"Die Stimme des Volkes" Lokaljournalismus in der Ukraine und Deutschland - Ein Vergleich

"Niemand verbietet uns den Mund und wir haben keine Angst, kritisch zu berichten, sagt die Chefredakteurin der "Stimme des Volkes" aus Lanwozy. Juni 2019. Foto: Wilfried Roggendorf"Niemand verbietet uns den Mund und wir haben keine Angst, kritisch zu berichten, sagt die Chefredakteurin der "Stimme des Volkes" aus Lanwozy. Juni 2019. Foto: Wilfried Roggendorf

Lanowzy. "Stimme des Volkes" heißt die in der ukrainischen Gemeinde Lanowzy erscheinende Lokalzeitung. Im Vergleich zur Lingener Tagespost gibt es ebenso viele Unterschiede wie Gemeinsamkeiten, wie im Gespräch mit Chefredakteurin Natalia Hamera klar wird.

Ratssitzungen, Berichte über Menschen vor Ort, über soziale und politische lokale Probleme oder solche, die einzelne Bürger mit staatlichen Einrichtungen haben. Dazu Lokalsport, Kultur und gesellschaftliche Themen aus dem Verbreitungsgebiet: In ihren Themen unterscheidet sich die "Stimme des Volkes" nicht vom Lokalteil der Lingener Tagespost. Und doch gibt es Unterschiede: Die "Stimme des Volkes" erscheint nur einmal wöchentlich mit einer Auflage von 1600 Exemplaren. Einer Auflage, die laut Hamera seit Jahren stabil bleibt, während die Lingener Tagespost, wie alle deutschen Tageszeitungen, mit sinkenden Auflagezahlen zu kämpfen hat. Online gibt es die "Stimme des Volkes" (noch) nicht zu lesen. "Wir arbeiten an einem solchen Angebot", sagt die Chefredakteurin. Ein weiterer Unterschied: Es gibt keinen überregionalen Mantelteil. Im Gegensatz zur Lingener Tagespost berichtet die acht Seiten starke "Stimme des Volkes" nur über lokale Themen. 


Im Oktober soll eine Sonderausgabe erscheinen. Dann feiert die Zeitung ihr 75-jähriges Bestehen. Meinungs- und Pressefreiheit ist laut der 45-jährigen Chefin der "Stimme des Volkes" heute gewährleistet. "Niemand verbietet uns den Mund und wir haben keine Angst, kritisch zu schreiben", versichert Hamera. Die Lokalzeitung habe auch schon kritisch über staatliche Einrichtungen geschrieben. "Ein Schulleiter hat nach unserer Berichterstattung wegen der Beschwerden vieler Eltern seinen Posten verloren", nennt die ukrainische Kollegin ein Beispiel. Neben Hamera arbeiten noch zwei Journalisten, eine Buchhalterin und zwei Layouterinnen für die Lokalzeitung aus Lanowzy.

Am 14. Dezember 2018 hat die "Stimme des Volkes" im ukrainischen Lanowzy auch über den Lingener Hinrikus Ude berichtet, der für die jahrelange Organisation der Ukrainehilfe das Bundesverdienstkreuz bekam. Foto: Wilfried Roggendorf

Auch aus Lingen hat die "Stimme des Volkes" schon berichtet. Am 14. Dezember 2018 erschien ein Beitrag über die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Hinrikus Ude, der die Ukrainehilfe seit vielen Jahren organisiert. Eingereicht hatte den Bericht Dolmetscherin Anja Usik. "Natalia hat soviel gekürzt", klagt Usik. Auch dies ist eine Gemeinsamkeit der beiden doch so unterschiedlichen Lokalredaktionen: Eingereichte Berichte sind oft zu lang, um in die Zeitung zu passen, und müssen gekürzt werden.  


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN