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Strom für 1500 Haushalte Planungen für Wasserkraftwerk in Elbergen gehen in neue Runde

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Lingen/Elbergen. Strom für rund 1500 Haushalte bei einer jährlichen Energiemenge von etwa fünf Millionen kW. Die Rede ist, man mag es kaum noch sagen, von einer geplanten Wasserkraftanlage am Hanekenfähr in Elbergen.

Vier Wasserkraftschnecken, die sich um ihre eigene Achse drehen und damit das aus rund vier Meter Höhe vom Wehr fallende Wasser in Strom verwandeln, kosten rund sechs Millionen Euro und sind so ausgelegt, dass keinem Fischlein auch nur noch eine Schuppe angekratzt wird, ehrlich.

Warum? Die Schnecken haben einen Durchmesser von rund vier Metern und sind etwa 20 Meter lang. Darf man englischen Medien Glauben schenken, so hat sich ein „Insulaner“ schon durch die Schnecken treiben lassen, ohne sich dabei zu verletzen. Klar geht’s dabei rund, aber das war’s dann auch schon.

Doch nun mal Spaß beiseite: Was vor über einem Jahrzehnt, genau genommen im Oktober 1997, also im vorigen Jahrhundert, schon einmal vom Bayern Josef Dennenmoser an fast gleicher Stelle in die Tat umgesetzt werden sollte – wo er sich aber am damaligen Platzhirsch VEW die Hörner abstieß, weil dieser sich nun auch dem Thema der regenerativen Energie widmete –, das bescherte beiden keine Freude. Dennenmoser scheiterte an VEW und VEW bei den Behörden mit ihren Vorstellungen. Nun versuchen es die Stadtwerke Lingen erneut.

Erneut, weil sie schon vor ein paar Jahren mit ihrer „Kaplan-Rohrturbine“ (Laufraddurchmesser 2,60 Meter, Leistung von 1,3 MW), auf Grund liefen, weil diese, für viele nach wie vor unbegreiflich, als „Fischhäcksler“ verschrien war, trotz eines FFH-tauglichen Gutachtens (Fauna-Flora-Habitat).

Jetzt starten die beiden Geschäftsführer der Stadtwerke, Arno Ester und Ulli Boss, unverzagt einen neuen Anlauf in Richtung grüner Strom aus Wasserkraft, auch wenn diese Anlage im Vergleich zur Wind- oder Solarenergie keine horrenden Renditen abwerfen, sondern höchsten gegen eine „schwarze Null“ tendieren wird. „Wirtschaftlich geht anders“, wissen auch die beiden Geschäftsführer, „aber wenn wir hier schon einmal die Möglichkeit haben, aus Wasser Strom zu gewinnen, dann glauben wir, dass wir das auch unseren Kunden schuldig sind.“

Zwei Ruhebecken

Aber wenn es nur das wäre. „Einfach kann jeder“, und deswegen ist es allein mit einer fischschonenden Wasserkraftanlage auch nicht getan. Das letzte, für Fische nicht zu überwindende Hindernis in Richtung Emsquelle, ist nun mal das Wehr am Haneken. Sollte es nun wirklich zum Bau dieser Wasserkraftanlage kommen, sind die Stadtwerke auch gehalten, einen entsprechenden Fischaufstieg zu bauen. In 225 Metern mäandert sich der Fischpass mit zwei „Ruhebecken“ am Ufer nahe der Gaststätte Bösker entlang und umgeht so die ansonsten für Fische nicht zu bezwingende Wehranlage. „Sieht nicht nur toll aus und funktioniert, sondern kann auch noch touristisch erschlossen werden“ hoffen die Chefs der Stadtwerke. Und in der Tat: Die Pläne verheißen Gutes: Über eine kleine Brücke kann man den geplanten Fischpass queren und dann einen Blick auf die vier Schnecken werfen. Wer dann noch mehr über die Wasserkraftanlage wissen will, kann sich via Informationstafeln tiefer in die technischen Details einlesen.

So, und jetzt stellt sich die schon seit 13 Jahren immer wiederkehrende Frage: Wer kann da noch etwas gegen haben?

Hatte die Untere Naturschutzbehörde des Landkreis Emsland vor ein paar Jahren noch ein „P“ vor die Kaplan-Turbine gesetzt, so hat sie heute nichts mehr gegen die Wasserkraftschnecken einzuwenden.

„Wir meinen, jetzt alles Menschenmögliche getan zu haben, um allen Erwartungen gerecht zu werden“, erklären die beiden Geschäftsführer der Stadtwerke.

Und auch alles Fischmögliche? „Ja, auch das. Wenn ein britischer Taucher unbeschadet diese Schnecken passieren kann, und das ist belegt, dann sind wir der festen Überzeugung, dass auch den Fischen in der Ems von den Wasserkraftschnecken keine Gefahr droht“, betonten Ester und Boss.

Schön wäre es zudem, wenn sich auch die örtlichen Fischereiverbände für dieses Projekt erwärmen könnten, um zum Beispiel den Fischpass und auch die Wasserkraftschnecken mit zu überwachen. „Wir sind zu jeder Kooperation bereit“, heißt es aus der Waldstraße.

Rundherum nur positive Signale kommen auch aus Elbergen und Emsbüren: Ein glattes „Ja“ braucht keine weiteren Fragen. Selbst benachbarte Stadtwerke schielen schon mit einem halben Auge auf die Aktivitäten in Lingen. Warum? Sie würden sich gerne an diesem Projekt beteiligen – denn Energie aus regenerativen Energien ist nicht nur „trendy“, sondern bitter nötig.

Am 25. November endet die Einwendungsfrist für die Träger öffentlicher Belange, und dann wird es sich zeigen, ob nun tatsächlich dieser rund 13 Jahre alte Knoten durchschlagen werden konnte.


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