Petition gestartet Studenten fordern Umbenennung der Bernd-Rosemeyer-Straße in Lingen

Von Carsten van Bevern, 19.05.2021, 06:18 Uhr
Bis 1939 hieß die Bernd-Rosemeyer-Straße in Lingen Bahnhofstraße. FDP und eine Studenteninitiative fordern nun eine weitere Umbenennung.
Carsten van Bevern

Lingen. Die FDP im Lingener Stadtrat fordert die Umbenennung der Bernd-Rosemeyer-Straße. Studierende der Hochschule Osnabrück unterstützen diese Forderung – und haben eine Petition gestartet.

"Straßennamen sind öffentlich sichtbare Ehrungen und somit Teil einer kollektiven Erinnerungskultur. Wir müssen uns deswegen folgende Frage stellen: An wen wollen wir mit einem Straßennamen erinnern und wen wollen wir ehren?", so heißt es in der Einleitung der von den Studentinnen Alexandra Scholz und Lena Velte in Zusammenarbeit mit Walter Höltermann vom Forum Juden-Christen im Altkreis Lingen verfassten Erklärung zu dieser Petition.

Weiter heißt es in der Erklärung: "Direkt vor dem Campus in Lingen, an dem wir studieren, befindet sich die Bernd-Rosemeyer-Straße. Sie verweist auf den ehemaligen Rennsportler und SS-Hauptsturmführer Bernd Rosemeyer, der 1909 in Lingen geboren wurde." 

Carsten van Bevern

Das Elternhaus von Bernd Rosemeyer befand sich früher auf dem Grundstück der heutigen AOK-Servicestelle (im Hintergrund).

„Sein Elternhaus stand an der Straße, die immer noch seinen Namen trägt. Er wurde nach 1933 ein international erfolgreicher Rennwagenfahrer", wird Höltermann zitiert. Zudem sei er spätestens seit November 1933 Mitglied der SS gewesen, zuletzt im Rang eines Hauptsturmführers: "Für die Propaganda des nationalsozialistischen Staates war Bernd Rosemeyer die perfekte Heldengestalt, und er erfüllte die an ihn gestellten Erwartungen.“

Erst Bahnhofstraße, später Bernd-Rosemeyer-Straße

Höltermann: "Die am Bahnhof vorbeiführende Straße trug bis zu ihrer Umbenennung 1939 den Namen Bahnhofstraße. Nach dem Ende des nationalsozialistischen Staates erhielt sie weder ihren alten Namen zurück, noch bekam sie einen neuen. Die Bernd-Rosemeyer-Straße ist bis heute die einzige Straße in Lingen, deren Benennung 1945 nicht rückgängig gemacht wurde. Dieses nicht nachvollziehbare Versäumnis muss jetzt nachgeholt werden."

In Zeiten, in denen kaum noch Zeitzeugen leben, werde vielmehr "eine angemessene Aufarbeitung der Opfergeschichten und der Taten des NS-Regimes" benötigt. Eine Umbenennung sei dafür ein wichtiger Schritt.

Künftig Fredy-Markreich-Straße?

Walter Höltermann vom Forum Juden-Christen, der als FDP-Mitglied auch den Vorstoß der FDP-Stadtratsfraktion zur Umbenennung der Straße initiiert hatte, schlägt die Umbenennung in Fredy-Markreich-Straße vor:

„Fredy Markreich war Jude und kam 1898 in Lingen in zur Welt. Nach dem Tod der Eltern führte er deren Textilgeschäft in der Großen Straße in Lingen weiter.“

Er sei Kiveling und im Ersten Weltkrieg Soldat gewesen. Am Morgen des 9. November 1938 wurde sein Geschäft von der SA geplündert. Er selbst sei ins Polizeigefängnis und später in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht worden. Markreich ist später nach Liberia emigriert, wo er 1944 verstorben ist.

Carsten van Bevern

Neben dem Haupteingang zum an der Bernd-Rosemeyer-Straße 14-16 gelegenen AOK-Servicecenter erinnert eine kleine Tafel an den Rennfahrer.

Für Höltermann ist Rosemeyer Repräsentant der Täter, Fredy Markreich Opfer des Nationalsozialismus: „Die Umbenennung ist für mich ein Akt ernsthafter Solidarität mit den Opfern des Nationalsozialismus. Dabei geht es für mich nicht um die Person Bernd Rosemeyer, sondern um die damit in einem Kontext stehende Haltung des Mitmachens." Darüber hinaus sei es für ihn nicht hinnehmbar, wenn Bernd Rosemeyer auf dem Straßenschild nur als Motorrennfahrer bezeichnet und seine SS-Mitgliedschaft verschwiegen werde.

Straßenumbenennung alternativlos?

Vor diesem Hintergrund ist für die Initiatorinnen der Petition klar: "Wenn es in Lingen eine ernsthafte Solidarisierung mit den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gibt, dann kann es zu einer Umbenennung der Straße am Bahnhof in Fredy-Markreich-Straße keine Alternative geben."

Daher fordern Alexandra Scholz und Lena Velte die Umbenennung in Fredy-Markreich-Straße und bitten dafür um Unterstützung der Petition. Diese ist online auf www.openpetition.de zu finden. Dort können auch Unterschriftenlisten ausgedruckt, unterschrieben und wieder hochgeladen werden.

"Straßennamen sind öffentlich sichtbare Ehrungen und somit Teil einer kollektiven Erinnerungskultur. Wir müssen uns deswegen folgende Frage stellen

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