Neu: Separater Frauentrakt Unterkunft für Obdachlose in Lingen ist jetzt barrierefrei

Völlig barrierefrei kommt man jetzt in die Räume des Korczak-Hauses an der Rheiner Straße. Links ist der Eingang zur Frauenunterkunft zu sehen (weißer Mauervorsprung). Foto: Caroline TheilingVöllig barrierefrei kommt man jetzt in die Räume des Korczak-Hauses an der Rheiner Straße. Links ist der Eingang zur Frauenunterkunft zu sehen (weißer Mauervorsprung). Foto: Caroline Theiling

Lingen. Über einen eigenen Bereich für Frauen und die Verbesserung der Barrierefreiheit freut sich der SKM Lingen im Korczak-Haus an der Rheiner Straße.

Der SKM bietet dort im Rahmen der Wohnungslosenhilfe vor allem durchreisenden Obdachlosen eine Möglichkeit, ein paar Tage dort zu bleibe und zu übernachten.Über einen eigenen Bereich für Frauen und die Verbesserung der Barrierefreiheit freut sich der SKM Lingen, der an der Rheiner Straße im Rahmen der Wohnungslosenhilfe vor allem durchreisenden Obdachlosen eine Möglichkeit bietet, ein paar Tage dort zu bleiben und zu übernachten. 

Das Land Niedersachsen hat die Sanierung und den Umbau des Tagesaufenthalts mit 84.000 Euro unterstützt. Träger der Maßnahme ist der Katholische Verein für Soziale Dienste Lingen (SKM), der mit Hilfe des Landeszuschusses insgesamt fast 120.000 Euro investiert hat.

Einen kleinen, aber separaten, Raum im Korczak-Haus für Frauen zeigt Sozialpädagogin Julia Schwob. Besucherinnen haben hier auch ein eigenes Bad und eine Kochecke. Foto: Caroline Theiling


"Wir sind sehr froh,  jetzt den Frauen einen Rückzugsort für sich anbieten zu können," erklärte Sozialpädagogin Julia Schwob bei einem Rundgang durch die sanierten Räumlichkeiten. Bislang hatten Frauen und Männer einen gemeinsamen Eingang, eine gemeinsame Küche und einen gemeinsamen Aufenthaltsraum. Und den Schlafbereich erreichten durchreisende Frauen erst nachdem sie den Männerbereich durchquert hatten. Nicht nur der Übernachtungsbereich kann jetzt barrierefrei erreicht werden. Auch die Treppen am Eingang  zu den Beratungsräumen wurden entfernt. Eine weitere Verbesserung erwartet die Durchreisenden im Tagesaufenthalt. Hier sind jetzt WC und Dusche getrennt und ebenfalls stufenlos zu betreten. 

"Kaum waren die Bauarbeiten Mitte Januar soweit fortgeschritten, dass wir wieder eine Übernachtung  für Frauen anbieten konnten, war das Zimmer auch schon belegt," berichtete die Sozialpädagogin, die schon seit zehn Jahren in der Wohnungslosenhilfe tätig ist. Seither gab es am vergangenen Donnerstag den ersten Tag an dem das Zimmer nicht belegt war. Dass die Not hier recht groß ist, belegen auch die Zahlen, die Schwob im Gespräch nannte. 

Die Durchschnittsbesucheranzahl im Tagesaufenthalt lag demnach in 2018 bei 34 Personen pro Tag. Im Jahr 2017 waren es 28 Personen. In der Übernachtungsstelle wurden in 2018 insgesamt 186 Besucher und Besucherinnen gezählt (181 waren es in 2017). Im Jahr 2018 betrug die Anzahl der Gesamtübernachtungen 1012. "Manche bleiben bis zu sieben Tagen", erklärte die Sozialpädagogin. Das sei die maximale Anzahl der Tage pro Monat, die eine Person da bleiben darf. Als Beispiel erzählte sie von einer Frau, die schon seit längerem ein Alkoholproblem hat. Die Durchreisende sei dann zur Entgiftung nach Osnabrück vermittelt worden. Aber so ein Platz sei ja auch nicht von heute auf morgen zu haben. So habe diese Frau diese sieben Tage voll ausgeschöpft.

Doch an der Rheiner Straße finden nicht nur die Obdachlosen ein Dach über dem Kopf, wie Julia Schwob im Gespräch mit der Redaktion deutlich machte. Es wird auch eine psychosozialen Beratung angeboten sowie die Vermittlung materieller Hilfen bei Behördenangelegenheiten. Darüber hinaus wurden in 2018 vor allem die Möglichkeit der postalischen Meldeadresse, die Essensangebote und die Vermittlung in die Übernachtungsstelle in Anspruch genommen. Schwob ist überzeugt, dass diese steigenden Zahlen  unter anderem der derzeit schwierigen Wohnungsmarktsituation in Lingen geschuldet sind.  

Schon vor Beginn der Arbeiten, nachdem im vergangenen Jahr die Zusage der Landesmittel eingetroffen war,  hatte Geschäftsführer Hermann-Josef Schmeinck erklärt: "Wir bedanken uns auch im Namen der Schutz und Obdach suchenden Menschen bei allen Parteien im Landtag, die dieses ermöglicht haben."


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