Ewig junge Spielfreude Frenetischer Applaus für Startrompeter Ludwig Güttler

Von Daniel Lösker

Ludwig Güttler (rechts) und sein Trompetenpartner Johann Clemens sowie Friedrich Kircheis an der Orgel erzeugen in den Werken für zwei Trompeten besonders glanzvolle Stimmung. Als Registrator fungiert Kirchenkreiskantor Peter Müller. Foto: Daniel LöskerLudwig Güttler (rechts) und sein Trompetenpartner Johann Clemens sowie Friedrich Kircheis an der Orgel erzeugen in den Werken für zwei Trompeten besonders glanzvolle Stimmung. Als Registrator fungiert Kirchenkreiskantor Peter Müller. Foto: Daniel Lösker

Lingen. So gut besetzt hat man die Kreuzkirche wohl selten gesehen. Erwartungsfrohe Gesichter schauen – so sie können – gespannt in Richtung Orgelempore. Dort sitzt, in aller Gelassenheit eines Weltstars, der Startrompeter Ludwig Güttler. Neben ihm sein langjähriger Orgelpartner Friedrich Kircheis sowie der junge Leipziger Gewandhaus-Trompeter Johann Clemens.

Kircheis eröffnet den Abend mit dem festlichen „Präludium e-Moll“ und der ebenso opulenten wie ungewöhnlichen „Fuge“ gleicher Tonart von Nikolaus Bruhns. Eine wunderbare Reminiszenz an die sogenannte norddeutsche Orgelschule und damit auch an das Lingener Publikum. Ansonsten wird das Programm vor allem von großartiger mitteldeutscher Barockmusik geprägt, oder wie es Kirchenkreiskantor Peter Müller in seiner Begrüßungsrede sagt: „Musik aus der Zeit, in der unsere Kirche entstand“. 

Makelloser Glanz

Als Güttler sich erhebt und die ersten Töne aus seinem Instrument erklingen, weiß man sofort, wofür sein Spiel seit Jahrzehnten gelobt wird. Makelloser Glanz und prachtvolles Forte gepaart mit ewig junger Spielfreude. Merkt man dem Sachsen die 76 Jahre an, wenn er sich bewegt, so scheinen sie seinem Trompetenspiel wenig auszumachen. Clemens zeigt eine andere Seite der Musizierkunst. Bei ihm hört man auch die leiseren Töne. Das Ganze ist etwas weniger kraftvoll, hat aber gleichfalls Substanz und besticht mit delikat flexiblem Ansatz. 

Erstaunliche Klangbreite

Beide spielen zwischendurch auch auf dem „Corno da caccia“, einem der Hornfamilie angehörenden Instrument, welches besonders durch Güttler erneute Bekanntheit erlangt hat. Johann David Heinichens „Konzert für zwei Corni da caccia und Orgel“ präsentiert die erstaunliche Klangbreite des barocken Jagdhorns. Brillante Höhen im eröffnenden Vivace, schmeichelnde, sonore Klänge im kurzen, aber gehaltvollen Arioso, sowie feurige Virtuosität im mitreißenden Allegro.

Soueveräner Partner

Kircheis an der Orgel ist dabei der gewohnt souveräne Begleiter. Welch überragende Qualität der gebürtiger Auer hat und warum er nicht nur in Mitteldeutschland jedem Musikliebhaber seit vielen Jahren eine Institution ist, offenbart er in Johann Sebastian Bachs „Präludium und Fuge a-Moll“, jenem frühen Meisterwerk des Eisenacher Genies. Expressiv und erregt, wo angebracht, maßvoll ordnend, einem großem Atem folgend, wenn es die Partitur verlangt, stellt Kircheis das Opus farbig und pulsierend in den, angesichts solch kontrapunktischer Monumentalität, scheinbar größer werdenden Raum.   Frenetischer Applaus für den Weltstar Güttler und seine kongenialen Partner erwirkt zwei glanzvolle Zugaben. 


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