Veranstaltung zieht in Kunsthalle Lingen um Welche Rolle spielten die Kivelinge im Nationalsozialismus?

Heutzutage sind die Kivelinge ein Aushängeschild der Stadt. Doch welche Rolle spielten sie während des Nationalsozialismus? Ein Vortrag an 12. Februar beleuchtet diese Frage. Foto: Wilfried RoggendorfHeutzutage sind die Kivelinge ein Aushängeschild der Stadt. Doch welche Rolle spielten sie während des Nationalsozialismus? Ein Vortrag an 12. Februar beleuchtet diese Frage. Foto: Wilfried Roggendorf
Wilfried Roggendorf

Lingen. Als Aushängeschild der Stadt Lingen präsentieren sich die Kivelinge Ende Mai 2020 wieder mit ihrem Fest. Einen Blick auf die Vergangenheit des Bürgersöhne-Aufzuges wirft ein Lehrhausgespräch des Forums Juden-Christen 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Frage: Welche Rolle spielten die Kivelingen im Nationalsozialismus?

Manfred Rockel beleuchtet die Vergangenheit der Kivelinge. Foto: Bernhard Kuees

Der ehemalige Lingener Gymnasiallehrer Manfred Rockel wird am Mittwoch, 12. Februar, um 19.30 Uhr seine Recherchen unter dem Titel "Geschichte und Schicksal der Kivelinge im Nationalsozialsozialismus" in einem Lehrhausgespräch präsentieren. Das Interesse daran ist groß: Die ursprünglich in der Jüdischen Schule vorgesehene Veranstaltung wird nun zur gleichen Zeit in der Kunsthalle Lingen stattfinden.

Einer Pressemitteilung des Veranstalters Forum Juden-Christen zufolge hat sich Rockel bereits vor 40 Jahren mit der Geschichte Lingens im Nationalsozialismus befasst und auch mit Schülern im Geschichtsunterricht dazu gearbeitet.

"Die Kivelinge sind heute zurecht ein Aushängeschild der Stadt Lingen - die Stadt der Kivelinge", wird Rockel in der Ankündigung des Forums zitiert. "In meinem Beitrag der Lehrhausgespräche in der Jüdischen Schule will ich untersuchen, wie es den Kivelingen in der Zeit des Nationalsozialismus ergangen ist: ob sie sich widersetzt haben, gleichgeschaltet wurden, womöglich gar überzeugt waren oder sich bis zur Selbstverleugnung angepasst haben." Wesentliche Quellen seien die Kivelingszeitungen der NS-Zeit. Hinzu komme der Versuch einer Antwort auf die Frage, wie die Kivelinge nach 1945 mit der NS-Vergangenheit umgegangen sind. 

"Spannend und für die Verantwortlichen der Stadt anregend" könnte dieses Lehrhausgespräch werden, schreibt das Forum in seiner Ankündigung. Denn die Aufarbeitung der Geschichte Lingens im Nationalsozialismus sei "seit Jahrzehnten" überfällig. Das Forum fordere seit mehreren Jahren die wissenschaftliche Aufarbeitung "durch unabhängige, externe und mit der Materie vertraute Autoren". Unter anderem hatte der Forumsvorsitzende Heribert Lange dies im Mai 2018 in einem Brief an Oberbürgermeister Dieter Krone getan.

Wie die Stadt Lingen auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte, seien dafür im Haushalt 150.000 Euro, verteilt auf drei Jahre, eingestellt. "Derzeit wird das weitere Vorgehen von der Verwaltung intern vorbereitet. Erste Gespräche sind bereits geführt worden", sagte eine Sprecherin der Stadt.


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