Gemeinsame Aktion in St. Josef Lingen: Singen und Spielen gegen den Kirchenfrust

Chorleiter Werner Hölscher und die Vorsitzende des Cäcilienchores St. Josef, Steffi Weiß, zeigen an der Josefsstatue neben der Laxtener Kirche die Plakate für das Singspiel. Foto: CäcilienchorChorleiter Werner Hölscher und die Vorsitzende des Cäcilienchores St. Josef, Steffi Weiß, zeigen an der Josefsstatue neben der Laxtener Kirche die Plakate für das Singspiel. Foto: Cäcilienchor

Lingen. Kirche in einem anderen Licht zu erleben, das ist das Ziel des Singspiels "gerufen und gesandt", das Werner Hölscher für die Lingener Josefskirche konzipiert hat. Mitwirkende sind das Seminarfach Darstellendes Spiel, die Theater-AG und Instrumentalisten des Franziskusgymnasiums und der Cäcilienchor.

Skandale erschüttern die katholische Kirche, und auch in der Pfarreiengemeinschaft St. Antonius - St. Josef - St. Marien in Lingen gab es jüngst Unruhe um einen längst verstorbenen früheren Pfarrer (wir berichteten). Für den langjährigen Laxtener Chorleiter Werner Hölscher steht fest, dass zu viele Fehler gemacht wurden, deshalb hat er auch Verständnis dafür, dass viele Menschen der Kirche den Rücken kehren. "Was können wir unter solchen Umständen überhaupt noch tun, damit der Ruf Gottes zu den Menschen dringt?" Das ist für Hölscher die entscheidende Frage. "Wie kommt die frohe Botschaft der barmherzigen Liebe Gottes so überhaupt noch zu den Menschen? Können wir diesen Ruf überhaupt noch selber vernehmen, wenn uns die Enttäuschungen über die Kirche auf die Seele drücken?" Der 66-Jährige hat sich Gedanken gemacht und ein Singspiel gegen den Kirchenfrust gestaltet, das am kommenden Sonntag in der Basilika St. Josef in Lingen-Laxten aufgeführt wird.

Dabei stehen Schülerinnen und Schüler des Seminarfachs Darstellendes Spiel, der Theater-AG sowie Instrumentalisten des Franziskusgymnasiums neben dem Cäcilienchor St. Josef auf der Bühne in der von Ansgar Silies illuminierten Kirche. Fünf Szenen zu den Themen "Kirche", "Bekehrung", "Glaube", "Konflikte" und "Berufung" korrespondieren dabei mit Chorsätzen von Norbert Becker, Siegfried Fietz und anderen Vertretern des Neuen Geistlichen Liedes. Das Instrumentarium besteht aus Klavier, Schlagzeug, Sologitarre, Bassgitarre, Saxofon, Altblockflöte und Sologesang.

Hölschers musikalische Aktionen der vergangenen Jahrzehnte standen immer unter einem bestimmten Motto. Nun also "gerufen und gesandt", das Motto einer 2016 komponierten Messe des Herz-Jesu-Missionars Norbert Becker, und den Prototyp dafür hat Hölscher direkt neben der Josefskirche gefunden: die Statue von Josef, dem Sohn Jakobs, aus dem Alten Testament. "Josef wurde von seinen Brüdern verkauft und landete in der Fremde", erläuterte Hölscher in einem Gespräch mit unserer Redaktion. "Gleichzeitig ist er der Auserwählte, dessen Träume Gottes Willen deutlich machten, und darin hat er auch den Christen von heute etwas zu sagen", ist sich der Kirchenmusiker sicher.

Dabei legt er Wert darauf, dass es sich nicht um ein Konzert handelt, sondern um ein Singspiel, bei dem das Publikum mit Fragen der eigenen Zweifel und der eigenen Berufung konfrontiert wird. "Die Schülerinnen und Schüler haben da schon vorgearbeitet, sie werden uns Erwachsenen den Spiegel vorhalten", erklärt Hölscher die etwa 90 Minuten dauernde Inszenierung bei freiem Eintritt.

Der Cäcilienchor St. Josef, Lingen-Laxten. Foto: Cäcilienchor

Zur Sache

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Das Singspiel mit dem Titel „gerufen & gesandt“ beginnt am Sonntag, 10. November, um 17 Uhr in der Kirche St. Josef im Lingener Stadtteil Laxten (Josefstraße). Das Stück dauert etwa 90 Minuten, der Eintritt ist frei. Die Gesamtleitung hat Werner Hölscher, für die musikalische Gestaltung sorgt neben dem Cäcilienchor das Franziskusgymnasium.


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