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16.04.2019, 18:00 Uhr KOMMENTAR

Ergebnis des Fahrradklimatestes in Lingen lässt Fragen offen

Ein Kommentar von Wilfried Roggendorf


Lingen braucht Lösungen, die den Bedürfnissen aller Verkehrsteilnehmer gerecht werden. Dazu sind auch Kompromisse notwendig. Foto: Wilfried RoggendorfLingen braucht Lösungen, die den Bedürfnissen aller Verkehrsteilnehmer gerecht werden. Dazu sind auch Kompromisse notwendig. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Auf den ersten Blick erscheint das Abschneiden der Stadt Lingen beim ADFC-Fahrradklimatest nicht sonderlich gut. Doch ist wirklich alles so schlecht, wie es das Testergebnis glauben lassen möchte?

Um diese Frage zu beantworten, lohnt es sich, auch einen Blick auf die Repräsentativität der Umfrageergebnisse zu werfen. 154 Teilnehmer sind für Lingen wahrlich keine große Zahl. Von diesen 154 beträgt der Anteil der unter 30-Jährigen gerade einmal sechs Prozent. Damit ist eine wesentliche Gruppe der Radfahrer in Lingen im Fahrradklimatest des ADFC deutlich unterrepräsentiert. So ist es schlichtweg unmöglich, das Ergebnis des Fahrradklimatests für Lingen sinnvoll einzuordnen. 

Ein weiterer Punkt wirft Fragen auf: Laut ADFC möchten bundesweit 81 Prozent der Umfrageteilnehmer getrennt vom Autoverkehr Rad fahren. Dies steht im kompletten Gegensatz zur jahrelangen Forderung des ADFC in Lingen, den Radverkehr weg vom Hochbord auf die Fahrbahn zu bringen.

Der ADFC beschreibt mit den Ergebnissen seines Fahrradklimatests für Lingen plakativ vermeintliche Missstände. Den Nachweis dafür bleibt er aber schuldig. Als Richtschnur für kommunalpolitisches Handeln in Lingen ist das Testergebnis daher nicht geeignet.

Was also mit den Ergebnissen machen? Sie völlig zu ignorieren wäre sicherlich falsch. Aus ihnen den Schluss zu ziehen, in Lingen wäre für Radfahrer fast alles schlecht, ist aber genauso verkehrt. Die gegenseitigen Vorwürfe, die sich die Lingener CDU und die Grünen machen, sind von daher weder angebracht noch der Sache dienlich.

Gerade im ländlich geprägten Raum kommt es auf eine Verkehrsplanung an, die allen Verkehrsteilnehmern Raum gibt – egal, ob sie zu Fuß, auf zwei oder vier Rädern unterwegs sind.


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