Ministerin Reimann sieht eine Vorreiterrolle Viel Lob für den Landkreis Emsland bei Gesundheitskonferenz

Die Einladenden und die Referenten: (von links) Sigrid Kraujuttis (Sozialdezernentin Landkreis Emsland), David Herr (Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen), Landrat Reinhard Winter,  Carola Reimann (Landesministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung), Marion Charlotte Renneberg (stellvertretende Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen), Johanna Sievering (Leitende Amtsärztin Gesundheitsamt Landkreis). Foto: Mike RöserDie Einladenden und die Referenten: (von links) Sigrid Kraujuttis (Sozialdezernentin Landkreis Emsland), David Herr (Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen), Landrat Reinhard Winter, Carola Reimann (Landesministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung), Marion Charlotte Renneberg (stellvertretende Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen), Johanna Sievering (Leitende Amtsärztin Gesundheitsamt Landkreis). Foto: Mike Röser
Mike Röser

Lingen. Großes Lob für den Landkreis Emsland hat es während der Gesundheitskonferenz im IT Emsland in Lingen am Mittwoch gegeben. Landesgesundheitsminsterin Carola Reimann bezeichnete die Gesundheitsregion Emsland als Vorreiter und Vorbild für Niedersachsen.

Rund 200 Ärzte, Pflegekräfte, Vertreter anderer medizinischer Berufe und von Kommunen waren der Einladung des Landkreises ins IT Emsland an der Kaiserstraße gefolgt, um sich über Ansätze für die Zukunft der medizinischen Versorgung zu informieren. Dass dies mit "besonderen Herausforderungen" verbunden ist, legte Landrat Reinhard Winter dar und verwies fürs Emsland auf den demografischen Wandel samt steigender Lebenserwartung, den Nachwuchsmangel, die hohe Arbeitsbelastung und die weiten Strecken innerhalb des Landkreises.

Landrat Reinhard Winter. Foto: Mike Röser


Aus diesen Gründen habe sich der Landkreis 2014 als Gesundheitsregion auf den Weg gemacht, um als Moderator und Koordinator Antworten auf Fragen der medizinischen Versorgung zu finden. Aus dieser Arbeit heraus entstanden sind beispielsweise fünf Projekte, die während der Konferenz vorgestellt wurden: "eMedCare" Emsland-Osnabrück (digitale Verzahnung von Medizin und Pflege), die telemedizinische psychiatrische Versorgung nach Entlassung, die Hebammenzentrale Emsland, das Medizinische Versorgungszentrum der Stadt Werlte und das Netzwerk Hospizkultur. Zudem gab es einen Bericht über Telemedizin im ländlichen Raum Sachsen.

Es gebe noch viel zu tun, um die gesundheitliche Versorgung der Bürger im Emsland zukunftsfähig zu machen, unterstrich Winter. "Wir sind nicht am Ende, wir sind am Anfang." Um Möglichkeiten auszuloten, Konzepte vorzustellen und über die Ausrichtung zu sprechen, habe man zu der Konferenz eingeladen. Er betonte dabei die enorme Wichtigkeit der regionalen Steuerung.

Telemedizin vorantreiben

Einen zentralen Punkt bei der Steuerung sah die emsländische Sozialdezernentin Sigrid Kraujuttis bei der Koordinierung der Sektoren ambulante und stationäre Medizin sowie Pflege. Es müssten kluge Versorgungsmodelle entwickelt werden, die alle Beteiligten entlasten und die Versorgung gleichzeitig verbessern. Eine strukturierte Zusammenarbeit werde angemahnt, aber es gebe sie noch nicht. Dafür brauche es eine Plattform, die bei den Landkreisen angesiedelt sein müsse. Dort seien die Bedürfnisse vor Ort bekannt. Die Zusammenarbeit in der Gesundheitsregion Emsland funktioniere gut, betonte sie. Mit Nachdruck voran treiben wolle man die Telemedizin: Durch baldigen Anschluss nahezu aller Haushalte ans Glasfasernetz biete sich dazu eine Riesenchance.

Carola Reimann. Foto: Mike Röser


Für seine Anstrengungen seit 2014 würdigte Gesundheitsministerin Carola Reimann das Emsland als Vorreiter. In vielen Regionen sei mittlerweile angekommen, dass man sich regional engagieren müsse. Vor zehn Jahren sei das noch anders gewesen - nicht jedoch im Emsland. Auch die Ministerin sah die Überbrückung der Grenzen zwischen Medizin und Pflege als entscheidend an: "Die Einsicht im Land dazu wächst, dass wir das brauchen." Die Situation vor Ort müsse aufgegriffen werden, deshalb würden die Gesundheitsregionen vom Land gefördert. Das Emsland sei schon lange dabei, das gelte es, auf ganz Niedersachsen auszuweiten.

Empfehlungen vom Sachverständigenrat

Die Komplexität des Gesundheitssystems wurde deutlich in den Ausführungen von David Herr zur bedarfsgerechten Steuerung im Gesundheitswesen. Er arbeitet als wissenschaftlicher Referent für den Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Dieses spricht der Bundespolitik Empfehlungen auf Grundlage von Gutachten aus. Herr stellte beispielsweise den Vorschlag des Rates für eine integrierte Notfallversorgung vor. Bei dieser muss der Patient nur noch entscheiden, ob er zum Hausarzt geht oder den Notruf wählt. Die Leitstelle vermittelt ihn an die richtige Stelle oder ruft einen Rettungswagen.

Renneberg: Telemedizin sinnvolle Ergänzung

Ihre Wertschätzung für die Arbeit des Landkreises unterstrich auch Marion Charlotte Renneberg, stellvertretende Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen. Was im Emsland geschehe, sei ein "Highlight". Die Bestrebungen der Kreisverwaltung, die Telemedizin voranzutreiben, unterstützte sie mit ihrem Vortrag. Diese sei eine sinnvolle Ergänzung, dürfe den persönlichen Kontakt zum Patienten jedoch nicht ersetzen. Es komme dabei auf eine einfache Handhabung der Technik an. Aus ihrer Arbeit als bekennende Landärztin berichtete sie von positiven Erfahrungen mit einer nicht-ärztlichen Praxisassistentin (NäPa), die Routine-Hausbesuche übernehmen darf. "Das ist eine enorme Entlastung", so Renneberg.


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