Gala aus 40 Jahren Theater Spielbühne Lingen lässt es zum Geburtstag krachen

Einen Ausschnitt aus "Peter Pan" zeigte die Spielbühne auf ihrer Gala zum 40. Geburtstag im Theater. Foto: Elisabeth TonderaEinen Ausschnitt aus "Peter Pan" zeigte die Spielbühne auf ihrer Gala zum 40. Geburtstag im Theater. Foto: Elisabeth Tondera
Elisabeth Tondera

Lingen. 40 Jahre und kein bisschen leise – der leicht abgewandelte Titel des Songs von Curd Jürgens passt perfekt auf die Spielbühne Lingen. Mit einer großen Gala im Theater an der Wilhelmshöhe feierte die älteste Amateurtheatergruppe der Region ihr rundes Jubiläum und ließ es ordentlich krachen.

Alles, was zu einer solchen Feier gehört, war dabei: langjährige Weggefährten, Erinnerungen, Festreden mit Erfolgsbilanz (fast 70 Inszenierungen, rund 700 Aufführungen im In- und Ausland, über eine halbe Million Zuschauer), Musik, Tanz, eine Geburtstagstorte, Sekt, Luftballons, Konfetti. Dabei waren die Reden so geschickt in das Programm integriert, dass die Aufmerksamkeit der Zuschauer nicht nachließ. 

Wie es sich zum Geburtstag gehört, gab es auch eine große Torte. Foto: Elisabeth Tondera

Im Mittelpunkt stand – wie sollte es anders sein – das Theaterspiel. Die für die Regie Verantwortlichen Patricia Ens, Nils Hanraets, Norbert Radermacher und Uschi Ritter stellten ein ausgewogenes, buntgefächertes Programm zusammen, das die Vielfalt und die große Bandbreite der Arbeit der Spielbühne zeigte. Mit kurzen Ausschnitten aus einigen Produktionen ließen sie die 40 Jahre Revue passieren. Musik, Tanz und Sprechtheater, Komisches, Ernstes und Nachdenkliches – alles war dabei, charmant und mit viel Humor moderiert von Nadine Boyer-Dijksterhuis und Thorsten Norgall, der zwar immer wieder den roten Faden verlor, sich aber dadurch nicht verunsichern ließ. Auch das wiederholte Auftauchen des Königs (Heiner Werner), der seinen Thron vermisste, brachte das Moderatorenduo nicht aus dem Konzept.

Immer wieder tauchte unerwartet der König (Heiner Werner) auf der Bühne auf. Foto: Elisabeth Tondera

Mitreißend gestaltete die Tanzgruppe „Vis à Vis“ des TPZ Lingen den Indianertanz aus der Produktion „Peter Pan“ (1996). Dass eine TPZ-Gruppe den Szenenreigen eröffnete, war kein Zufall, verbindet die Spielbühne und das TPZ von Anfang an eine enge Kooperation. Schließlich war der Mitbegründer und langjährige Leiter der Spielbühne Norbert Radermacher gleichzeitig Leiter des TPZ. In seiner Festrede, die er nach eigenen Worten von ursprünglich 50 auf acht Minuten gekürzt hatte, erinnerte er an das „Projekt Amateurtheater“, das Walter Edelmann und er im Auftrag des städtischen Kulturausschusses als Volkshochschulkurs anboten. 

Wilma Smolka, eine Teilnehmerin der ersten Stunde, erinnerte sich daran, wie ernüchtert sie war, als sie, statt Theater zu spielen, in der ersten Zeit auf vier Beinen kriechen oder sich auf dem Boden herumwälzen musste. Mehr als die Hälfte der 70 Interessierten hatte das abgeschreckt. Wilma Smolka blieb und ist bis heute Mitglied des seit 1982  eingetragenen Vereins. Für die Jubiläumsgala kehrte Smolka nach über 20 Jahren auf die Bühne zurück und trat mit einer weiteren Mitbegründerin der Theatergruppe Juliane Altmann in einer Szene aus „Bernarda Albas Haus“ auf, die Radermacher 1984 inszeniert hatte.

Szene aus Bernada-Albers-Haus. Foto Elisabeth Tondera

Die Ausschnitte aus der Tragödie von Federico Garcia Lorca, den großen Produktionen „Peter Pan“ und „Oliver Twist“ oder aus „Der Untergang der Titanic“ weckten bei den meisten Zuschauern Erinnerungen an spannende Theaterabende und -nachmittage, an Gespräche mit den Mitgliedern der Theatergruppe oder an das eigene Mitwirken. Das macht deutlich, dass die Spielbühne aus dem Lingener Kulturleben nicht mehr wegzudenken ist. 

Ausschnitt aus "Der Untergang der Titanic". Foto: Elisabeth Tondera

Das betonte auch der Zweite Bürgermeister Stefan Heskamp in seinem Grußwort. „Stellen Sie sich die Weihnachtszeit ohne die traditionellen Aufführungen der Spielbühne alle zwei Jahre vor“, sagte er. Die Kinderproduktionen sind ein fester Bestandteil des Repertoires, und auch daraus waren einige Ausschnitte zu sehen, darunter „Der kleine Vampir“ (2008) oder „Eine Woche voller Samstage“ (2006).

Szene aus "Der kleine Vampir". Foto: Elisabeth Tondera

Ohne engagierten Einsatz der Mitglieder und deren Familien, aber auch ohne Förderer, vor allem die Stadt Lingen, wäre die so erfolgreiche Theaterarbeit nicht möglich. Das betonte neben Norbert Radermacher auch die Vorsitzende der Spielbühne Ulla Graeser.

Alles an dem Abend war aus einem Guss. Die Feier auf der Bühne ging übergangslos in eine rauschende Party im Theaterfoyer über, wo es noch einen kurzen offiziellen Teil gab, als Anke Domke vom Amateurtheaterverband Niedersachsen Julianne Altmann, Gisela Holterhues, Norbert Radermacher und Wilma Smolka für 40 Jahre Mitgliedschaft in der Spielbühne auszeichnete.

Für 40 Jahre bei der Spielbühne wurden (von links) Norbert Radermacher, Gisela Holterhues, Wilma Smolka und Julianne Altmann ausgezeichnet: Foto: Elisabeth Tondera


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