Veranstaltungsreihe des VDI Datenbrillen sorgen in Lingen für erweiterte Realitäten

Sieht so der Mitarbeiter der Zukunft aus? Sebastian Werning demonstriert das Tragen einer Datenbrille. Foto: VDISieht so der Mitarbeiter der Zukunft aus? Sebastian Werning demonstriert das Tragen einer Datenbrille. Foto: VDI

Lingen. Die Arbeitswelt wird sich durch den digitalen Fortschritt radikal verändern: Augmented bzw. virtuelle Realität, Sensorik, additive Fertigung, künstliche Intelligenz, digitale Prozesszwillinge sind Stichworte. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) im Bezirk Osnabrück/Emsland möchte sich diesen Themen stellen.

 Professor Alfred Schoo ist Arbeitskreisleiter „Produktion und Wertschöpfungsmanagement“ im Bezirksverein. Er hat die Veranstaltungsreihe „Fabrik der Zukunft“ am Campus Lingen eröffnet. „Von einer klassischen Produktion nach Art von Henry Ford werden wir uns verabschieden“, ist sich Schoo sicher. Doch wie sieht der Weg in die „Fabrik der Zukunft“ aus? „Beim Mittelstand herrscht Angst, dass man abgehängt werden könnte. Das Ziel müsse sein, die neuen Technologien sinnvoll zu nutzen, um Wettbewerbsfähigkeit und Kundennutzen nachhaltig zu steigern. "Digitalisierung darf nie Selbstzweck sein“, unterstreicht Schoo. Zweimal im Jahr soll ab jetzt anhand konkreter Themenfelder darüber diskutiert werden. 

Erweiterte Realität

Den Anfang hat der Bereich augmented reality – kurz AR – gemacht. AR lässt sich mit erweiterter bzw. ergänzter oder auch überlagerter Realität übersetzen. Professor Ingmar Ickerott, Dekan der Fakultät Management, Kultur und Technik, war Gastgeber des ersten Abends. Er brachte das vielleicht bekannteste Beispiel für AR: das Spiel Pokémon GO. Dabei wird auf den Smartphones der Spieler simuliert, dass sich die Pokémon-Figuren an realen Orten tummeln, wo man sie einfangen muss. In dieser Form werden tatsächliche Orte mit fiktiven Elementen auf den Bildschirmen der Spieler verknüpft, so dass der Nutzer eine erweiterte Realität vor sich hat.

Zusatzinformationen durch Datenbrillen

Was hierbei Spielerei war, kann sich freilich auch die Arbeitswelt zunutze machen. Sebastian Werning verwaltet die Professur Betriebswirtschaftslehre und Logistikmanagement am Campus Lingen. Er erforscht die Anwendung von AR bei Logistikdienstleistern. Sein Spezialgebiet sind Datenbrillen, die dem Mitarbeiter in der Logistikbranche wichtige Zusatzinformationen für seine Tätigkeit ins Gesichtsfeld einspielen. „Die Gebrauchsfähigkeit, Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz dieser Datenbrillen sind in meinem Projekt entscheidende Faktoren“, betonte der Wissenschaftler. 

Die Vorteile von Datenbrillen bestünden darin, dass der Mitarbeiter beide Hände freihabe und sich frei bewegen könne. Auch könne er sich mit einem weiter entfernten Kollegen verständigen, ohne ein Telefon in die Hand nehmen zu müssen. Eine Vielzahl von Informationen könnten parallel eingeblendet werden. Ein Nachteil der Datenbrillen bestehe bei Brillenträgern. Diese müssten ihre eigene Brille - etwa gegen Kurzsichtigkeit - ablegen und könnten die angezeigten Daten dann nicht scharf sehen. Auch seien die Kosten für diese Brillen noch recht hoch.

Tablets kostengünstiger

Einen anderen Weg geht Carsten Amelingmeyer von Walnut Learning. Sein Unternehmen setzt auf Tablet- bzw. Smartphonelösungen. „Das ist kostengünstiger, man kann länger damit arbeiten als mit den Datenbrillen, die doch recht unbequem werden nach einiger Zeit, und es ist auch für Brillenträger geeignet. Der Nachteil ist natürlich, dass man nicht beide Hände frei hat“, fasste er zusammen.

Benjamin Bütefering von der Firma Leannova wollte wissen, ob von den Anwesenden schon jemand AR im Einsatz hat. Dies war nicht der Fall. An drei Stationen konnten die Teilnehmer dann einmal ausprobieren, wie es sich anfühlte, eine Datenbrille aufzuhaben bzw. AR auf einem Tablet zu sehen. Am Ende war man sich einig, dass eine exakte Aufbereitung der eingespeisten Daten und der Tragekomfort einer Datenbrille entscheidend für die Akzeptanz in der Praxis sein werden. 


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