Mit vier Projekten gestartet Energieregion Emsland setzt auf grünen Wasserstoff

Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung kamen in Lingen zusammen, um den aktuellen Stand der Entwicklung zur „H2-Region Emsland“ zum Thema zu machen. Foto: Stadt LingenVertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung kamen in Lingen zusammen, um den aktuellen Stand der Entwicklung zur „H2-Region Emsland“ zum Thema zu machen. Foto: Stadt Lingen

Lingen . Das Emsland setzt auf die industrielle Nutzung von „grünem“ Wasserstoff (H2) und sieht hierzu die regionale Energie-Infrastruktur als hervorragend geeignete Ausgangsbasis, um „H2-Region Emsland“ zu werden.

Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung kamen einer Mitteilung zufolge  in Lingen zusammen, um den aktuellen Stand der Entwicklungen vorzustellen. Die beteiligten Unternehmen starten mit vier Projekten in der „H2-Region Emsland“ und nehmen am Ideenwettbewerb des Bundeswirtschaftsministeriums „Reallabore der Energiewende“ teil“. Die TU Clausthal begleitet den Prozess wissenschaftlich.

Im Gespräch mit den Unternehmen hob Landrat Reinhard Winter die Vorzüge der Energieregion Emsland für das Thema Wasserstoff hervor: „Wir sind der Energie-Tradition schon seit jeher verpflichtet“, betonte Winter und erinnerte an die Ansiedlung der ersten Raffinerie in Salzbergen im Jahr 1860. „Darüber hinaus verfügen wir heute bereits über die notwendigen Strom- und Gasnetze, Gasspeicher, Gaskraftwerke und Raffinerien als große Wasserstoff-Anwender, sodass optimale Voraussetzungen zum Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur gegeben sind“, ergänzte Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone. 

Bei den Projekten „Get H²“, „Hybridge“, „Sektorenkopplung“ und „Green Refinery“ soll es beispielsweise um den Einsatz von grünem Wasserstoff in den Sektoren Industrie, Verkehr, Wärme und zur CO²-freien Stromerzeugung gehen. Schwerpunkte stellen dabei die Abstimmung der verschiedenen Strom- und Gassysteme sowie die Integration in die bestehenden Prozessketten sowie der Einsatz in einer Erdölraffinerie dar.

Ende 2022 geht das Kernkraftwerk vom Netz

Dass das Kernkraftwerk Lingen im Jahr 2022 vom Netz geht, ist ein deutlicher Einschnitt für die Region. Es motiviere aber umso mehr in dem Bestreben, den Wandel aktiv zu gestalten und einen Beitrag zur erfolgreichen Energiewende zu leisten, heißt es in der Mitteilung weiter. Wasserstoff sei ein wichtiger Zukunftsbaustein in der Energiewirtschaft von Morgen und werde eine Schlüsselrolle bei der erfolgreichen Umsetzung der Energiewende einnehmen. Hierüber waren sich alle anwesenden Akteure aus der Region einig.

Die energieintensiven Betriebe in der Region haben nach Angaben der Projektbeteiligten langfristig die Chance, ihre CO2-Emissionen durch den Einsatz von grünem Wasserstoff zu minimieren und ihre Klimabilanz deutlich zu verbessern. „Unser Energiestandort in Lingen ist absolut dafür geeignet, Projekte für eine innovative Energiezukunft zu entwickeln, zu erproben, zu analysieren und mit Hilfe der Wissenschaft in Bereich von Forschung und Entwicklung voranzutreiben“, hob Krone das Entwicklungspotenzial der Region hervor. 


Wie geht es weiter?

Erster Schritt war die Entwicklung einer gemeinsamen Vision aller Akteure zur H2-Region Emsland. Das Emsland verstehe sich dabei als Initiator und Keimzelle mit Strahlkraft in die Ems Achse, in die benachbarten Niederlande und weitere Regionen in Deutschland. „Wir versuchen als H2-Region Emsland die unterschiedlichen Akteure über unsere Netzwerke auf Augenhöhe zusammen zu bringen, um verschiedene Wasserstofflösungen auf regionaler Ebene zu entwickeln und zusätzliche Synergien entstehen zu lassen, damit der industrielle Wandel beschleunigt wird“, führte Winter aus. „Die einzelnen Startprojekte der Unternehmen ergeben im Zusammenhang den größten Mehrwert und bilden in einer ganzheitlichen Betrachtung die H2-Region Emsland unter einem Schirm“, betonte Krone.

Zur Stärkung der Außendarstellung und ganzheitlichen Wahrnehmung wurde ein eigenes Logo für die H2-Region Emsland entwickelt, um zukünftig den Wiedererkennungswert und die Bekanntheit der H2-Region Emsland über die Grenzen des Landkreises hinaus zu steigern.

Das Thema „grüner Wasserstoff“ als Schlüssel für die Energiewende soll ausgehend von der H2-Region Emsland in die Bundes- und Landespolitik getragen werden, um Handlungsbedarfe aufzuzeigen und konkrete Vorschläge zur Beschleunigung der Umsetzung darzustellen.

Die Projekte

Projekt „Get H²“

RWE und sieben weitere Partner planen, im Emsland grünen Wasserstoff im industriellen Maßstab zu erzeugen und in den Sektoren Industrie, Verkehr, Wärme und CO²-freien Stromerzeugung unter Nutzung vorhandener Infrastruktur einzusetzen. Ziel ist eine bundesweite H²-Infrastruktur. www.get-h2.de

Projekt „Hybridge“

Amprion und Open Grid Europe wollen die Sektorenkopplung auf Systemebene vorantreiben, um das Strom- und Gassystem optimal aufeinander abzustimmen. Mit einer Power-to-gas-Anlage lassen sich so Engpässe im Übertragungsnetz reduzieren oder vermeide. „hybridge“ ist der erste Schritt in diese Richtung und gleichzeitig der Einstieg in die überregionale Wasserstoffwirtschaft. Mit einem Elektrolyseur im Raum Lingen sollen ab 2023 bis zu 100 MW elektrische Leistung in H² umgewandelt werden. Ziel ist, alle künftigen Verwendungsarten von H² zu erproben: Transport von reinen H² in bestehenden Gasnetzen, Zumischung von H² in Erdgasnetzen und Methanisierung, Anschluss von Unternehmen mit Wasserstoffbedarf an eine H²-Infrastruktur, etc. Mehr dazu unter www.hybridge.net

Projekt „Sektorenkopplung“

Die H&R Chemisch Pharmazeutische Spezialitäten GmbH plant die Integration Erneuerbarer Energien in die bestehende Prozesskette durch Herstellen einer Infrastruktur zur Übernahme und Pufferung von grünem Wasserstoff. Darüber hinaus ist die Errichtung eines Prototypen für die Abscheidung von grünen CO² geplant, das dann über eine Verflüssigungs- und Verladeanlage als Plattformchemikalie anderen Wirtschaftszweigen zugänglich gemacht werden soll.

Projekt „Green Refinery“

Die BP zeigt am Standort Lingen, dass der Einsatz erneuerbarer Komponenten in einer Erdölraffinerie möglich ist. Grüner Wasserstoff spielt dabei eine zentrale Rolle. So kann dieser beispielsweise stofflich für die Erzeugung synthetischer Kraftstoffe und chemischer Grundprodukte genutzt werden, um eine ganzheitliche Sektorkopplung zu demonstrieren.

 TU Clausthal – Wissenschaftliche Begleitforschung

Die TU Clausthal möchte mit ihrem Teilantrag die wissenschaftliche Begleitforschung in dem Projekt h²-Region-Emsland etablieren. Die angestrebten Lösungen zur Systemintegration der Teilsysteme eines Reallabors zur Sektorkopplung (power to X) sollen wissenschaftlich abgeleitet und transdisziplinär vertieft werden, um die gewonnenen F+E Ergebnisse für einen effizienten und flexiblen Betrieb des Gesamtsystems zu nutzen und weitergehenden Teilprojekte in Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Politik zu entwickeln.

Weitere Details zu den Startprojekten und zur wissenschaftlichen Begleitforschung: www.h2-region-emsland.de


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