Abschied von der Gründerin Archiv der Theaterpädagogik verabschiedet Marianne Streisand

Marianne Streisand im Archiv der Theaterpädagogik. Foto: Caroline TheilingMarianne Streisand im Archiv der Theaterpädagogik. Foto: Caroline Theiling

Lingen. Das Deutsche Archiv für Theaterpädagogik (DATP) ist 2007 in Lingen durch Prof. Dr. Marianne Streisand gegründet worden. Über die einzigartige Einrichtung in Deutschland berichtet die Professorin, die am 1. September in den Ruhestand gehen wird, in einem Gespräch mit der Redaktion.

"Ein Archiv ist notwendig, wenn man nicht die eigenen Wurzeln vernichten will", ist die Theaterpädagogin überzeugt, vor zwölf Jahren eine richtige und wichtige Entscheidung getroffen zu haben. "Sonst wären bereits jetzt schon wichtige Dokumente verschwunden und es gibt Dinge von kulturellem Wert, die es lohnt, aufbewahrt zu werden", sagt sie und verweist auf den noch recht jungen Studiengang Theaterpädagogik, der an der Hochschule Osnabrück am   Campus Lingen erst 1998 eingeführt wurde. "Denn die erste Generation der Theaterpädagogen ist schon nicht mehr im Amt." 

So befinden sich im Keller und weiteren Räumen des Burgtheaters an der Baccumer Straße 3 mehr als 250 Regalmeter mit Sammlungen, Dokumenten und weiteren Materialien aus der noch relativ jungen Geschichte der Theaterpädagogik. "Der Archivbestand des DATP umfasst zurzeit 26 Sammlungen. Weitere wurden bereits zugesagt und werden demnächst ins Archiv aufgenommen", blickt der wissenschaftliche Mitarbeiter Bernd Oevermann optimistisch in die Zukunft der Einrichtung. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt in der Geschichte der Theaterpädagogik in den deutschsprachigen Ländern von 1945 bis zur Gegenwart.

Im Vergleich mit Museen oder anderen Archiven, die in der Regel mit dem Nachlass von Personen arbeiten, gibt es beim DATP die sogenannten Vorlassgeber. Das heißt, das Archiv erhält Dokumente oder andere lohnenswerte Stücke von noch lebenden Personen. So hätten die Nutzer des Archivs, vorrangig Studierende und Wissenschaftler, den Vorteil mit diesen ins Gespräch zu kommen. Dafür werden unter anderem Erzählcafés angeboten. Doch in erster Linie wird das Archiv vor allem für zahlreiche Bachelor-Arbeiten und Dissertationen genutzt. 

Bislang ist dieses Archiv eher bei Insidern bekannt, von denen es auch regelmäßig genutzt wird. Selbst eingefleischte Lingener haben vom Archiv für Theaterpädagogik mit Sitz in Lingen noch nicht gehört.  Doch "offen steht es für alle Besucher, jeder darf kommen", betonen Streisand und Oevermann. Persönliches Erscheinen ist allerdings die Ausnahme. Die wenigen Interessenten legen jedoch weite Wege zurück, um sich vor Ort fortzubilden. Sie kommen zuweilen aus Städten wie Leipzig, Köln, Berlin,  Wien, Linz oder sogar Madison/ Wisconsin. Noch größer ist die Nachfrage auf der Internetseite. Sie konnte im vergangenen Jahr 97.000 Klicks verzeichnen. Daher ist man auch bemüht, die Digitalisierung des Archivs voranzubringen. Allerdings lassen sich nicht alle Materialien digital erfassen, sodass sich die Regale im Keller wohl noch weiter füllen werden. 

Prof. Dr. Marianne Streisand ist seit 2003 an der Hochschule in Lingen. Zum 1. September 2019 geht sie in den Ruhestand und beschäftigt sich derzeit intensiv mit der Frage ihrer Nachfolge. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, dass meine Nachfolgerin oder mein Nachfolger die Bedeutung dieses einzigartigen Archivs bewahrt, das DATP mit viel Engagement weiterführt und stetig weiterentwickelt.“







Deutsches Archiv für Theaterpädagogik

Das Deutsche Archiv für Theaterpädagogik (DATP) dient der Information, der Dokumentation und der Forschung zu Geschichte und Gegenwart der Theaterpädagogik. Es sichert als archivwürdig bewertete Dokumente aus der jüngeren und älteren Geschichte des Fachs als Schriftgut, Ton-, Bild- und Filmdokument sowie elektronisch gespeicherte Information und stellt sie für Forschung, Lehre, künstlerische Praxis und Öffentlichkeitsarbeit bereit. Das DATP sammelt Fundstücke von verschiedenen geografischen und historischen Fundorten. Schwerpunkt der Sammlungen bildet dabei die Geschichte der Theaterpädagogik in den deutschsprachigen Ländern von 1945 bis in die Gegenwart. Das DATP wurde 2007 gegründet. Als erstes seiner Art in Europa hat es sich zum Ziel gesetzt, ein international geachtetes und genutztes Forschungs- und Dokumentationszentrum zu werden. pm


Viele Regalmeter an Sammlungen haben Marianne Streisand und Bernd Oevermann für das Deutsche Archiv der Theaterpädagogik in Lingen zusammengetragen. Foto: Caroline Theiling



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