Requiem von Maurice Durufé Kammerchor Emsland sorgt für Gänsehautmomente

Wo Liebe ist und Güte, da wohnt Gott - Exzellentes Konzert mit Musik von Maurice Duruflé in St. Bonifatius Lingen. Foto: Peter LöningWo Liebe ist und Güte, da wohnt Gott - Exzellentes Konzert mit Musik von Maurice Duruflé in St. Bonifatius Lingen. Foto: Peter Löning

Lingen. Eine Hommage an Maurice Duruflé, so hätte man das jüngste Konzert des Kammerchor Emsland in Lingens St. Bonifatius Kirche nennen können, das sei aber sicherlich nicht im Sinne des Komponisten. Dieser nähme sich selbst stets eher zurück. So gab es Kantor Balthasar Baumgartner bei seiner Begrüßung kund.

Mit der Aufführung dreier ausgezeichneter Werke aus dem schlanken Œuvre des 1986 verstorbenen Franzosen nähert sich das Programm einer sehr eigenen, sehr tief wirkenden Musik. Baumgartner spricht sehr trefflich von ehrlicher Musik, die Duruflé uns hinterlassen habe. Und tatsächlich ist es eine spürbar eigene, reizvolle wie aber auch ausdrucksstarke Klangsprache, die mit klaren Wurzeln in Spätromantik und Impressionismus überaus geeignet ist, des Hörers Seele zu berühren. 

Der Abend beginnt mit den erst 1960 erschienenen „Quatre Motets“ (op. 10). Von der Orgel eingeleitet aber a cappella gesungen, verarbeitet Duruflé hier beeindruckend wirkungsvoll Material gregorianischer Choräle. Hervorragend vom Chor in Klang gebracht ist dies eine exzellente Einstimmung auf das, was folgt.

Sein „Prélude et fugue sur le nom d’Alain“ (op. 7) für Orgel zeigt einen ganz anderen, nicht minder ergreifenden, Charakterzug in der Musik Duruflés und adelt Baumgartner als herausragenden Organisten der dieses komplexe und sehr emotional wirkende Werk großartig ausgestaltet.

Ein ruhelos agierendes Präludium und eine sich emotional steigernde Fuge wirkungsvoll registriert, machen ein ergreifendes Opus 7. Balthasar Baumgartner. Foto: Peter Löning

Im Zentrum des Programms aber steht Duruflés Opus 9, sein Requiem in der Version für Soli, Chor und Orgel aus dem Jahr 1948. Es ist das wohl umfassendste seiner Werke und gilt längst als eines der bedeutendsten kirchenmusikalischen Schöpfungen der jüngeren Musikgeschichte, auch wenn es wohl nicht sehr häufig zu hören ist. Nicht zuletzt die originelle, das ganze Werk durchziehende Verwendung gregorianischer Elemente verleiht dem Requiem eine unfassbar nahegehende Schönheit. Und hier zeigt sich der Kammerchor Emsland bestens gewappnet, die Essenz der Musik zu transportieren.

Ins Paradies mögen dich leiten Engel - Frauke Schwind leitet den Kammerchor Emsland beim Requiem von Maurice Duruflé. Foto: Peter Löning

Fest in der Hand von Frauke Schwind (bislang Regionalkantorin an St. Jakobus in Sögel) erklingt der Kammerchor an diesem Abend als beglückend klangschönes, ausgewogen sauberes und durchlässiges Ensemble, das seine Qualitäten uneitel in den Dienst der Musik stellt. Sollte es eine Rangliste für Chöre im Emsland geben, sie wären ganz vorne einzuordnen. 

Gemeinsam mit Baltasar Baumgartner erstklassig an der Orgel, machen sie dieses so farbengeprägte Werk zu einem seelenrührenden Erlebnis. Nur für einige kurze Passagen, doch wie sich herausstellt, für die Musik von großer Wichtigkeit, verlangt Duruflé zwei Solisten. Anna Kristina Naechster (Mezzosopran) und Manfred Bittner (Bass-Bariton) gestalteten ihre Stellen meisterhaft und nachvollziehbar unersetzlich. Allein das „Pie Jesu“ bereitet noch weit im Nachklang anrührende Gänsehaut. Ein ganz erstaunlich intimes Werk, das in bedrückender Stille endet „…ewig mögest du Ruhe haben“. Großartig!


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