Ausstellung gegen Rechtsextremismus Marienschüler in Lingen sind keine Zuschauer der Demokratie

Von Johannes Franke, 04.06.2019, 17:30 Uhr
In der Marienschule wurde die Ausstellung des Landesbüros Niedersachsen der Friedrich-Ebert-Stiftung "Demokratie stärken - Rechtsextremismus bekämpfen" am Montag eröffnet. Bis zum Frfeitag, 14 Juni können Interessierte sie besuchen und werden von Schülern der Klassen 9 und 10 begleitet. Foto: Johannes Franke

Lingen. In der Marienschule Lingen ist die Ausstellung des Landesbüros Niedersachsen der Friedrich-Ebert-Stiftung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ eröffnet worden. Bis zum Freitag, 14. Juni, kann sie besichtigt werden.

 Die Zehntklässler Charlotte, Oliver und Fynn sind wie 15 weitere Mitschüler ausgebildete Guides, die durch die Ausstellung führen. „Wir sind keine Zuschauer der Demokratie mehr, sondern Mitwirkende und wollen Verantwortung übernehmen“, sagen sie zu Beginn der Ausstellungseröffnung. Schulleiter Marco Wittstruck greift diesen „wunderbaren Satz“ in der Begrüßung auf, lobt das Engagement, politische Partizipation zu betreiben. Er warnt vor Stammtischparolen und appelliert, nicht gegen, sondern für etwas zu sein. „Vor allem für die Werte unseres Grundgesetzes und das unglaubliche Gut – unsere Demokratie - einzustehen“, betont er.   

15 Stellwände stehen in der Aula und zeigen, dass der Rechtsextremismus viele Facetten hat. „Was tun bei Stammtischparolen?“, „Rechtspopulismus“, „Rechtsextreme Parteien“, „Rechtsextreme Jugendszene“, „Rechtsextremes Weltbild“, Rechte Aktivitäten in Niedersachsen“, „Todesopfer rechter Gewalt seit 1990“ sind nur einige Überschriften, die mit Aussagen, Bildern, oder Grafiken näher dargestellt und erläutert werden. Weitere Stellwände weisen auf die Stärken der demokratischen Gesellschaft und Politik hin.  „Warum eigentlich Demokratie?“, Demokratie gemeinsam leben“ oder „Demokratie in Gefahr“.

Werbung
Werbung

 In den Redebeiträgen vernehmen die Schüler und Gäste: „Demokratie ist eine Aufgabe – keine Selbstverständlichkeit.“ Die Kreistagsabgeordnete und Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes Emsland, Andrea Kötter, fordert eindringlich, geltendes Recht zu schützen, äußerst aufmerksam zu sein, demokratische Rechte zu verteidigen und darauf zu achten, dass die im Grundgesetz verankerten Grundrechte weiterhin für alle Menschen gelten. „Sie sind das Fundament unseres Staates und die Werte unserer Gesellschaft und haben einen Ewigkeitsanspruch“, betont sie. 

Mahnende Worte

Doch fremdenfeindliche Parolen, Ausgrenzungen, Hetze, unsolidarisches Verhalten, Hass gegenüber anderen Kulturen und Religionen seien wieder an der Tagesordnung, so die Sozialdemokratin weiter. „Ich dachte, diesen Teil der Geschichte hätten wir hinter uns gelassen“, mahnt Kötter. Der Schule, den betreuenden Lehrern, Andrea Temmen und Enrico Jansen, ist sie sehr dankbar dafür, dass die Ausstellung in der Marienschule zu sehen ist. Sie zeige eindringlich die Gefahren auf, die vom Rechtsextremismus als Bedrohung für Demokratie und Menschenwürde ausgehen.

Heribert Lange, Vorsitzender des Vereins Juden-Christen, geht eindringlich und emotional auf diese Aspekte ein. „Ich habe noch nie eine mir so nahe gehende Rede gehört“, wendet sich ein Schüler anschließend an ihn. „Dies alles aber ist für Rechtsextremisten eher nur ein Schmarrn oder gar großer Quatsch, mindestens aber zweifelhaft“, weist Lange auf die Gefahren hin. Es ist nicht nur für die jungen Menschen eine Darlegung der Geschichte, die mit drastischen Worten die verbale Verrohung und die unmenschlichen Taten der Nazis wiedergibt. „Was hat das mit Heute zu tun? Ich sage es Euch: Wer heute sagt ‚Die Ausländer, die Flüchtlinge, die Hartz-IV-Empfänger, die Politiker, die Juden, die Muslime, die Kirche …‘ der steht bereits im Begriff, Menschen und einzelne Menschengruppen nach seinem eigenen Gutdünken zu sortieren, sie in Gut und Schlecht, Nützlich oder Unnütz einzuteilen, ganz und gar auszugrenzen.“ Wehret den Anfängen, denn dies sei die reine Lehre des Faschismus, „und dazu müssen wir alle Nein sagen!“

Schüler der Klassen neun und zehn werden ihren Mitschülern und Interessierten die Ausstellung zeigen, die Ela Otto vom Landesbüro Niedersachsen der Friedrich-Ebert-Stiftung offiziell eröffnete. Die ausgebildeten Guides Charlotte, Fynn und Oliver halten sie für „sehr wichtig. Wir müssen Zivilcourage zeigen und dürfen nicht zulassen, dass sich Rechtsextremismus mit all seinen zu verachtenden Folgen wiederholt“, sagen sie.

Sehen Sie nicht den vollständigen Artikel? Klicken Sie hier für die erweiterte Darstellung. »

Jetzt anmelden, um mehr zu lesen
Jetzt DigitalBasis bestellen
Service
Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN

Allgemeine Geschäftsbedingungen | Kundeninformationen | Datenschutzerklärung | Impressum | Kontakt | Mediadaten | Onlinewerbung

Weitere Angebote, Partner und Unternehmen der NOZ MEDIEN