Ergreifende "Winterreise" Manuel Walser und Anano Gokieli gastieren in Emsbüren

"Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh' ich wieder aus" -  Franz Schuberts "Winterreise" in überwältigender Interpretation mit Manuel Walser und Anano Gokieli bei den Emsbürener Musiktagen. Foto: Peter Löning"Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh' ich wieder aus" - Franz Schuberts "Winterreise" in überwältigender Interpretation mit Manuel Walser und Anano Gokieli bei den Emsbürener Musiktagen. Foto: Peter Löning

Emsbüren. Es ist eigentlich immer das Gleiche: Für ihr Gastkonzert zaubern die Macher der Emsbürener Musiktage (EMT) alljährlich ein Konzert auf die Bühne der Liudger-Realschule, das bei den Hörern immer wieder aufs Neue alle Erwartungen sprengt. Franz Schuberts wegweisendes Opus 89, der Liederzyklus „Winterreise“ stand am Dienstag auf dem Programm, fantastisch gestaltet von dem Schweizer Sänger Manuel Walser und der georgischen Pianistin Anano Gokieli. Ein Konzert, das zu beachten für Musikfreunde ein unbedingtes Muss ist.

Schubert schuf dieses abendfüllende Werk in zwei Abteilungen über Texte von Wilhelm Müller in dessen Todesjahr 1827, ein Jahr vor seinem eigenen Tod. Er schuf damit einen seiner berühmtesten und für seine Zeit wohl wichtigsten Liederzyklen, gern gedeutet als Darstellung des existentiellen Schmerzes eines Menschen, der in 24 Stationen (Liedern) seinen passionsgleichen Weg abschreitet, um schlussendlich einer düsteren Hoffnungslosigkeit anheim zu fallen. Es ist Nacht, es ist Winter - zumindest in seinem Herzen. Nachdem ihn seine Geliebte verlassen hat, gibt es nichts, was ihn noch zurückhält… Die Frage indes bleibt offen, ob nun der Wanderer am Ende stirbt oder nicht: „Wunderlicher Alter, soll ich mit dir geh’n? Willst zu meinen Liedern deine Leier dreh’n?“ 

"Manche Trän' aus meinen Augen ist gefallen in den Schnee" - in ergreifender Interpretation gaben Manuel Walser und Anano Gokieli Franz Schuberts "Winterreise" im Gastkonzert der Emsbürener Musiktage. Foto: Peter Löning

Als Hörer ist man mitgenommen auf die tiefgreifende, wechselhafte Reise durch Dick und Dünn, mit Träumen und Wünschen, mit Ängsten, Liebe und Verzweiflung. Und hier spätestens wird es Zeit, die Künstler für ihre enorme Leistung an diesem Abend hoch zu loben. Sie haben hier ab dem ersten Ton über alle 24 Lieder das Publikum dermaßen fesseln können, dass dieses mit Genuss für Geist und Herz sich kein Rascheln oder Räuspern leisten wollte.

Der Bariton Manuel Walser ist ein hell aufgehender Stern am Sangeshimmel mit jungem, aber durchschlagendem Lebenslauf – es würde jeden Rahmen sprengen, hier seine Auszeichnungen und prominenten Auftritte aufzuzählen. Neben seinen Engagements beispielsweise an der Wiener Staatsoper, widmet er sich mit besonderer Leidenschaft dem Lied. Und dabei ist er bereits seit Jahren auch mit der Pianistin Anano Gokieli unterwegs, die selbst lange schon Teil des Dozenten-Teams der EMT ist. Und hier liegt vermutlich die Wurzel dieses so glücklichen Engagements.

Die beiden Künstler ergänzten sich an diesem Abend mit Passion zu einem überwältigenden Duo, das Schuberts Winterreise nachdrücklich erlebbar machte. Transparent und feinstens aufeinander abgestimmt, klangschön und stets klar im Ausdruck veredelten sie das großartige Opus überragend, dass es eine Freude war. Am Ende der langen Reise hielt sich beglückend langes Schweigen, eh dass das Duo mit ausgiebigen, stehenden Ovationen gefeiert wurde. Großartig!

"Eine Straße muss ich gehen, die keiner ging zurück" - großer Applaus am Ende einer berührenden "Winterreise" mit Manuel Walser und Anano Gokieli bei den Emsbürener Musiktagen. Foto: Peter Löning

Dankeschön für diesen fantastischen Konzertabend.


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