Mit Waldpädagogin Cornelia Köster unterwegs Kinder entdecken den Altenlingener Forst mit anderen Augen

Man muss mit offenen Augen durch den Wald gehen, um Details zu entdecken: Waldpädagogin Cornelia Köster zeigt den Kindern im Altenlingener Forst ein Spinnennetz im Brombeerbusch. Foto: TonderaMan muss mit offenen Augen durch den Wald gehen, um Details zu entdecken: Waldpädagogin Cornelia Köster zeigt den Kindern im Altenlingener Forst ein Spinnennetz im Brombeerbusch. Foto: Tondera

Lingen . Was kann man im Wald sehen? Bäume, Sträucher, Moos, Vögel, wenn man Glück hat, hoppelt ein Kaninchen über den Weg. Doch ein Wald bietet viel mehr. Davon konnten sich die Kinder der Grundschule Altenlingen überzeugen.

Sie hatten sich mit der Waldpädagogin Cornelia Köster auf den Weg durch den Altenlingener Forst gemacht. Organisiert hatte den Waldspaziergang die Bürgerinitiative Pro Altenlingener Forst. Entstanden nach der Abholzung von Bäumen auf einer Fläche von sechs Hektar im Altenlingener Forst vor zehn Jahren, organisiert die BI jedes Jahr einen Waldspaziergang, um über den Zustand des Waldes zu informieren. Eine Aktion mit Kindern hatte es bislang noch nicht gegeben. Somit war es eine Premiere.  

„Wir wollen die Kinder an den Wald heranführen, damit sie erfahren, welche Schätze er enthält und wie wichtig er für uns ist“, erklärte Ingrid Wienberg-Schmolke gegenüber unserer Redaktion. Der Vorsitzende des Vereins, Rainer Schäfer, erzählte den Kindern kurz, warum es die Bürgerinitiative gibt. Der Wald sollte abgeholzt werden, um Industriegebäude zu bauen. Dagegen hätten sich die Menschen aus der Umgebung gewehrt, denn der Wald sei wichtig für die Erholung und sorge für gute Luft. „Leider ist es uns nicht gelungen, den Forst ganz zu erhalten, aber wir konnten verhindern, dass er komplett verschwindet.“ 

Dem Klimawandel entgegenwirken

Schäfer machte deutlich, dass Wälder sehr wichtig seien, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. „Wir regen uns über die brennenden Wälder im Amazonas auf, wissen aber nicht, dass auch in Deutschland viel Wald vernichtet wird“, sagte er und betonte: „Wir möchten, dass der Altenlingener Forst erhalten bleibt, damit ihr hier spielen könnt, aber auch eure Kinder und Enkelkinder.“

Dann übernahm Cornelia Köster das Kommando. Forschen Schrittes eilte sie mit den Kindern im Schlepptau den Waldweg entlang, doch wo fast jeder bei diesem Tempo nur darauf achtet, nicht zu stolpern, fielen der Waldpädagogin laufend Kleinigkeiten auf, die ein „normaler“ Waldspaziergänger übersieht. Ein Mistkäfer zum Beispiel, der gerade den Weg überquerte. Köster unterbrach für kurze Zeit dessen Wanderung, nahm ihn in die Hand und ließ die Kinder über den schillernden Panzer, die Fühler und die gezackten Beinchen staunen. Während einige den Käfer bereitwillig in die Hand nahmen und über den Arm kriechen ließen, reagierten sie mit entsetztem „Iiiii!“ auf eine Kreuzspinne, die Cornelia Köster aus einem Netz im Brombeerbusch herausholte. Da half auch die Erklärung nicht, dass die Spinne harmlos sei. 

Bei einer Brennnessel sollte man vorsichtiger sein. Auch da lohnte ein genauerer Blick. Die Waldpädagogin machte auf die Härchen aufmerksam, die bei Berührung das Brennen verursachen und fand gleich daneben ein Gegenmittel: den Breitwegerich. „Das ist das Pflaster im Wald“, sagte sie. Er heile Wunden und Entzündungen. Wanderer hätten früher die Blätter in die Schuhe gelegt, um Blasen zu verhindern.

Bei solch spannenden Entdeckungen, kleinen Spielen und einer Picknick-Pause vergingen zwei Stunden im Wald wie im Flug. Die Bürgerinitiative plant eine Wiederholung im nächsten Jahr. Die Begeisterung der Kinder und die Intensität der Wahrnehmung des Waldes sei deutlich geworden.  Der Waldspaziergang sei mit Sicherheit ein unvergessliches und nachhaltiges Erlebnis gewesen, war Ingrid Wienberg-Schmolke überzeugt. 


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