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Landesvorsitzender der Jungen Union im Gespräch mit der Lingener Tagespost „Jugendliche sind nicht generell politikverdrossen“

Von Carsten van Bevern

Lingen. „Kompetenz und politische Erfahrung sollten im Vordergrund stehen, wenn es um die Besetzung von politischen Ämtern geht – und nicht das Alter der Bewerberin oder des Bewerbers. Eine gute Mischung, die ungefähr die Bevölkerung abdeckt, ist für eine gute Akzeptanz einfach zwingend erforderlich.“ Dies betonte Sebastian Lechner, Landesvorsitzender der Jungen Union (JU) Niedersachsen, zum Abschluss seiner Sommertour bei einem Besuch in der Redaktion der Lingener Tagespost.

Dementsprechend hat der Vorsitzende des knapp 10000 Mitglieder zählenden Verbandes seine 14-tägige Tour durch das ganze Land genutzt, um in fast allen Kreisverbänden neben den Vorständen auch mit den Kandidaten für die kommenden Kommunalwahlen zu sprechen. Und die allgemein beklagte Politikverdrossenheit bei Jugendlichen? „Ich glaube nicht, dass junge Menschen generell politikverdrossen sind. Sie mischen sich ein und interessieren sich für vieles. Aber viele Jugendliche wollen sich nicht langfristig engagieren. Wir müssen da neue projekt- und themenbezogene Möglichkeiten der Beteiligung schaffen. Das Internet bietet hier viele Möglichkeiten.“ Diese Erfahrung machte auch der Lingener JU-Chef Philipp Heinrichs bei den Planungen für die jüngste Clubbing Night: „45 von 130 Mitgliedern haben dabei geholfen, und über dieses Projekt haben wir sogar neue Mitglieder gewonnen.“

Ein Hauptthema der JU Niedersachsen ist derzeit die Veränderung der Schullandschaft im Land. „Wir haben nichts gegen Integrierte (IGS) oder Kooperative Gesamtschulen (KGS), stehen aber hinter dem gegliederten Schulsystem. Die Leistungen von IGS-Schülern sind im Durchschnitt schlechter als beim dreigliedrigen Schulsystem. Vom pädagogischen Konzept sind wir daher nicht überzeugt. Im Zweifel präferieren wir die KGS, da hier die Züge gegliedert sind“, erläuterte Lechner die Position der JU. Zudem müsse laut Heinrichs das Konzept der Profiloberstufe überarbeitet werden: „Die ist für viele nur schwer zu durchschauen.“

Thema Atomkraft

Ein weiteres wichtiges Thema – nicht nur vor dem Hintergrund der Energiereise der Kanzlerin, die Angela Merkel vor Kurzem auch nach Lingen führte – ist die Energiepolitik. So standen auf Lechners Sommertour auch der Besuch eines Solarparks und des „EWE-Energiehauses der Zukunft“ in Emstek auf dem Programm. „Ich denke aber, dass die Atomkraft noch weiter eine Rolle in unserem Land spielen wird“, betonte Lechner, und mit Benedict Pöttering ergänzte der Osnabrück-Emsländische Bezirksvorsitzende: „Es war ein Fehler von Merkel, die Laufzeitverlängerung nicht schon vor der NRW-Wahl durchgezogen zu haben. Jetzt haben wir diese endlosen Diskussionen.“

Und das Fazit der Sommertour? „Ich kann junge Menschen nur dazu aufrufen, bei der Kommunalwahl zu kandidieren. Und die Junge Union ist die einzige jugendpolitische Organisation, die landesweit in allen Kreisen vertreten ist – da hoffe ich natürlich, dass sich auch viele JUler aufstellen lassen. Gerade im Lokalen lässt sich viel bewegen“, weiß Lechner aus eigener Erfahrung.