Feierstunde in Lingen Scherf betont Verdienste der Awo für die Zivilgesellschaft

90-jähriges Bestehen hat der Awo-Ortsverein Lingen in der Halle IV gefeiert. Vorn im Bild links: Hans-Joachim Wiedorn, Friedhelm Merkentrup, Mathilde Heskamp, Ursula Reich und Angelika Diesen. Zweite Reihe von links: Dieter Krone, Henning Scherf, Reinhold Hoffmann, Reinhard Winter, Carsten Primke, Georg Tranel und Herbert Jäger. Foto: Ludger Jungeblut90-jähriges Bestehen hat der Awo-Ortsverein Lingen in der Halle IV gefeiert. Vorn im Bild links: Hans-Joachim Wiedorn, Friedhelm Merkentrup, Mathilde Heskamp, Ursula Reich und Angelika Diesen. Zweite Reihe von links: Dieter Krone, Henning Scherf, Reinhold Hoffmann, Reinhard Winter, Carsten Primke, Georg Tranel und Herbert Jäger. Foto: Ludger Jungeblut
Ludger Jungeblut

Lingen. Der frühere Bürgermeister von Bremen, Henning Scherf, hat die großen Verdienste der Arbeiterwohlfahrt (Awo) für die deutsche Zivilgesellschaft gewürdigt. Der 80-jährige Sozialdemokrat hielt am Freitagabend in der Halle IV vor mehr als 130 Gästen die Festrede in der Feier aus Anlass des 90-jährigen Bestehens des Awo-Ortsvereins Lingen.

"Die Zivilgesellschaft ist der Humus, auf dem die Gesellschaft wächst", betonte Scherf. Er warb dafür, dass die Awo im Bündnis mit anderen Wohlfahrtsverbänden und allen Gutwilligen weiter für eine solidarische Gesellschaft kämpft. "Ist es nicht eine unglaubliche Entwicklung, dass aus dem im Jahr 1945 in Trümmern liegende Deutschland ein Sehnsuchtsort für Flüchtlinge geworden ist?" Scherf erinnerte an die Gründerin der Awo, Marie Juchacz (1879-1956), die als erste Frau am 19. Februar 1919 eine Rede in einem deutschen Parlament hielt und sich darin für die Rechte der Frauen einsetzte. Scherf, der selbst Awo-Mitglied ist, bekräftigte das seit 100 Jahren geltende Selbstverständnis der Awo: "Kampf für Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Toleranz und Solidarität." 

Ehrengast Henning Scherf, der von 1995 bis 2005 Bürgermeister von Bremen war, herzte auch die frühere Awo-Bezirksvorsitzende Karin Börsch aus Lingen. Foto: Ludger Jungeblut


Die Awo sei von Anfang an ganz nah bei den Menschen gewesen und habe durch solidarisches Handeln existenzielle Not gelindert. "Die Awo muss weiter dazu beitragen, dass die Menschen nicht hoffnungslos werden." Scherf plädierte angesichts sinkender Mitgliederzahlen in der Awo dafür, neue Strukturen zu entwickeln. Mit Blick auf die Europawahl am 26. Mai forderte alle dazu auf, demokratische Parteien zu wählen und das Feld nicht den Nationalisten zu überlassen. Es gelte, die Geichgültigen aufzurütteln.

Über die Blumensträuße freuten sich Mathilde Heskamp (links) und Ursula Reich. Foto: Ludger Jungeblut


Lingens Awo-Vorsitzender Reinhold Hoffmann hob ebenso wie Oberbürgermeister Dieter Krone die Verdienste der 85-jährigen Ursula Reich hervor, die seit mehr als 35 Jahren den Seniorenclub im Falkenheim leitet, der sich jeden Mittwoch dort trifft. Einen Blumenstrauß überreichte er zudem an Mathilde Heskamp, die sich wie Helga Diehm (beide wurden 1929 geboren) noch an den Veranstaltungen der Awo beteiligt. Leider konnte Helga Diehm nicht anwesend sein. 

Herzlich begrüßte Henning Scherf auch Irmgard Wessel, die Lebensgefährtin von Herbert Jäger, der als stellvertretender Vorsitzender des Awo-Ortsvereins Lingen fungiert. Irmgard Wessel ist Ehrenvorsitzende des SoVD-Kreisverbandes Osnabrücker Land. Foto: Ludger Jungeblut


Krone bezeichnete die Awo als Kind der Arbeiterbewegung. "In Lingen leisten Menschen seit 90 Jahren Dienst am Menschen", hob er hervor. Er bezeichnete den Awo-Abenteuerspielplatz "Wunderland" im Stadtteil Goosmannstannen als außerordentlich erfolgreiches Präventions- und Integrationsprojekt. "Hier wird hochprofessionelle pädagogische Arbeit geleistet." Davon habe er sich selbst durch Teilnahme an den jährlichen Sommerfesten überzeugen können, Der Oberbürgermeister zeigte sich offen für den Vorschlag, in Lingen eine Straße nach Marie Juchacz zu benennen.  

SPD-Landratskandidatin Vanessa Gattung, hier im Bild mit Henning Scherf, nahm ebenfalls an der Feier zum 90-jährigen Bestehen des Awo-Ortsvereins Lingen teil. Foto: Ludger Jungeblut


Auch Landrat Reinhard Winter unterstützt diese Initiative, wie er in seinem Grußwort deutlich machte. Im Emsland nehme die Awo vielfältige soziale Aufgaben wahr. "Dazu gehören auch die Aussiedlerbetreuung, der Jugendmigrationsdienst und die Flüchtlingsarbeit, bei der sich die Awo seit 1991 auf die finanzielle Unterstützung des Landkreises verlassen konnte. Auch in den Bereichen Seniorenarbeit, Allgemeine Sozialberatung, Vermittlung von Mutter-Kind-Kuren und dem Mahlzeitendienst "Essen auf Rädern" engagiere sich die Awo in der Region in besonderer Weise. Georg Tranel, stellvertretender Vorsitzender des Awo-Kreisverbandes verwies auf das Café International in Meppen als ein Ort des Zusammenkommens zum Überwinden von Vorurteilen und Berührungsängsten.

Zu den Gästen zählten die Lingener Ratsmitglieder (von links) Dr. Michael Adams und Robert Koop sowie Ehefrau Annette Koop. Foto: Ludger Jungeblut


Der stellvertretende Vorsitzende der Awo Weser-Ems, Friedhelm Merkentrup, unterstrich die Bedeutung der Organisation als tragendes Element für die Demokratie. Hajo Wiedorn, Vorstandsmitglied der Awo Lingen, gab einen historischen Überblick. Er erinnerte an die unvergessene Ruth West als Begründerin des Abenteuerspielplatzes Goosmannstannen. Als Vorsitzende der Awo Lingen fungierten unter anderen Änne Keppler, Klaus Schumacher, Gerd Groskurt, Christoph Westermann, Rolf Börsch, Ingrid Hermes und Iris Rösner. Seit 2018 übt Reinhold Hoffmann diese Funktion aus. Laut Wiedorn bietet die Awo in Lingen auch Rechtsberatungen an. Großes Interesse fand in der Veranstaltung ein Film über das 100-jährige Bestehen der Awo in Deutschland.

Für eine gelungene musikalische Umrahmung sorgte Clemens Vollmer, der an der Gesamtschule Emsland in Lingen als Lehrer tätig ist.



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