Tiefsinn und Albernheit Herman van Veen zieht in Lingen „Neue Saiten“ auf

Herman van Veen, ein Multitalent, ein Künstler, der mit seinen Liedern und Texten so viel zu sagen hat und dem Publikum allergrößte Freude bereitet. Foto: Johannes FrankeHerman van Veen, ein Multitalent, ein Künstler, der mit seinen Liedern und Texten so viel zu sagen hat und dem Publikum allergrößte Freude bereitet. Foto: Johannes Franke
Johannes Franke

Lingen. Der niederländische Künstler Herman van Veen hat jetzt im ausverkauften Theater an der Wilhelmshöhe in Lingen das Publikum total begeistert. Der Sänger, Liedermacher, Dichter, Clown und Entertainer von Weltklasseformat wandelte zwischen seinen Liedern, tiefsinnigen Texten und verspielter Albernheit durch sein Programm.

Dabei unterstützten ihn seine langjährige Gitarristin und musikalische Partnerin Edith Leerkes, die wunderbare Geigerin und Sängerin Jannemien Cnossen, die bezaubernde niederländisch-spanische Perkussionistin Wieke Garcia und der coole, virtuose Bassist Kees Dijkstra. Nach dem herzlichen Willkommensapplaus und dem Eingangssong in niederländischer Sprache stellte dieses Quartett sein Können mit einem instrumentalen Stück unter Beweis und erhielt dafür großen Beifall. Die Band fügte sich dynamisch in das zweieinhalbstündige Programm ein und erhielt immer wieder Gelegenheit, mit einzelnen Soli zu glänzen.

Das Publikum, das mit dem inzwischen 74-Jährigen in die Jahre gekommen ist, erwartete die gewohnte Melancholie seiner Musik und die mit Augenzwinkern gesprochenen Anekdoten. Mit seinen Liedern, begleitet von Violinen, Gitarre, Bass, Harfe, Kontrabass, Mundharmonika, Keyboard, Flügel und Schlagzeug, kurzen Textauszügen und seinen unterhaltsamen, geistreichen, rätselhaften, lustigen und manchmal verrückten Worten und Plaudereien zwischen den einzelnen Stücken, bringt er die Zuhörer zum herzhaften Lachen, verzückt sie, stimmt sie jedoch auch nachdenklich. Zum Thema Alter stellt er lapidar fest: Älter werden geht von selbst, auch von selbst vorüber“.  

Einige Lieder sind auf der aktuellen CD „Neue Saiten“ enthalten. Sie handeln von Liebe, Respekt, Toleranz, Freundschaft, Familienbane, dem Älterwerden und der Zukunft. Der tiefsinnige Text „Zu haben wollen“ beschäftigt sich mit den lebenslangen Wünschen und Bedürfnissen. Der Lebenskünstler aus Utrecht verbreitet aber auch Fröhlichkeit unter anderem mit dem Lied „Was fast Verrücktes“. Mal tänzelt er in roten Socken leichtfüßig über die Bühne, mal lässt er lasziv die Hüften kreisen, mimt dann den rückengeplagten Greis, um bald beim Evergreen-Song „If I Had a Hammer“ den junggebliebenen Rock ’n’ Roller zu schauspielern und animiert mit „Que Sera, Sera“ zum Mitsingen.

Hintergründig, humorvoll und auch deftig sind seine Zwischenmoderationen. Er scheut mit einer musikalisch-theatralischen Parodie auf den minutenlangen Bühnentod nicht zurück: „Wie schön könnte die Oper sein, wenn es keine Sänger gäbe.“

Das Publikum klatscht schon beim ersten Ton, als das wunderbare Chanson „Mijn vlakke Land“ van Jacques Brel erklingt. Zum Ende kommt das Publikum in den Genuss eines „Drum-Battles“ aller fünf Künstler, bei der die Reiskörner wie ein Feuerwerk silbrig glänzend von den Trommelfellen der Pauken spritzen. Die begeisterten Besucher danken mit minutenlangem, stehendem Applaus und genießen noch mehrere Zugaben im Konfettiregen. Der „holländische Clown mit Glatze“, wie er sich selbst liebevoll nennt, bittet: „Fahren Sie vorsichtig, bleiben Sie gesund, dann sehen wir uns in zwei, drei Jahren in Lingen wieder.“ Das wäre einfach nur wunderbar!


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