kandidat.

Zudem spricht sich von Wensiersky für eine bessere finanzielle Ausstattung der Gemeinden aus. „Es geht immer mehr zulasten der Kommunen“, beklagt er. „Dabei kann Gesellschaft nur über die Basis funktionieren.“ Wenn es in manchen Orten keinen Arzt oder keine Schulen mehr gäbe, dann sei das schlicht falsch.

Um solchen Fehlentwicklungen entgegenzutreten, engagiert er sich und tritt auch als Linken-Kandidat im Wahlkreis Mittelems an. „Eine Chance habe ich nicht“, sagt er. „Nutzen will ich sie trotzdem. Denn ich stehe für einen Teil der Bevölkerung, den die anderen Parteien nur noch in Reden bedienen.“


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