Proteste am Kernkraftwerk Emsland Atomkraftgegner fordern in Lingen nach Rissen weitere Untersuchungen

Bei der Revision 2019 sind bei zwei Heizrohren in einem der vier Dampferzeuger des Kernkraftwerks Emsland (KKE) Emsland reduzierte Wanddicken festgestellt worden. Die niedersächsische Atomaufsicht  spricht dabei "möglicherweise von Rissbildungen infolge von Spannungsrisskorrosion." Anti-Atom-Initiativen fordern vor dem Wiederhochfahren des Reaktors die Überprüfung aller Heizrohre. Foto: Carsten van BevernBei der Revision 2019 sind bei zwei Heizrohren in einem der vier Dampferzeuger des Kernkraftwerks Emsland (KKE) Emsland reduzierte Wanddicken festgestellt worden. Die niedersächsische Atomaufsicht spricht dabei "möglicherweise von Rissbildungen infolge von Spannungsrisskorrosion." Anti-Atom-Initiativen fordern vor dem Wiederhochfahren des Reaktors die Überprüfung aller Heizrohre. Foto: Carsten van Bevern

Lingen. Bei der laufenden Revision sind im Kernkraftwerk Emsland in Lingen bei zwei Heizrohren sogenannte Wanddickenschwächungen entdeckt worden. Mehrere Anti-Atom-Initiativen fordern daher vor dem Hochfahren des Kraftwerks die Überprüfung aller Rohre und rufen am 26. Juni zu einer Protestkundgebung vor dem Werkstor auf.

Bei der Revision waren im Kernkraftwerk Emsland bei zwei von knapp 16.500 Heizrohren in einem der vier Dampferzeuger sogenannte Wanddickenschwächungen um 47 beziehungsweise 58 Prozent entdeckt worden. Das niedersächsische Umweltministerium als zuständige Aufsichtsbehörde geht in einem der Redaktion vorliegenden Schreiben "möglicherweise von Rissbildungen infolge von Spannungsrisskorrosion durch Schadstoffe" aus. Laut einer Sprecherin des Kernkraftwerkes Emsland sind die betroffenen Rohre vorsorglich verschlossen worden: "Auswirkungen auf die Funktion der Dampferzeuger und damit die Funktionalität der Anlage gibt es keine." Laut der deutschen Meldekriterien sind die Vorkommnisse in die Kategorie N (Normal) eingestuft worden.

Kundgebung am 26. Juni

Aufgrund dieser Erkenntnisse planen lokale Initiativen wie das "Bündnis Agiel – Atomkraftgegnerinnen im Emsland", der "Elternverein Restrisiko Emsland" und der "Arbeitskreis Umwelt Schüttorf" gemeinsam mit der bundesweiten Anti-Atom-Organisation "ausgestrahlt" am Mittwoch, 26. Juni, von 17 bis 19 Uhr vor dem Haupttor des Kraftwerks eine gemeinsame Protestaktion.

Laut einer gemeinsamen Pressemitteilung soll dabei unter dem Motto „Ein Riss kommt selten allein“ der Druck auf die niedersächsische Atomaufsicht und RWE erhöht werden, damit das Kraftwerk am Donnerstagabend nicht wieder hochgefahren wird. "Denn es wurden nur 40 Prozent des Rohrleitungssystems der Dampferzeuger überprüft. Das ist zwar mehr als üblich, schließt aber weitere Korrosionsschäden nicht aus," erklärte Alexander Vent von der Gruppe Agiel in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Dies habe sich 2017 im baugleichen AKW Neckarwestheim 2 gezeigt – dies sei nach ersten Funden ohne vollständige Kontrolle aller Rohre wieder ans Netz gegangen und ein Jahr später seien dort deutlich mehr Korrosionsschäden mit bis zu 90-prozentiger Schwächung der Rohre gefunden worden.

Zweiter Protest am 28. Juni

Schon länger angemeldet ist eine Protestaktion nur zwei Tage später am Freitag, 28. Juni. Dazu erklärte Femke Gödeker von Agiel : "Schon seit einiger Zeit versucht RWE, das Kraftwerk in Lingen als Klimaretter positiv zu vermarkten und verschweigt dabei den massiven Energieaufwand und somit CO2-Ausstoß für die Gewinnung und Anreicherung von Uran als Betriebsstoff." So gingen Berechnungen bei derzeitigen Uranerzen von 65 bis 146 Gramm CO2 pro Kilowattstunde  aus. Dies nimmt die örtliche Anti-Atomkraft-Gruppe gemeinsam mit befreundeten Initiativen und Klimaschützern zum Anlass, am Freitag ebenfalls von 17 bis 19 Uhr vor dem Haupttor des Kernkraftwerkes Emsland eine zweite Protestkundgebung durchzuführen. 


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