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14.08.2019, 10:30 Uhr KOMENTAR

Bund und Länder müssen bei der Bildung mehr tun

Ein Kommentar von Thomas Pertz


Ein bleibendes Erlebnis für Kinder ist ihr erster Schultag. Foto: Philipp Schulze/dpaEin bleibendes Erlebnis für Kinder ist ihr erster Schultag. Foto: Philipp Schulze/dpa

Lingen. Gut so, dass sich Einrichtungen wie die Diakonie im Emsland oder private Initiativen engagieren, um auch Kindern aus sozial schwächeren Familien den Weg durchs Schulleben zu erleichtern. Dass der Staat bei dieser Kernaufgabe aber seiner Verantwortung nicht gerecht wird, bleibt beschämend.

Mit verniedlichenden Begriffen wie „Starke-Familien-Gesetz“ wird suggeriert, dass tatsächlich ein bedeutsamer Schritt hin zu mehr Chancengleichheit im Bildungssystem erreicht sei. Dafür reichen die Summen aber bei Weitem nicht aus, zumal in Familien häufig genug ja nicht nur für ein Kind die Finanzierung von Schulmaterialien und Büchern anfällt.

Und die Bundesländer, in deren Verantwortungsbereich die Bildung liegt? Sie haben bei der Lernmittelfreiheit einen Flickenteppich geschaffen. In dem einen Bundesland gibt es sie, in dem anderen ein wenig, im dritten gar nicht. Gleiche Bildungschancen für Kinder und Jugendliche, bei der Herkunft und Einkommen keine Rolle spielen dürfen? Fehlanzeige.

Die generelle Lernmittelfreiheit, wie es sie im finnischen Schulsystem bis zur neunten Klasse für sämtliche Lehr- und Aufgabenbücher einschließlich Hefte, Stifte und Radiergummis gilt, wäre ein echter Beitrag zur Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem. Und zur Entlastung einkommensschwächerer Familien, die sich dadurch auch nicht gleich wie Bittsteller vorkommen müssen.


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