Zum Tod des Lingener Pädagogen und Historikers Benno Vocks bleibt im Gedächtnis der Stadt

Benno Vocks im September 2018 bei einer Veranstaltung zur Erinnerung an jüdische Bürger der Stadt. Foto: Thomas PertzBenno Vocks im September 2018 bei einer Veranstaltung zur Erinnerung an jüdische Bürger der Stadt. Foto: Thomas Pertz

Lingen. Wer die Gelegenheit hatte, ihn kennenzulernen - und das waren viele Menschen in Lingen und der Region - spürt den Verlust sehr deutlich: Benno Vocks, Pädagoge, leidenschaftlicher Schreiber über die Lingener Lokalgeschichte und vor allem eine den Menschen zugewandte Persönlichkeit, ist tot.

Vocks starb Ende letzter Woche im Alter von 75 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit. Beruflich hat der Lingener in der Lingener Marienschule tiefe Spuren bei seinen Schülern hinterlassen. 39 Jahre war er Konrektor dort, bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2009. Der Rahmen seines Engagements in der Schule ging weit über den Stundenplan hinaus. Immer wieder konnte Vocks die jungen Leute für Themen der lokalen Geschichte begeistern. Er machte sie sensibel auch für die dunklen Seiten der Stadthistorie, gestaltete Gedenkfeiern mit ihnen, die immer auch eine persönliche Aufforderung waren, durch Mitgestalten Teil einer aktiven Bürgergesellschaft zu sein.

So wie er selbst Teil dieser Bürgergesellschaft war: Sein Buch "Lingen wegweisend – 99 Straßen, Wege und Plätze: Portraits und Geschichte(n)“, das im Herbst 2015 erschien, ist ein Beispiel. „Mein Anliegen war es, Personen aus der Vergessenheit und/oder der Unkenntnis herauszuholen“, so der Autor damals. Die Biografien und Besonderheiten haben einen wesentlichen Beitrag zum Stadtbewusstsein und zur Stadtidentität beigetragen. Seine persönlichen Gespräche mit den Nachfahren sind ein Beleg für das echte Interesse am Mitmenschen, das ein Wesensmerkmal von Vocks gewesen ist.

Das galt ebenso für den TuS Lingen, dem Fußballfan Vocks über Jahrzehnte verbunden war. Die große Festschrift zur 100-Jahrfeier des Vereins im Jahr 2010 wäre ohne ihn nicht zustande gekommen. Auch im Lingener Heimatverein hat er über viele Jahre hinweg prägend mitgewirkt.

Ganz wesentlich haben Vocks' Beiträge zur Erinnerung an die jüdischen Bürger der Stadt Lingen eine prägende Wirkung entfaltet. Sein Engagement im Forum Juden-Christen war herausragend. An der Neuauflage der Broschüre „Stolpersteine. Ein Wegweiser für die verfolgten und ermordeten jüdischen Bürger der Stadt Lingen (Ems) – Ein Stadtrundgang“ war Vocks wesentlich beteiligt. Bei einer Verlegung weiterer Stolpersteine im September 2018 zitierte Lingens Erster Bürgermeister Heinz Tellmann aus dem Talmud, das grundlegende Werk der jüdischen Religion: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“. Benno Vocks wird im Gedächtnis der Stadt bleiben.


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