Revision beendet Kernkraftwerk Emsland in Lingen wieder am Netz

Der Austausch eines Generators im Rahmen der Revisionsarbeiten der RWE war mit großem Aufwand verbunden. Foto: RWEDer Austausch eines Generators im Rahmen der Revisionsarbeiten der RWE war mit großem Aufwand verbunden. Foto: RWE

Lingen. Das Kernkraftwerk Emsland in Lingen ist seit Mittwoch wieder am Netz. Später als geplant. Die Gründe erläuterte Kraftwerksleiter Wolfgang Kahlert am Donnerstag im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die reinen Zahlen: Der Reakor wurde mit 40 neuen Brennelementen beladen, es gab 5500 Arbeitsaufträge, 890 Prüfungen und keine Arbeitsunfälle. Kahlert sprach in diesem Zusammenhang von einer "Sicherheitskultur", die nicht nur für die Anlage gelte, sondern für jeden, der dort beschäftigt ist. Diese werde im Übrigen ständig weiterentwickelt. Der Kraftwerkchef unterstrich ausdrücklich, dass das Thema Sicherheit bis zum letzten Betriebstag des Reaktors Ende 2022 ganz oben bleibt. Da gebe es überhaupt keinen Ermessensspielraum. "So etwas kennt das Regelwerk nicht", betonte Kahlert. Nur die Vorgabe des sicheren Betriebs der Anlage.  "Das liegt auch in unserem eigenen wirtschaftlichen Interesse", ergänzte Olaf Winter von der Pressestelle der RWE. Alles, was passiere, ziehe auch Kosten nach sich.

"Passiert" ist im Rahmen der Revision der unvorhergesehene Austausch eines Generators, der im nicht-nuklearen Teil der Anlage steht. "Das war ein überraschender Befund gleich zu Beginn der Revision", sagte Kahlert. Der Austausch des 400 Tonnen schweren Generatorständers ist nach seinen Worten trotz der Komplexität der Aufgabe zügig realisiert worden. Eine Verlängerung der Revision um rund zwei Wochen sei gleichwohl unvermeidlich gewesen.

Der Kraftwerksleiter beschrieb das von behördlicher Seite festgelegte umfangreiche Prüfprogramm während der Revisionsphase. In diesem Rahmen wurden auch drei meldepflichtige Befunde festgestellt, darunter zwei entdeckte "Wanddickenschwächungen" an zwei  Heizrohren in einem von vier Dampferzeugern. Mehrere Anti-Anti-Atominitiativen hatten deshalb vor dem Hochfahren des Kraftwerks die Überprüfung aller Rohre gefordert und Mittwochabend eine Protestkundgebung vor dem Werkstor durchgeführt.

Kahlert verwies darauf, "dass diese Thematik erkannt ist", neben den Ministerien unter anderem auch von der Reaktorsicherheitskommission. "Die Rohre, die betroffen sein könnten, sind zu 100 Prozent geprüft worden, undvzwar an allen vier Dampferzeugern", sagte der Kraftwerksleiter. Darüber hinaus seien weitere Rohre stichprobenartig überprüft worden. Die Befunde wurden gemäß den deutschen Meldekriterien in die Kategorie N (Normal) eingestuft wurden. Nach der internationalen Skala zur Bewertung von Vorkommnissen (INES) sind sie der Stufe 0 (unterhalb der Skala = keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung) zuzuordnen.

Weiteres Thema war die anhaltende Trockenheit. Die hohen Temperaturen und der Wasserstand der Ems, die für das Kernkraftwerk Emsland zur Aufrechterhaltung des Kühlwasserkreislaufs benötigt wird, beeinflussen nicht den Betrieb des Reaktors. Da der Emspegel allerdings gefallen ist, wird den Angaben von Kahlert zufolge Wasser aus dem Speicherbecken Geeste entnommen. „Es ist aber gut gefüllt“, sagte der Kraftwerksleiter.

Ob dies so bleibt, werden die nächsten Wochen zeigen. Das Becken hat ein Fassungsvermögen von 18 Millionen Kubikmetern. Im Dürresommer 2018 war der Pegelstand des Speicherbeckens deutlich gesunken, zeitweise fehlten neun Millionen Kubikmeter Wasser.

Die Ems selbst erfüllt keine unmittelbare Kühlfunktion für das Kernkraftwerk. Das KKE verfügt über einen Kühlwasserkreislauf. Die Kühlung dieses Kreislaufes erfolgt mithilfe des Kühlturms. Dennoch ist die Ems wichtig für die Aufrechterhaltung des Kühlwasserkreislaufbetriebs, da dem Fluss Ergänzungswasser für diesen entnommen wird. Ergänzt wird die Wassermenge, die unter anderem kontinuierlich als Kühlturmfahne an die Atmosphäre abgegeben wird.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN