"Pimp your town" begeistert Schüler Bau einer Trampolinhalle in Wietmarschen-Lohne bei Planspiel vorgeschlagen

Von Sebastian Hamel

Unter Leitung von Hermann Nüsse (SPD) und Leander Feldmann (Verein "Politik zum Anfassen") zählten auch Ausschusssitzungen zum Programm der Aktion "Pimp your town". Foto: Sebastian HamelUnter Leitung von Hermann Nüsse (SPD) und Leander Feldmann (Verein "Politik zum Anfassen") zählten auch Ausschusssitzungen zum Programm der Aktion "Pimp your town". Foto: Sebastian Hamel

Wietmarschen. Einmal in die Rolle von Kommunalpolitikern schlüpfen und Ideen entwickeln, die das Dorf voranbringen können: Diese spannende Erfahrung haben nun 100 Mädchen und Jungen am Schulzentrum Lohne in der Gemeinde Wietmarschen mit dem Planspiel „Pimp your Town!“ – zu deutsch: „Motz' deine Stadt auf!“ – gemacht.

Die Schüler kamen dabei ins Gespräch mit "echten" Vertretern aus den drei Fraktionen des Gemeinderats, mit Jugendpflegerin Magdalena Bruns sowie mit Bürgermeister Manfred Wellen, welche die Vorschläge der jungen Leute im Nachgang auf ihre Realisierbarkeit hin überprüfen werden. Hinter der dreitägigen Aktion steckt der Verein „Politik zum Anfassen“ mit Sitz in Isernhagen, der das preisgekrönte Projekt seit 2009 bereits in zahlreichen Städten und Gemeinden umgesetzt hat.

Unter dem Motto „Drei Tage, viel Spaß und richtig etwas bewirken“ haben sich die Achtklässler des Haupt- und des Realschulzweigs am Dienstag ans Werk gemacht; mit von der Partie waren auch Schüler des Gymnasiums Nordhorn, die aus dem Gebiet der Gemeinde Wietmarschen stammen. Ziel des Events ist es, dass junge Leute Kommunalpolitik eigenständig und spielerisch erfahren, die Abläufe in der Verwaltung kennen lernen und erleben, wie wirksam lokale Demokratie sein kann.

Schnell entwickeln sich Ideen

Für die parlamentarische Arbeit teilten sich die Schüler in vier Gruppen von jeweils 25 Teilnehmern auf: Neben dem Ausschuss für Jugend, Soziales und Bildung, einen zweiten für Bau, Umwelt und Energie sowie einen dritten für Tourismus, Kultur und Sport formierte sich auch ein Presseteam, das die Tage journalistisch begleitete und ein Magazin sowie einen Film anfertigte. Die dafür nötige Ausrüstung stellte der Verein „Politik zum Anfassen“, der mit zehn jungen Kräften vor Ort war, zur Verfügung. Schnell entwickelten sich erste Ideen: Neben dem Pflanzen von Bäumen und dem Anlegen von Blumenwiesen schlugen die Jugendlichen unter anderem die Einrichtung eines Seniorentreffs mit Schülern sowie den Bau einer Trampolinhalle vor.  

Bei der Aktion "Pimp your town" im Schulzentrum Lohne durfte ein Presseteam nicht fehlen. Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Aufnahme eines Interviews mit einer "Nachwuchspolitikerin." Foto: Sebastian Hamel

Lehrerin Kristin Döll, die zusammen mit ihren Kollegen Frank Feddeck und Tim Daenell die Koordination des Projekts an der Schule leitete, zeigte sich beeindruckt: „Es ist toll zu sehen, welche Ideen die Schülerinnen und Schüler einbringen. Das Planspiel bildet die Wurzeln für die künftige politische Teilhabe. Hier passiert die pure Praxis.“ Auch Alina Schilling vom Verein „Politik zum Anfassen“, die das Planspiel Anfang des Jahres im Wietmarscher Ausschuss für Jugend, Sport und Soziales vorgestellt und fraktionsübergreifende Zustimmung geerntet hatte, sprach den Nachwuchspolitikern ein Lob aus: „Es ist immer schön zu sehen, wenn Schüler mit ihren Vorschlägen auch an andere denken. Die Jugendlichen haben wirklich viel Energie und sprudeln vor Ideen.“

Die Vertreter des Gemeinderats hatten sich zum Teil extra Urlaub genommen, um bei „Pimp your town“ mitwirken zu können. Doch der Einsatz hat sich gelohnt, bestätigen die Politiker: Michael Bunse (CDU) etwa sieht in dem Planspiel eine große Chance, die allgemeine Politikverdrossenheit beiseite zu legen und junge Leute fürs Mitmachen zu begeistern. Hermann Nüsse (SPD) meint: „Gerade in Zeiten, da der Populismus stärker wird, ist es wichtig, sachliches Argumentieren zu lernen.“

Wunsch nach mehr Zebrastreifen

Auch bei den Schülern kommt das Projekt gut an: „Es ist cool, neue Sachen zu erfahren und über die Ideen zu diskutieren“, meint etwa die 13-jährige Laura. Sie selbst wünscht sich mehr Zebrastreifen für die Gemeinde. „Pimp your town“ habe ihr gezeigt, dass die eigene Meinung zähle und nicht einfach nur getan werden sollte, was die anderen sagen.

Den krönenden Abschluss der Aktion bildete am Donnerstag eine große „Gemeindeversammlung“ mit allen Beteiligten im Rathaus in Lohne, wo insgesamt 18 Tagesordnungspunkte – sechs pro Ausschuss – zur Debatte standen. Ob aus „Pimp your town“ ein beständiges Organ, wie etwa ein Jugendparlament, entstehen wird, soll in der kommenden Zeit beraten werden. Für das Planspiel hat die Gemeinde Wietmarschen rund 7000 Euro aufgewendet.


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