Selbst ein Hund wirkt mit TPZ-Akteure zeigen mitreißende Spielfreude bei "Herr der Diebe"

Gruppenszenen sorgen für Dynamik bei dem Stück Herr der Diebe im Lingener Theater. Foto: Elisabeth TonderaGruppenszenen sorgen für Dynamik bei dem Stück Herr der Diebe im Lingener Theater. Foto: Elisabeth Tondera

Lingen. Jedes Jahr zu Beginn der Adventszeit steht auf dem Programm des Lingener Theaters eine Produktion für Kinder, abwechselnd inszeniert von der Spielbühne und dem Theaterpädagogischen Zentrum (TPZ). Nichts Neues also, und doch jedes Mal überraschend.

In diesem Jahr ist das TPZ dran mit „Herr der Diebe“ nach dem gleichnamigen Jugendroman von Cornelia Funke. Eine Geschichte, die mit den grundsätzlichen Fragen danach, wo ein Kind hingehört, wo sein Platz im Leben ist, wo es Geborgenheit findet und was aus ihm werden soll wunderbar in die Vorweihnachtszeit passt. Im Mittelpunkt steht der Wunsch vieler Kinder, möglichst schnell groß und erwachsen zu werden, um unabhängig zu sein und von anderen ernst genommen zu werden. Viele Erwachsene wiederum möchten wieder Kind sein. 

Die Kinder in dieser Geschichte sind gesellschaftlich gesehen ganz unten: Es sind Straßenkinder, die mit ihrem Anführer Scipio, der sich „Herr der Diebe“ nennt, in einem Versteck in Venedig leben. Die Kinder sind füreinander da, geben sich gegenseitig Geborgenheit. Zu der Gruppe stoßen Prosper und Bo, die vor ihrer Tante geflohen sind. In Wahrheit ist Scipio der Sohn eines reichen Venezianers, und die Raubbeute, mit deren Verkauf er die Kinder versorgt, stammt aus dem Haus seines Vaters. Als die Bande einen geheimnisvollen Auftrag von einer reichen Contessa bekommt, gewinnt die Handlung an Fahrt. Ein Holzflügel von einem Karusselllöwen spielt dabei eine entscheidende Rolle, dessen Besitzerin die Kinder überraschenderweise unterstützt.

Gesamter Theatersaal wird einbezogen

Die Inszenierung von Nicole Amsbeck besticht durch Einfallsreichtum, Dynamik, wechselnde, durchdacht komponierte szenische Bilder, ästhetisch ansprechende choreographische Elemente und das fantastisch spielende Ensemble. Der gesamte Theatersaal wird in das Spiel einbezogen, selbst hinter den Kulissen geht es weiter – was dort geschieht, sehen die Zuschauer per Video auf der Projektionswand. Ein Mädchen ist stets mit der Kamera auf und hinter der Bühne, sodass alle Zuschauer auch das Geschehen am Rande mitbekommen.

Auch Erwachsene wirken in „Herr der Diebe“ mit. Foto: Elisabeth Tondera

Ständig ist alles in Bewegung, dank fließender Szenenübergänge schreitet die Handlung nahtlos voran. Die Stimmungen wechseln, mal ist die Situation ernst, dann wird es spannend, es gibt auch viel zu lachen. Abwechslung bringt der Einsatz unterschiedlicher szenischer Mittel: darstellendes Spiel, Tanz, Schattenspiel, Videoprojektionen. Eine Erzählerin am Bühnenrand schlägt Brücken zwischen den Szenen.

Humor spielt eine wichtige Rolle in der Inszenierung. Foto: Elisabeth Tondera

Schlicht, aber eindrucksvoll ist das Bühnenbild von Ansgar Silies - die farbigen Stoffbahnen lassen an die Kolonnaden in Venedig denken. All das erweckt das wandlungsfähige Ensemble zum Leben. Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ein Hund wirken in dieser Produktion mit und überzeugen auf ganzer Linie. Sie sind einfach großartig in ihrer mitreißenden Spielfreude.  

Das Premierenpublikum feierte lange die Akteure, und Nicole Amsbeck hatte eine lange Liste des Dankes, denn am Erfolg einer solchen Produktion sind sehr viele beteiligt.

„Herr der Diebe“ ist noch einmal zu sehen am Freitag, 6. Dezember um 19 Uhr im Theater an der Wilhelmshöhe.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN