Herausragendes kulturelles Engagement Warum der Lingener Norbert Radermacher das Bundesverdienstkreuz erhält

Das Bundesverdienstkreuz überreichte Oberbürgermeister Dieter Krone an Norbert Radermacher für dessen herausragenden Verdienste um das nationale und internationale  Amateurtheater sowie die Theaterpädagogik. Rechts auf dem Foto Ehefrau Helga Radermacher. Foto Caroline TheilingDas Bundesverdienstkreuz überreichte Oberbürgermeister Dieter Krone an Norbert Radermacher für dessen herausragenden Verdienste um das nationale und internationale Amateurtheater sowie die Theaterpädagogik. Rechts auf dem Foto Ehefrau Helga Radermacher. Foto Caroline Theiling

Lingen. Für seine herausragenden Verdienste um das niedersächsische und deutsche Amateurtheater sowie die Theaterpädagogik ist der Lingener Norbert Radermacher im historischen Rathaus in Lingen am Sonntag mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden.

Großen Eindruck habe Radermachers Engagement im kulturellen Bereich für das deutsche und internationale Amateurtheater hinterlassen, was sich bis zum Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier herumgesprochen habe, sagte Lingens Oberbürgermeister in seiner Laudatio im historischen Rathaus.

Ehe er dem 73-Jährigen eine der höchsten Anerkennungen, die in Deutschland vergeben werden, ans Revers heftete, skizzierte er dessen außergewöhnliches Wirken. Er nannte Radermacher einen der Pioniere der Theaterpädagogik. Ihm sei das Theaterpädagogische Zentrum, der Campus Lingen mit dem Studiengang Theaterpädagogik, das Welt-Kindertheater-Fest, Arts by Children, das Europäische Theaterhaus und nicht zuletzt der Bund Deutscher Amateurtheater zu verdanken. 

Bereits seit vierzig Jahren gestaltet und bereichert er nach Worten Krones, das kulturelle Leben in Lingen und der Region, stets unter dem persönlichen Leitmotiv: "Theater ist Leben". Das zeige sich ganz aktuell am Beispiel der Spielbühne, die er 1979 mitgegründet und 15 Jahre lang geleitet hat. Erst am Samstag hatte sie ihr 40-jähriges Bestehen mit einer großen Jubiläums-Gala gefeiert.

Neben dieses Projekten war Radermacher 20 Jahre lang hinzugewähltes Mitglied im städtischen Kulturausschuss, beteiligt an der Gründung des Lingener Kunstvereins sowie an der Gründung der Mal- und Kreativschule, die inzwischen Kunstschule heißt. Zahlreiche Ehrenämter kamen hinzu. Darunter das Amt des Präsidenten des BDAT, das er von 2000 bis 2015 ausübte. In dieser Zeit wuchs die Zahl der Mitgliedsbühnen  von 1.400 auf heute etwa 2.400 Bühnen in 16 Landesverbänden. 

Mit großem Staunen quittierten die Gäste die zahlreichen vom OB aufgezählten Preise, mit denen Radermacher für sein Wirken bislang ausgezeichnet worden ist. Dazu gehörten unter anderem der Lego-Preis, der höchst dotierte Jugendkulturpreis der Welt, die Emslandmedaille,  das Verdienstkreuz 1. Klasse des Niedersächsischen Verdienstordens, der Lingener Kulturpreis und die Ernennung zum Ritter des belgischen Leopoldsordens.

Mit seinen Gästen stellte sich Norbert Radermacher zum Erinnerungsfoto auf die Rathaustreppe. Foto: Caroline Theiling

"Im Namen des Stadtrates und aller Lingenerinnen und Lingener, aber auch ganz persönlich, gratuliere ich Dir herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung. Mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse erhältst Du eine der höchsten Anerkennungen, die unser Land ausspricht," sagte Dieter Krone bei der feierlichen Verleihung, zu der sich zahlreiche Ehrengäste eingefunden hatten, darunter auch Simon Isser, Präsident des Bundes Deutscher Amateurtheater (BDAT) in Berlin.

Blumen gab es für Helga Radermacher, Ehefrau des Geehrten, die auf ihren Mann häufig verzichten musste, wenn er wieder in Sachen Kultur unterwegs war. Foto: Caroline Theiling

Isser gratulierte im Namen der Mitgliedsvereine. Auch er zeigte sich überzeugt, dass Radermacher diese Auszeichnung seit langem verdient habe und verwies darauf, dass es harter Arbeit bedurft habe, dem Amateurtheater den Stellenwert zu verschaffen, den es heute hat. 

Als "richtigen Mann am richtigen Ort mit den richtigen Ideen" bezeichnete Hermann Bröring als Präsident der Emsländischen Landschaft Norbert Radermacher. Der damalige Oberkreisdirektor Werner Franke habe einen kulturellen Schub für die Region gewollt und mit Kulturminister Werner Remmers einen Befürworter gehabt. Zusammen mit den Visionen Radermachers gab es "den Rückenwind, den die Region damals brauchte". 

Herzliche Glückwünsche übermittelte Nils Hanraets als Vize-Präsident von Arts By Children, der ebenso wie Radermacher beim Weltkinder-Theaterfest als künstlerischer Leiter fungiert hatte. "Das Festival allein reicht nicht", unterstrich Hanraets. Um nachhaltige Strukturen aufzubauen, die zwischen den Festivals Kindern den Zugang zu kultureller Bildung zu ermöglichen, bedürfe es mehr. Dafür sei es nur logisch und konsequent gewesen, den Verein Arts by Chidren ins Leben zu rufen.

"Diese Arbeit könnte nicht weitergehen, wenn es nicht so wunderbare Nachfolger geben würde", wandte sich Radermacher an Isser und Hanraets. Er verglich seine Arbeit mit einem Acker, den er wie ein Bauer bereitet und die Saat ausgesät hatte. Für den nachhaltigen Ertrag seien nun andere zuständig. Sein Dank galt all denen, die ihn auf seinem Weg begleitet hatten, insbesondere seiner Frau und Familie, die häufig auf ihn verzichten mussten. 

 


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