Vier Tage Theater- und Musikfestival Lingener Theaterpädagogen zeigen beeindruckende Vielfalt

Beim Audiowalk geht es darum, die Innenstadt neu wahrzunehmen. Foto: Elisabeth TonderaBeim Audiowalk geht es darum, die Innenstadt neu wahrzunehmen. Foto: Elisabeth Tondera

Lingen. "Freie Schichten“ das waren vier Tage Theater, Musik, Performance, Staunen, Gespräche und mehr. Zum fünften Mal hatte das Institut für Theaterpädagogik der Hochschule Osnabrück am Campus Lingen ein Theater- und Musikfestival im Burgtheater organisiert, und erstmalig fand es an vier Tagen statt.

 „Diesmal können wir es wahrhaftig als ein Theater- und Musikfestival bezeichnen, denn zum ersten Mal haben wir an allen Festivaltagen ein Konzert im Programm“, sagte David Gruschka vom Organisationsteam. Die Vielfalt der Darbietungen und der Genres war beeindruckend, vom Singer/Songwriter bis zur großen Bigband, vom Jazz bis Pop und Rock.

Sehr vielfältig und auf hohem Darbietungsniveau waren auch die theatralen Beiträge. Das Programm enthielt klassisches und experimentelles Schauspiel, biografisches Theater, Improvisationstheater und performative Projekte. Zum Beispiel „Die Physiker“ nach Friedrich Dürrenmatts schwarzer Komödie mit Studierenden verschiedener Studiengänge vom Campus Lingen. Mike Brendt hat diese philosophisch-physikalische Farce als irrwitziges Spiel inszeniert, das den ganzen Raum und die Zuschauer, die mittendrin sitzen, mit einbezieht. Alles ist relativ, die Gedanken, das Spiel, die Menschen, und am Ende weiß niemand mehr, wer welche Rolle spielt, wer verrückt ist und wer nicht.

Spiel mitten im Publikum: „Die Physiker“ nach Friedrich Dürrenmatt. Foto: Elisabeth Tondera


Um Irrungen und Wirrungen geht es auch in der Zwei-Personen-Performance „Fuck II“. Da reden zwei junge Menschen sehr unverblümt über Sex, geben sich cool und abgeklärt und behaupten, sich stets unter Kontrolle zu haben. Doch in Wirklichkeit sind es verletzliche, einsame Geschöpfe, die verzweifelt nach Nähe und Geborgenheit suchen.

Einsame Menschen auf verzweifelter Suche nach Nähe: „Fuck II“. Foto: Elisabeth Tondera


Theaterpädagogen suchen immer nach neuen Wegen, um die Öffentlichkeit zu erreichen. Sie bleiben nicht hinter den Mauern ihres Instituts, sondern machen sich auf den Weg und experimentieren mit neuen theatralen Formen. „Neue Wege“ nennen sie folgerichtig den Audiowalk durch die Innenstadt. Die Teilnehmenden bekommen Anweisungen über eine Audiodatei auf ihrem Handy und erleben bekannte Orte ganz neu. Wer hat gewusst, wie viele Läden es in der Lookentorpassage gibt und wie viele davon Mode verkaufen? Wer hat sich die Schaufensterpuppen genau angeschaut und deren Pose angenommen? Wer ist schon mal die Rolltreppe rückwärts hinunter- und wieder hinaufgefahren? Wie oft lächelt man fremde Passanten bewusst an?

Theaterpädagogen suchen Öffentlichkeit

Mit solchen Ausdrucksformen, mit der Einbeziehung Studierender anderer Studiengänge, der Zusammenarbeit mit dem Institut für Musik in Osnabrück und freien Theatergruppen öffnet sich das Burgtheater nach außen. Das Festival ist eine Präsentationsplattform für Studierende verschiedener Studiengänge und bietet der Öffentlichkeit die Möglichkeit, die Vielfalt der theaterpädagogischen Arbeit kennenzulernen. 

David Gruschka ist mit dem Verlauf des Festivals grundsätzlich zufrieden. „Wir sind breit aufgestellt, das Interesse am Campus ist recht groß“, sagt er. Allerdings könnte die Beteiligung der Öffentlichkeit größer sein. Da der Turnus des Festivals künftig von zwei- auf einmal jährlich umgestellt wird, könne es intensiver beworben werden. Bei ‚Freie Schichten 6‘ in einem Jahr hofft David Gruschka daher auf größere Resonanz beim Nicht-Insider-Publikum.


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