Kleines Grundstück, viel Platz Sparen bei hohen Baukosten: So hat Bernhard Gelze in Lingen gebaut

Schiebetüren gehören zu der Einrichtung von Architekt Bernhard Gelze. Damit werden die Stellmöglichkeiten erhöht.Schiebetüren gehören zu der Einrichtung von Architekt Bernhard Gelze. Damit werden die Stellmöglichkeiten erhöht.
Caroline Theiling

Lingen. Explodierende Baukosten aufgrund hoher Material- und Grundstückspreise gibt es in Lingen. Wie man kleiner, clever und nachhaltig bauen kann, zeigt der Lingener Architekt Bernhard Gelze in seinem Neubau in Brögbern.

Das Grundstück seines Neubaus ist nur 355 Quadratmeter groß. Trotzdem sind dort Wohn- und Büroflächen von rund 160 Quadratmetern entstanden. "Wir wollten die Kosten für einen Neubau möglichst gering halten", berichtet Bernhard Gelze. "Deshalb haben wir nach einem kleinen Grundstück geschaut und bei der Planung darauf geachtet, möglichst wenig sogenannte Verkehrsflächen wie Flure zu planen."

Caroline Theiling
Die Photovoltaikanlage auf dem Dach versorgt das Büro und die dahinter liegende Wohnung mit Strom.

In der Straße Alter Sportplatz im Ortsteil Brögbern hat Gelze mit seinem Berufskollegen Frank Exeler das Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Entstanden ist ein schlanker Bau, der sich über drei Ebenen aufteilt in eine Wohnung mit 76 Quadratmetern und sein Architekturbüro mit 83 Quadratmetern. Erst im August 2021 ist Gelze, der seit 2004 als Architekt arbeitet und zuvor in Halle IV sein Büro hatte, hier eingezogen.

Platzsparende Schiebetüren

"Da es sich hier um ein Mischgebiet handelt, bestand die Vorgabe, mindestens 50 Prozent des Gebäudes gewerblich zu nutzen", erzählt Gelze. Direkt durch die Eingangstür betritt der Besucher einen großen Raum, der als Konferenzraum genutzt werden kann. Begrenzt wird dieser am anderen Ende durch eine Schiebetür, die platzsparend den Weg Richtung Sanitärraum und zur Treppe nach oben freigibt.


Caroline Theiling
Architekt Bernhard Gelze an einem der vier Schreibtische in der ersten Etage.


In der ersten Etage wurde ebenfalls auf den Flur verzichtet. Direkt am Ende der Treppe befindet sich das Büro mit vier Arbeitsplätzen. "Die Zeiten, in denen an großen Tischen von Hand gezeichnet wurde, sind vorbei", sagt der Architekt und freut sich über weniger Platzbedarf. Er sieht weitere Vorteile:

„Dadurch, dass mit zunehmender Digitalisierung von zu Hause gearbeitet werden kann, sind selbst diese Schreibtische fast nie voll besetzt.“

Auch für den privaten Bedarf kann sich der Architekt diese Art des Bauens vorstellen. Ihm liegen Anfragen vor, wie man preisgünstiger bauen kann. "Jetzt in Coronazeiten, wo die Baukosten extrem steigen und man in Lingen schnell für ein Haus mit Grundstück auf 500.000 Euro kommt, ist das schon viel, was man im Laufe der Jahre zurückzahlen muss", macht er deutlich.

Bauherren, die anfangs noch auf 160 Quadratmetern wohnen wollten, sind nun mit 130 Quadratmetern zufrieden –  aber die Anzahl der Zimmer soll gleich bleiben. "Da muss man dann natürlich die Verkehrsflächen etwas reduzieren", erklärt Gelze. Ein ähnliches Konzept mit wenigen Fluren hatte der Architekt bereits bei einigen Stadthäusern im Emsauenpark umgesetzt. 

Nachhaltig gebaut

Eine Veränderung musste Gelze auch bei der Verwendung der Baumaterialien feststellen. In seinem Neubau wurde noch recht viel mit Holz, insbesondere zur Dämmung, gearbeitet, was sehr umweltfreundlich und nachhaltig ist. "Die meisten Stoffe, die eingesetzt wurden, sind recycelbar", betont er den ökologischen Gedanken.  

Caroline Theiling
Eine Wall-Box für ein E-Auto ist bereits installiert.

Dieser setzt sich bei der Energieversorgung fort. Auf dem Dach befindet sich eine Photovoltaikanlage mit Speicher, die den Strom für das Büro und die Wohnung produziert. Eine bereits installierte Wallbox steht für ein mögliches E-Auto bereit. Die Heizung erfolgt über eine Luft-Wärmepumpe.

Caroline Theiling
Die Luft-Wärmepumpe befindet sich an der Hauswand.

Gleichzeitig betont Gelze, dass ihn das Haus in dieser Form bei dem aktuellen Holzpreis rund 30.000 bis 40.000 Euro mehr gekostet hätte und er sich als Architekt immer wieder auf die aktuellen Preise für Baumaterialien einstellen muss. "Wenn ich jetzt plane, würde ich massiv bauen", sieht er zurzeit wenig Chancen für Holz, obwohl er davon ausgeht, dass der Preis dafür wieder fällt. 

Alternative: Bauen mit Modulen

Eine weitere Möglichkeit, um den Auftraggebern Kosten zu ersparen, sieht Gelze in einer Modulbauweise. Ein aktuell in Planung befindliches Haus könnte mit einem sehr hohen Vorfertigungsgrad erstellt werden und in wenigen Monaten bezugsfertig sein, je nachdem wie hoch der Vorfertigungsgrad gewählt werde. Das würde die Gesamtbauzeit deutlich verkürzen.

Gelze-Architekten
So stellt sich Architekt Gelze ein Haus mit vorgefertigten Modulen vor.


Zudem sei das Haus flexibel und könne sich ohne viel Aufwand an veränderte Lebenssituationen (wenn etwa die Kinder ausziehen) anpassen. Durch kleinere Umbauten könnte dann aus dem Einfamilienhaus ein Gebäude mit zwei Wohneinheiten werden. 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der NOZ MEDIEN und mh:n MEDIEN