Rückbau des Kernkraftwerkes RWE möchte in Lingen Gebäude für schwach- und mittelradioaktive Stoffe bauen

Von Thomas Pertz

Geht Ende 2022 vom Netz: Das Kernkraftwerk Emsland in Lingen. Foto: Van BevernGeht Ende 2022 vom Netz: Das Kernkraftwerk Emsland in Lingen. Foto: Van Bevern

Lingen. Die RWE als Betreiberin des Kernkraftwerkes Emsland in Lingen möchte auf dem Kraftwerksgelände vorübergehend schwach- und mittelradioaktive Stoffe einlagern. Hintergrund ist die geplante Stilllegung des Kraftwerkes 2022.

RWE habe beim Niedersächsischen Umweltministerium beantragt, in einem noch zu errichtenden „Technologie- und Logistikgebäude Emsland“ (TLE) mit schwach- und mittelradioaktiven Stoffen umgehen zu dürfen, heißt es in einer Mitteilung des Energiekonzerns. Einen Antrag zur Stillegung und zum Rückbau der Anlage hatte RWE bereits im Jahr 2016 gestellt. 

Wie das Unternehmen weiter mitteilte, ist nun gemäß Paragraf 12 des Strahlenschutzgesetzes ein Antrag erfolgt, in einem künftigen „Technologie- und Logistikgebäudes Emsland“ (TLE) mit schwach- und mittelradioaktiven Stoffen umgehen zu dürfen, da der Abbau der Kernkraftwerksanlagen in Lingen zusätzliche Logistik- und Behandlungsflächen erfordere. Ein entsprechender Bauantrag wird bei der Stadt Lingen eingereicht, wenn RWE die noch ausstehende Investitionsentscheidung getroffen hat, hieß es weiter.

„Mit dem TLE schaffen wir die notwendige Infrastruktur für den Abbau“, erläuterte Wolfgang Kahlert, Leiter des Kernkraftwerks Emsland. „Damit übernehmen wir Verantwortung für den sicheren und zügigen Rückbau der Lingener Anlagen", so Kahlert. Im TLE sollen künftig schwach- und mittelradioaktive Abfälle angeliefert, sortiert, für den Transport vorbereitet und zeitlich begrenzt bis zur Übergabe an den Bund bereitgestellt werden. Der Bund hat für diese Abfälle das Endlager Schacht Konrad in Salzgitter vorgesehen, das ab 2027 den Betrieb aufnehmen soll. 

Das Genehmigungsverfahren für das TLE läuft parallel zum bereits eröffneten Verfahren zur Stilllegung und zum Abbau des Kernkraftwerkes Emsland. „Dabei wird im Zuge der Öffentlichkeitsbeteiligung und Umweltverträglichkeitsprüfung allen Beteiligen die Möglichkeit eingeräumt, unsere Pläne für den Rückbau sowie für das TLE selbst einzusehen und zu bewerten“, so Kahlert.

Bis Ende 2037 soll das KKE nach seinen Angaben zurückgebaut und aus den Bestimmungen des Atomgesetzes herausgefallen sein. So hatte sich Kahlert im November 2018 in einer Sitzung des Lingener Umweltausschusses im November 2018 geäußert. "Ein sicherer Rückbau geht nur mit einem guten Konzept", erklärte Kahlert seinerzeit. An dessen Entwicklung arbeite ein Projektteam bereits seit längerer Zeit. "Wir wollen den Rückbauprozess nach industriellen Produktionsstandards gestalten", sagte der Kraftwerksleiter. Direkt 2023 solle der Rückbau beginnen. 

In der Sitzung des Umweltausschusses hatte Kahlert auch ein Problem angesprochen, das mit dem aktuellen Bauantrag in Verbindung steht: Die Inbetriebnahme des Schachtes Konrad, der als Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle vorgesehen ist, ist erst für 2027 vorgesehen. "Damit steht er als vorgesehenes Entsorgungsziel für die radioaktiven Abfälle aus dem Rückbau des KKE entgegen bisheriger Planungen nicht zeitgerecht zur Verfügung", sagte Kahlert vor den Ausschussmitgliedern. Dies mache beim KKE zusätzliche Puffer- und Lagerkapazitäten für die Abfalllogistik erforderlich.


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