Der Bedarf steigt Studentin des Campus Lingen dolmetscht für die Polizei

Studentin Schila Khosravi Kamrani übersetzt im Büro einer Sachbearbeiterin der Polizei Lingen die Aussage eines Zeugen (Szene nachgestellt). Foto: Wilfried RoggendorfStudentin Schila Khosravi Kamrani übersetzt im Büro einer Sachbearbeiterin der Polizei Lingen die Aussage eines Zeugen (Szene nachgestellt). Foto: Wilfried Roggendorf
Wilfried Roggendorf

Lingen. Schila Khosravi Kamrani studiert am Campus Lingen Kommunikationsmanagement. Nebenbei unterstützt die 28-Jährige auch die Polizei bei deren Kommunikation. Dank ihrer aus dem Iran stammenden Eltern spricht die gebürtige Hamburgerin Farsi. Für die Polizei übersetzt die Studentin bei Befragungen und Vernehmungen.

Khosravi Kamrani ist durch ihre Mutter zu dieser Tätigkeit gekommen, die ebenfalls schon als Dolmetscherin für die Polizei gearbeitet hat. Sie übersetzt seit einem dreiviertel Jahr für die Beamten. "Seitdem war ich rund ein halbes Dutzend mal im Einsatz", sagt die Studentin. Dennis Dickebohm, Pressesprecher der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim, erklärt, die Polizei sei zunehmend auf Dolmetscher angewiesen: "Sie kommen bei der Informationsgewinnung immer dann zum Einsatz, wenn eine Sprachbarriere besteht." Dabei erstrecke sich der Bedarf über sehr viele Sprachen und Dialekte hinweg.

Vom Asylverfahren bis zum Kapitalverbrechen

Doch wie findet die Polizei Dolmetscher wie Khosravi Kamrani? "Sie können sich bei uns bewerben, werden vom Landeskriminalamt freigegeben und dort auch zentral in einer Liste erfasst", erläutert Dickebohm. So sei es auch bei ihr gelaufen, bestätigt Khosravi Kamrani. Bei ihren bisherigen Einsätzen reichte die Bandbreite der Themen von Asylverfahren über leichte Körperverletzungen bis hin zu Kapitalverbrechen. Darüber, was sie beim Dolmetschen erfährt, ist Khosravi Kamrani zum Stillschweigen verpflichtet. "Aber manches berührt mich in der Situation schon. Manchmal habe ich Mitgefühl, weil ich kann doch nicht wie ein Stein sein", sagt die 28-Jährige. Dies führe aber nicht dazu, dass sie zuhause noch über die Dinge nachdenke. Und selbst, wenn es um ein Kapitalverbrechen gegangen sei, habe sie keine Angst: "Alle, die ich gedolmetscht habe, waren sehr freundlich zu mir."

Dickebohm: "Urvertrauen" in Dolmetscher

Dafür hat Khosravi Kamrani zwei andere Probleme beim Dolmetschen: "Einige deutsche Begriffe sind nicht Eins zu Eins in Farsi übersetzbar", erklärt die Studentin. Dann muss ich diese Begriffe auf Farsi umschreiben. Und sie beherrscht nicht alle polizeilichen und rechtlichen Begriffe, die direkt übersetzbar sind, auf Farsi. Dieses Problem hat Khosravi Kamrani jedoch mithilfe ihrer Mutter gelöst. "Ich habe mir eine Liste mit den Übersetzungen dieser Begriffe angefertigt. Die bin ich dann vor meinen Einsätzen noch einmal durchgegangen." Eine Arbeit, die laut Dickebohm auch notwendig ist, denn schließlich müssten seine Kollegen ein "Urvertrauen in die Dolmetscher" haben.

Guter Nebenjob

Ab jetzt hat die Lingener Polizei nichts mehr von der Farsi sprechenden Studentin. Denn sie steht kurz vor dem Abschluss ihres Studiums und zieht nach Köln. "Da möchte ich auf jeden Fall für die Kölner Polizei dolmetschen", versichert Khosravi Kamrani. Dickebohm wundert dies nicht, schließlich ist das Dolmetschen bei der Polizei ein guter Nebenjob. Zahlen nennt der Polizeisprecher zwar nicht, versichert jedoch: "Der Stundenaufwand und der Ertrag liegen in einem sehr vernünftigen Verhältnis." 

 


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