Halle I/II: gestern - heute -morgen Studierende beschäftigen sich mit Geschichte und Geschichten des Campus Lingen

Auf dem Campus Lingen erinnert am Ausgang zum Bahnhof hin dieses Schild daran, dass es sich bei dem Gebäude um die Halle 1 des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerks handelt. Foto: Wilfried RoggendorfAuf dem Campus Lingen erinnert am Ausgang zum Bahnhof hin dieses Schild daran, dass es sich bei dem Gebäude um die Halle 1 des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerks handelt. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. 1856 wurde das Eisenbahnausbesserungswerk in Lingen, in dessen ehemaligen Hallen heute der Campus Lingen untergebracht ist gegründet. Ist den rund 2400 Studierenden dort heute wirklich bewusst, in welch geschichtsträchtigem Gebäude sie sich befinden? "Nein, permanent nicht", meint Katharina Kolar, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Burgtheater des Instituts für Theaterpädagogik. Und das möchte sie interdisziplinär ändern.

"Mit angehenden Theaterpädagogen und Kommunikationsmanagern möchten wir in einer Blockwoche im Oktober die Geschichte der Hallen I/II des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerks näher betrachten", sagt Kolar. Es gehe um die Verbindung von Mensch und Technik. "Diese Verbindung macht doch aktuell den Campus Lingen aus", erklärt die Theaterpädagogin.

Materiallage prüfen

Von 2007 bis 2010 hat Kolar selbst in Lingen Theaterpädagogik studiert. Sie kennt die Hallen, in denen sich der Campus heute befindet, noch als Ruinen. Mit welchen Themen genau sich die Studierenden in der Blockwoche beschäftigen werden, ist noch offen. "Dies werden wir von der Materiallage abhängig machen", sagt Kolar, die die Lehrveranstaltung mit einer interdisziplinären Arbeitsgruppe vorbereitet. Derzeit prüfe ihr Kollege Bernd Oevermann, welche Materialien zum Thema im Lingener Stadtarchiv vorhanden seien.

Kritischer Blick auf die Geschichte

Kolar weiß um die Bedeutung der 1919 im Eisenbahnausbesserungswerk Beschäftigten für die Lingener Arbeiter- und Soldatenräte, die lokal eine Rolle bei der Gründung der Weimarer Republik gespielt haben. Und ihr ist bekannt, dass unter dem Naziregime Zwangsarbeiter aus der Ukraine dort arbeiten mussten. "Es ist die Kompetenz von uns Theaterpädagogen, einen kritischen Blick auf die Geschichte zu werfen", sagt Kolar. In den Hallen des Campus schlummerten Themen, die auch heute für die Gesellschaft aktuell und, entsprechend aufgearbeitet, von Nutzen seien.

Auseinandersetzung mit dem Ort initiieren

Was die Theaterpädagogin nicht möchte, ist eine "Werbeshow" für den Campus Lingen. "Wir wollen eine Auseinandersetzung mit dem Ort initiieren, an dem sich die Studierenden und natürlich auch die Mitarbeiter des Campus Lingen sehr viel aufhalten", sagt Kolar. Dazu werde die Arbeitsgruppe den Studierenden, rund 40 können aus den Studiengängen Theaterpädagogik und Kommunikationsmanagement in gemischten Gruppen an der Veranstaltung teilnehmen, Ideen für Themen und deren Präsentation an die Hand geben. Die Ergebnisse sollen dann zum Ende der Blockwoche zunächst intern präsentiert werden.

Öffentliche Präsentation als Ziel

Langfristig hat Kolar, die derzeit an ihrer Doktorarbeit schreibt, jedoch ein anderes Ziel: "Eine ständige öffentliche Präsentation nicht nur für die Studierenden sondern für alle." Dabei könne auch durchaus die architektonische Entwicklung der Halle eine Rolle spielen: vom Eisenbahnausbesserungswerk zu einer Ruine, zum Campus, und zu allem, was sich dort noch entwickeln könnte. 


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