Landgericht hört die ersten Zeugen Emsland-Stärke-Prozess in Osnabrück wird brisant

Von Andre Berends

Fortgesetzt wurde vor dem Landgericht Osnabrück ein Prozess gegen zwei ehemalige Geschäftsführer der Emsland-Stärke. Foto: Ludger JungeblutFortgesetzt wurde vor dem Landgericht Osnabrück ein Prozess gegen zwei ehemalige Geschäftsführer der Emsland-Stärke. Foto: Ludger Jungeblut

Osnabrück. Der Prozess gegen zwei ehemalige Geschäftsführer der Emsland-Stärke in Emlichheim hat am Mittwoch an Fahrt aufgenommen. Am dritten Verhandlungstag hörte das Landgericht Osnabrück erstmals Zeugen.

Angeklagt sind neben den früheren Emsland-Stärke-Chefs Hubert E. und Michael S. auch zwei ehemalige Geschäftsführer eines Logistikdienstleisters aus Bremen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Quartett „Bestechung und Bestechlichkeit in einem besonders schweren Fall“ vor. Der Verdacht: E. und S. sollen dem Logistikdienstleister zwischen 2007 und 2014 die Abwicklung aller Transportaufträge der Emsland-Stärke zugesichert haben – unter der Bedingung, dass sie zur Hälfte an dem Unternehmen beteiligt werden. Auf diese Weise sollen sie jeweils 3,23 Millionen Euro beiseitegeschafft haben.

Die erste Zeugin war eine frühere Logistikleiterin der Emsland-Stärke. Die 46-Jährige bestätigte, dass es einen Vertrag über eine exklusive Kooperation zwischen der Emsland-Stärke und dem Logistikdienstleister gab. An der Ausarbeitung sei sie nicht beteiligt gewesen. Faktisch übernahm der Logister alle Kontakte zu den Speditionen. Die zwölf Mitarbeiter starke Logistikabteilung der Emsland-Stärke habe daraufhin etwa um die Hälfte verkleinert werden können.

Sie habe die Preise der Bremer gelegentlich zwar „quergecheckt“, aber für akzeptabel gehalten. „Ich hatte keinen Anlass, die Frachtkosten zu hinterfragen“, sagte sie. Dass die Bremer 2014 wegen zu hoher Berechnungen Geld nach Emlichheim zurücküberwiesen, bestätigte sie im Grundsatz. Laut Staatsanwaltschaft handelte es sich dabei um eine Summe von rund 1,5 Millionen Euro.

Mit einer Tabelle konfrontiert

In arge Not geriet die Zeugin, als Oberstaatsanwalt René van Münster sie mit einer Tabelle konfrontierte. Darauf vermerkt seien Zahlungen an die Emlichheimer Logistikleiterin. Sie soll zwischen 2007 und 2011 jährlich zwischen 5000 und 20000 Euro erhalten habe. Um sich nicht selbst zu belasten, werde sie dazu nichts sagen, erklärte die 46-Jährige.

Kein gutes Haar am Logistikdienstleister ließ ein weiterer Zeuge, ebenfalls ein früherer Mitarbeiter der Emsland-Stärke. Der heute 71-Jährige hatte bis zum Eintritt in den Ruhestand den Vertrieb nach Fernost verantwortet. Ihm sei bereits früh aufgefallen, dass die Frachtkosten der Bremer „ziemlich hoch“ gewesen seien. Außerdem sei der Service schlecht gewesen. „Das waren Amateure“, sagte er. Man habe ihnen zeigen müssen, wie sie „Spediteur spielen“. Er habe S. gleich nach Beginn der Kooperation darauf hingewiesen, der habe ihn jedoch abgebügelt. Als Beweis hatte der frühere Mitarbeiter eine E-Mail mitgebracht. 

Auf die Frage von Verteidiger Alfred Dierlamm, woher er diese Mail denn habe, antwortete der Mitarbeiter, dass der heutige Geschäftsführer der Emsland-Stärke, Gerrit-Jan Wesselink, sie ihm vor einigen Wochen gegeben habe. Außerdem habe er sich in den vergangenen Wochen mehrfach mit ihm getroffen. Dierlamm kündigte an, am nächsten Verhandlungstag eine Erklärung dazu abzugeben. Diese Form der Zeugenbeeinflussung sei ein ungeheuerlicher Vorgang.


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