Von Zwangsarbeitern und zur Rolle der Frauen Zeitreise in die Vergangenheit der Hallen I/II des Campus Lingen

Die erste Station der Campusstories beginnt mit einer Fotoausstellung. Neugierige Studenten und Mitarbeiter der Hochschule Osanbrück am Campus Lingen schauen gespannt die Historische Geschichte der Hallen an. Foto: Schila Khosravi KamraniDie erste Station der Campusstories beginnt mit einer Fotoausstellung. Neugierige Studenten und Mitarbeiter der Hochschule Osanbrück am Campus Lingen schauen gespannt die Historische Geschichte der Hallen an. Foto: Schila Khosravi Kamrani

Lingen. Ein besonderer Spaziergang über den Campus Lingen hat Studierende und Mitarbeiter auf einer spannenden Zeitreise in die Vergangenheit versetzt. Auf unterschiedliche Art wurde die Vergangenheit dargestellt.

Theaterpädagogen und Kommunikationsmanager haben sich gefragt: Wie sahen die Hallen I/II früher aus?  Wie haben Männer und Frauen hier gearbeitet? Das Konzept "Campusstories" hat das Interesse vieler Studierender und Mitarbeiter geweckt. Dabei wurde die Vergangenheit durch Schauspiel und Bilder wieder lebendig gemacht.

Fotoausstellung gestern und heute

Fotos aus den Jahren 1856 bis 2019 wurden ausgestellt. Bei den historischen Aufnahmen gab es zum Vergleich jeweils ein Bild, das den heutigen Zustand zeigt. Diese lang durch die Hallen verlaufende Ausstellung fand soviel Anklang, das sie noch bis mindestens 15. November öffentlich gezeigt wird. Düster und bedrückend wirkte die nächste Station: In einem schmalen Gang zwischen einem Gebäude des Campus und der Außenwand der alten Hallen stellten Studierende die Situation der Zwangsarbeiter im ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerk während des Zweiten Weltkriegs dar. Antreten in Reih und Glied wurde ihnen befohlen, bevor sie 30 Gramm Brot, eine Tagesration, in die Hand gedrückt bekamen. Erst dann ging es an historischen Aufnahmen und Gegenständen vorbei, während es hierzu Erläuterungen per Kopfhörer gab.

"100 Jahre Frauen der halle - Eine fragmentarische Spurensuche". Gespannt warten die Interessierten vor der Station. Foto: Schila Khosravi Kamrani

 "100 Jahre Frauen der Halle - Spurensuche" lautete das Motto der nächsten Station. Eine Suche, die sich schwierig gestaltete: Zwar ist bekannt, dass Frauen früher in den Hallen I/II gearbeitet haben, während über sie nur sehr wenig bekannt ist. Es gibt kaum Namen, kaum Informationen über die Art ihrer Arbeit. War die Arbeit der Frauen nicht wichtig? Und welche Rolle spielen die Frauen heute auf dem Campus Lingen?

Rundgang der besonderen Art

"Was wäre gewesen, wenn?" Dieser Frage widmete sich ein Rundgang der besonderen Art durch die Hallen. Begleitet wurde dieser von einer Stimme vom Band, die berichtete, was entlang des Weges zu sehen sein sollte - aber zur Verwunderung der Teilnehmer nicht zu sehen war. Aufgelöst wurde dieser Widerspruch zum Schluss: Die Stimme schilderte Pläne für die Gestaltung des Campus aus den Jahren 2002 bis 2007, die aber nie realisiert worden sind.

Die Besucher sollen sich einige Zeit nehmen und den Campus und um sich herum alles wahrnehmen. Dabei wurden sie von einer angenehme Stimme begleitet. Foto: Schila Khosravi Kamrani

Wiederholung eine Überlegung wert

Zu den Studierenden, die sich an der Entwicklung des Rundgangs durch Hall I/II beteiligt haben, gehört Theaterpädagogin Samira Pflaum. Sie war an dem Projekt "Was wäre gewesen" beteiligt. "Die Halle ist oft leer und kalt. Wir würden sie uns als Aufenthalts- und Freizeitraum wünschen", sagte Pflaum. Wären die Theaterpädagogen, wie in einigen alten Plänen vorgesehen, ebenfalls auf dem Campus untergekommen, hätte dies Vor- und Nachteile: "Unsere Vernetzung wäre besser, aber unsere teils lauten Proben und Unterrichte könnten die anderen stören." Johanna Traub ist ebenfalls Theaterpädagogin und  hat das Denkmal vor Halle IV gesehen , das an die Zwangsarbeiter im Reichsbahnausbesserungswerk erinnert. "Wir wollten mehr über das Leben der Arbeiter wissen", sagte Traub. Auch wenn deren Leben nicht wirklich erfahrbar ist, wollten wir einen Teil davon nachvollziehbar machen." Ihre Kommilitonin Nina Hecker meinte, die Veranstaltung sollte für künftige Erstsemester wiederholt werden. "Das wäre für die Studierenden recht interessant und ist eine Überlegung wert."


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