Stadtpastoral ergreift Initiative Neuer Friedhof in Lingen wird ökologisch aufgewertet

Zahlreiche Kooperationspartner hat Holger Berentzen (4. von links) von der Stadtpastoral Lingen für das Projekt "Ökologische Aufwertung des Neuen Friedhofs" gewonnen. Foto: Ludger JungeblutZahlreiche Kooperationspartner hat Holger Berentzen (4. von links) von der Stadtpastoral Lingen für das Projekt "Ökologische Aufwertung des Neuen Friedhofs" gewonnen. Foto: Ludger Jungeblut
Ludger Jungeblut

Lingen . Der Neue Friedhof in Lingen ist mit seinem alten Baumbestand auf einer Gesamtfläche von knapp neun Hekar ein Paradies für die Tier- und Pflanzenwelt. Jetzt soll das Areal ökologisch nochmals aufgewertet werden.



Einzelheiten des Projektes haben die Beteiligten in einem Gespräch mit unserer Redaktion bei einem Ortstermin vorgestellt. Ideengeber war die Stadtpastoral Lingen in der Person von Holger Berentzen. Kooperationspartner sind der Nabu Emsland-Süd, die Friedhofskommission Lingen, Steinmetze und Gärtnereien in Lingen, die "Besser in Schuss GmbH" des Christophorus-Werkes Lingen, die Kivelinge sowie die Naturschutzstiftung Emsland.


Im Eingangsbereich des Neuen Friedhofs wurden Mustergrabstätten angelegt. Foto: Ludger Jungeblut


Berentzen: "Das Insektensterben ist ein großes Thema. Da stellt sich auch für uns als Kirche die Frage, was wir dagegen tun können. Schnell ist dabei der Neue Friedhof ins Gespräch gekommen." Berentzen zeigte sich sehr erfreut darüber, dass es sofort gelungen sei, Kooperationspartner zu finden, die mit Begeisterung ökologische Ideen umgesetzt hätten.

Diese Mustergräber wurden nach ökologischen Gesichtspunkten angelegt. Die Gräber sind nicht belegt; die Namen frei erfunden. Foto: Ludger Jungeblut


Gleich am Eingang des Friedhofs befinden sich mehrere Mustergräber, die eine insektenfreundliche Bepflanzung durch heimische Blumen und Sträucher aufweisen. Dazu Nabu-Experte Bernward Rusche: "Heimische Sträucher werden von durchschnittlich rund 20 Insektenarten in Anspruch genommen, bei artfremden Gehölzen sind es nur etwa vier Arten."

An der Nistkastenaktion beteiligten sich auch die Lingener Kivelinge. Im Bild Kommandeur Nils Deymann. Foto: Ludger Jungeblut


Gestaltet wurden die Grabsteine von den Betrieben Steinmetz Korves, Grabmale Tschörtner sowie den Gärtnern der Friedhofskommission Lingen. Die Steine sind laut Berentzen auf "faire Weise", das heißt ohne Kinderarbeit, gewonnen worden. Für die Bepflanzung zeichnen die "Besser in Schuss GmbH", das Blumenhaus Schomaker und das Blumenhaus Korves verantwortlich. Die Gärtner verwendeten dabei pflegeleichte Pflanzen, die das ganze Jahr über blühen und Insektenfutter liefern.

Auch Grabmale können nach ökologischen Gesichtspunkten gestaltet werden. Foto: Ludger Jungeblut


Als Trugschluss bezeichneten Stefan Schomaker, Bastian Korves und der Geschäftsführer der Friedhofskommission Lingen, Florian Heinen, die weit verbreitete Ansicht, dass mit Kiesel bzw. Steinen abgedeckte Gräber pflegeleichter und kostengünstiger seien. Das Gegenteil sei der Fall. Es lasse sich nicht vermeiden, dass nach einiger Zeit Grün zwischen den Steinen sprieße und derartige Gräber auf Dauer unansehnlich würden. "Die Kosten für eine Grabpflege nach ökologischen Gesichtspunkten mit Blumen und Sträuchern sind hingegen überschaubar", sagte Schomaker.

Nach Angaben von Heinen nimmt der Anteil von Erdbestattungen im Vergleich zu den Urnenbestattungen wieder zu: "Im ersten Quartal dieses Jahres verzeichneten wir nur 35 Prozent Urnenbestattungen, nachdem diese in den Vorjahren annähernd 50 Prozent bei der Anzahl aller Bestattungen ausgemacht hatten."

Das neue Hochbeet im Eingangsbereich des Neuen Friedhofs stellte der Geschäftsführer der Friedhofskommission Lingen, Florian Heinen, das neue Hochbeet vor. Foto: Ludger Jungeblut


Martin Gödeker, Betriebsleiter der "Besser in Schuss GmbH", dankte dafür, dass das Christophorus-Werk den Auftrag erhielt, im Rahmen des Projekts 37 Nistkästen für verschiedene Vogelarten, fünf Fledermauskasten sowie drei Insekten-Nisthilfen (sogenannte Insektenhotels) anzufertigen. Neben dem Nabu Emsland-Süd, der fünf Starenkästen dem Projekt beisteuerte, haben auch die Kivelinge ihrem Leitspurch „pro civibus et civitate“ (für die Bürger und die Stadt) Rechnung getragen und sich mit der Anschaffung von 15 Meisenkästen beteiligt. Nach Angaben von Rusche gibt es im Lingener Stadtgebiet etwa 80 verschiedene Vogelarten. "Wir können sie aber nur erhalten, wenn es genügend Insektennahrung vor allem für die Aufzucht der Jungvögel gibt."

Freuen sich über die geplante neue Blumenwiese: (von links): Holger Berentzen, Bernward Rusche und Maike Hoberg. Foto: Ludger Jungeblut


Komplettiert wird die ökologische Aufwertung des Neuen Friedhofs durch ein neues Hochbeet mit heimischen Pflanzen - bei der Auswahl und Gestaltung half das Unternehmen Klukkert - sowie eine 150 Quadratmeter große Wildblumenwiese. Für den Pressetermin hatte Maike Hoberg, Projektleiterin der Naturschutzstiftung Emsland, das Saatgut mitgebracht, das die Beteiligten an Ort und Stelle verstreuten. Eingefasst wird die Wiese von einer Hainbuchenhecke.

Maike Hoberg, Projektleiterin der Naturschutzstiftung Emsland, ließ es sich nicht nehmen, die für die Blumenwiese vorgesehene Fläche einzusäen. Foto: Ludger Jungeblut


Im Rahmen des Projekts sollen mit Unterstützung der Tischlerei Berens noch zwei Infotafeln angebracht werden. Hoberg zeigte sich begeistert von den ökologischen Maßnahmen. Im Sinne aller Beteiligten erklärte sie: "Wir hoffen, dass sich alle Friedhofsbesucher davon inspirieren lassen und überlegen, was sie in ihren Gärten für die Natur tun können."


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