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Vier Jahre Planungszeit Großrevision bei der Lingener Raffinerie

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wrog Lingen. Benjamin Wendt schaut konzentriert auf die Bildschirme vor sich, überwacht nicht nur die Arbeiter, sondern auch Messwerte zum Gasgehalt der Luft in den Anlagen. Bei Bedarf nimmt er Verbindung zu den Betroffenen auf, warnt und trägt somit wesentlich zum sicheren Ablauf der Revision der BP-Raffinerie im Lingener Ortsteil Holthausen-Biene bei.

„Wenn es an einem Tag keine besonderen Vorfälle gibt, haben wir einen ‚Great Day‘ und am nächsten Tag gibt es das Mittagessen zum halben Preis“, erläutert der kaufmännische Geschäftsführer der Raffinerie, Andreas Mohr. So wolle man neben den 600 eigenen Beschäftigten die bis zu 2500 Mitarbeiter von Fremdfirmen, die während der im Fünfjahresrhythmus stattfindenden Revision auf dem circa 270 Fußballfelder großen Raffineriegelände tätig sind, zum Einhalten der Sicherheitsbestimmungen motivieren.

Geplant hat die Revision Stefan Kempe. „Angefangen mit den Vorbereitungen haben wir vor vier Jahren“, erläutert er. Diese lange Planungszeit sei erforderlich, um die über 240000 einzelnen Vorgänge und Arbeiten während der Revision sauber zu koordinieren.

Überall auf dem Gelände liegen auseinandergebaute Anlagenteile scheinbar planlos herum. „Die sind alle genau nummeriert – sollten sie zumindest“, beruhigt Kempe. Wichtig sei, dass dieses Puzzle – aus wie vielen Teilen es wirklich besteht, hat bei der Raffinerie noch niemand gezählt – am Ende auch wieder richtig zusammenpassen.

Betroffen von der Revision seien 70 Prozent der Anlage, so Geschäftsführer Norbert Kleine-Eggebrecht. „30 Prozent laufen weiter, um die Versorgung des regionalen Marktes aufrechtzuerhalten.“ Bei der Revision würden alle fünf Jahre die unter Druck stehenden oder hohen Temperaturen ausgesetzten Teile kontrolliert, gereinigt und bei Bedarf repariert oder ausgetauscht. Der TÜV kontrolliere die Arbeiten.

Erfahrene Fremdfirmen

„Die Fremdfirmen haben teilweise mehr Erfahrung als wir“, lobt Kleine-Eggebrecht die Experten in Sachen Raffinerierevision. Manche seien nur mit drei, andere mit 300 Mitarbeitern vor Ort. „Wir tun eine Menge, um den Leuten das Leben angenehmer zu machen“, sagt der Raffineriechef. Zu einer solchen Maßnahme gehört sicherlich auch das mit 450 Sitzplätzen ausgestattete Mensazelt auf dem eigens eingerichteten Fremdfirmengelände. Es steht direkt neben den 150 Bürocontainern und den drei Umkleidezelten mit ihren 2750 Spinden.

„Wir nutzen die Revision auch, um Maßnahmen zur technischen Instandsetzung und wirtschaftlichen Optimierung der Anlage durchzuführen, erläutert Mohr. Manche neu errichteten Teile könnten nur während des Stillstandes an die Anlage angedockt werden, fügt Kempe hinzu. Noch bis zum 5. Oktober sollen Arbeiten dauern. Dann beginnt für die Raffinerie die Vorbereitung auf ein neues Großereignis – die Revision 2016.

Zahlen und Fakten zur Revision

Rund 42 Millionen Euro koste die derzeit laufende Großrevision der Raffinerie in Holthausen-Biene. 17 Millionen des Budgets verblieben bei Unternehmen aus der Region. Hinzu komme der wirtschaftliche Gewinn für die Region durch die Kaufkraft der bis zu 2500 Fremdfirmenmitarbeiter, beispielsweise durch die Belegung von Hotelbetten. Dies erklärte jetzt Norbert Kleine-Eggebrecht, Geschäftsführer der zu BP gehörenden Raffinerie. Gleichzeitig würden 10 Millionen Euro in die technische Instandsetzung und 6 bis 7 Millionen Euro in die wirtschaftliche Optimierung der Anlage investiert. Laut Kleine-Eggebrecht zählt die wegen der Revision zu 70 Prozent abgeschaltete Raffinerie zu den energieeffizientesten weltweit. Die Arbeiten der sechs Wochen dauernden Revision lägen im Zeitplan.


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