Sozialministerin Reimann bei Genial Gesundheitsversorgung funktioniert nur mit Kooperationspartnern

Das Versorgungsmanagement im ländlichen Raum war Thema einer Zusammenkunft auf Einladung des Gesundheitsnetzwerkes Genial, an dem auch die Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung Carola Reimann (6. von links) teilnahm. Foto: Caroline TheilingDas Versorgungsmanagement im ländlichen Raum war Thema einer Zusammenkunft auf Einladung des Gesundheitsnetzwerkes Genial, an dem auch die Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung Carola Reimann (6. von links) teilnahm. Foto: Caroline Theiling

Lingen. Das sektorenübergreifende Versorgungsmanagement im ländlichen Raum stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung, zu der das Ärztenetzwerk Genial Kooperatiospartner eingeladen hatte. Ehrengast der Zusammenkunft war die Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung Carola Reimann (SPD).

Am Ende der Veranstaltung fand die Ministerin lobende Worte für das Netzwerk. "Mein Dank und Respekt für Ihren Einsatz und Ihre Ausdauer". Vorangegangen war eine kurze Präsentation zweier Projekte der Genial eG sowie die Ergebnisse eines Workshops zur Vermeidung von Folgefrakturen der Osteoporose.

Das Ziel der Mitglieder des Ärztenetzes mit insgesamt 69 praktizierenden Ärzten in 33 Praxen in Lingen und Umgebung ist es, eine strukturierte Zusammenarbeit von Ärzten und anderen Berufsgruppen zu organisieren. Dabei stehe immer die Verbesserung der medizinischen Versorgung der Bürger im Mittelpunkt. Der ärztliche Vorstandsvorsitzende der Genial eG, Wolfgang Hentrich stellte mit dem Heimarztmodell und  "genial Lotse" zwei Projekte des Netzwerkes vor.

Wunsch: Weniger Projekte – Längere Förderung

Beim Projekt „genial Lotse“ gehe es im Wesentlichen um Langzeiterkrankungen. Häufigste Ursache dafür  seien in zunehmendem Maße psychische Krankheiten wie Burn out oder Depressionen. Beobachtungen zeigten, dass Dinge wie Konflikte, Schulden oder familiäre Probleme dazu führen können, bei Patienten die Genesung hinauszuzögern oder zu verhindern. Der Patient sei im Spinnennetz der Institutionen, die helfen könnten, schnell überfordert. Hier komme der Loste ins Spiel. Die Förderperiode dieses Projektes sei allerdings mittlerweile ausgelaufen und nach dem aktuellen Stand der Dinge sei ein Weiterführen aufgrund fehlender finanzieller Mittel wohl erst ab August in leicht veränderter Form wieder möglich zeigte sich Hentrich vorsichtig optimistisch. Hentrich plädierte dafür, eher weniger Projekte zu finanzieren, diese dann jedoch langfristiger.

Krankenhauseinweisungen reduzieren

Beim Heimarztmodell besucht eine Ärztin im Auftrag der betreuenden Hausarztpraxen regelmäßig Bewohner in mehreren Pflegeeinrichtungen im Stadtgebiet Lingens. Vor allem die daraus resultierende, verringerte Zahl an Krankenhauseinweisungen sei ein Indikator für die Verbesserung der Qualität hausärztlicher Versorgung. Ein Aspekt, den auch die Ministerin Positiv aufnahm. Denn ihrer Meinung nach gebe es noch deutlich zu viele Krankenhauseinweisungen. "Hier brauchen wir eventuell noch Ihre Unterstützung, um langfristig Planungssicherheit zu haben", richtete Hentrich einen Appell an die Ministerin. "Außerdem", so Hentrich, "würden wir uns mit dem Projekt gern weiter ausdehnen." Es gebe beispielsweise eine Anfrage aus einem Pflegeheim für Nonnen in Thuine, die gerne in das Heimarztmodell mit aufgenommen würden. Das lasse aber der aktuell mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) bestehende Vertrag nicht zu. "Wir brauchen eine Stimme, die ein funktionierendes System unterstützt", ergänzte Prof. Dr. Clarissa Kurscheid,  Geschäftsführerin des Forschungsinstituts für Gesundheits- und Systemgestaltung, FiGuS GmbH.

Neues Projekt

Kurscheid machte in ihrem Vortrag deutlich, dass ihrer Auffassung nach Osteoporose mittelfristig ein großes Problem darstellt. Hier müsste man interdiziplinär vorgehen. Es müsse ein Versorgungspfad erstellt werden: Wie ist nach einer Fraktur weiter? Wie kann man das Risiko einer Folgefraktur mindern? Welche Berufsgruppen sollen involviert sein? Dieses Projekt für die Region Lingen solle weiter erarbeitet werden.

Problem: Finanzierung

Es wurde deutlich, dass all diese Projekte, die nachweislich zur Verbesserung der medizinischen Versorgung beitragen, Probleme mit der Finanzierung haben. Die Ministerin, die den vorgestellten Initiativen positiv gegenüberstand, konnte den Anwesenden keine Versprechungen machen, regte aber an, beispielsweise die Rentenversicherung mit ins Boot zu holen, um einer möglichen Frühverrentung entgegenzuwirken. Möglicherweise seien in Unternehmen auch im Rahmen einer betrieblichen Prävention Gelder zu generieren.



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