Harsche Kritik an Hotelneubau Hoteliers in Lingen haben Existenzängste

Von Burkhard Müller

<em>Gegen ein Hotel</em> an der Kopfseite des Alten Hafens in Lingen sprechen sich ansässige Hoteliers aus. Plan: Stadt LingenGegen ein Hotel an der Kopfseite des Alten Hafens in Lingen sprechen sich ansässige Hoteliers aus. Plan: Stadt Lingen

Lingen. Neben Gesche Hagemeier, Geschäftsführerin von „Lingen Wirtschaft + Tourismus“ (LWT), sind auch viele Hoteliers in Lingen gegen den geplanten Hotelneubau am Alten Hafen. Die Lingener Tagespost hat mit zweien gesprochen:

Heino Schepergerdes, Mitglied im Vorstand des LWT und Geschäftsführer vom Hotel am Wasserfall in Lingen-Hankenfähr: „Die Übernachtungszahlen in Lingen sind rückläufig. Trotzdem will die Stadt mit Gewalt neben dem neuen Hotel am Bahnhof ein Weiteres am Alten Hafen bauen – deshalb beschleichen uns Existenzängste.“

Völlig unverständlich ist es für den Hotelier, wie die Stadt diesen geplanten Hotelneubau rechtfertigt: „Nur weil die Arena kommt, wird es doch nicht Tausende von Übernachtungen mehr in Lingen geben“, betont der Gastronom und fügte hinzu: „Es ist nicht die Aufgabe der Stadt, mit womöglich vergünstigten Quadratmeterpreisen in den Wettbewerb einzugreifen. Auch wir müssen uns, ohne Subventionen, dem Markt stellen. Das tun wir heute und werden es auch morgen machen – aber bitte fair bleiben“, betonte Schepergerdes in Richtung Stadtverwaltung.

In die gleiche Kerbe schlägt auch Hubert Neerschulte, der seit 30 Jahren das Hotel „Hubertushof“ in Lingen-Schepsdorf betreibt. „Warum wird eigentlich ständig behauptet, dass Lingen zu wenig Hotelzimmer hat, und warum will man ständig den Neubau von Hotels mit 100 Zimmern und mehr?“ Sicherlich sei es nicht Aufgabe der Stadt, die vorhandenen Hotels vor einer Konkurrenz zu schützen. Sicher sei aber auch, dass die Stadt nicht ständig Hotelneubauten fordern sollte – das regelt, wenn überhaupt, der Markt und nicht die Stadt auf Kosten der bereits angesiedelten Hotels.

Neerschulte: „Lingen verfügt bereits heute über mehr als 1000 Hotelbetten und damit im Schnitt über mehr als doppelt so viele wie unsere Nachbarstädte Nordhorn, Meppen und Rheine.“ Die Bettenzahl habe sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht, aber die Belegungsquote sei gleichzeitig nach unten gegangen. Vor diesem Hintergrund machte Neerschulte zugleich deutlich, dass Übernachtungen im Zuge der Revisionen beim Kernkraftwerk Emsland, der BP-Lingen und der Neubau des RWE-Gas- und Dampfturbinenkraftwerkes keine alltägliche Einnahmequelle seien.

„Wir haben in Lingen viele gute und inhabergeführte Hotels, die fast alle in den letzten Jahren in ihre Häuser investiert haben und mit dem Einsatz ihrer Familien führen“, betonte Neerschulte und ergänzte in Richtung Stadt: „Machen Sie diese Bemühungen nicht zunichte.“


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